Petraeus-Affäre weitet sich aus

Dienstag, 13. November 2012, 13:50 Uhr
 

Perth (Reuters) - Die Affäre um den zurückgetretenen CIA-Chef David Petraeus weitet sich aus: Inzwischen wird auch gegen den US-Befehlshaber der Nato-Truppen in Afghanistan, General John Allen, ermittelt.

Er soll "unangemessene" E-Mails mit Jill Kelley ausgetauscht haben - der Frau, die die Ermittlungen ins Rollen gebracht hatte. US-Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte auf seinem Flug nach Australien am Dienstag, er habe darum gebeten, die geplante Nominierung Allens als Oberkommandierenden der US-Truppen in Europa zunächst auf Eis zu legen. Dem habe Präsident Barack Obama zugestimmt.

Wie die Fälle miteinander verwoben sind, ist noch weitgehend unklar. Die bislang bekanntgewordenen Informationen lassen allerdings vermuten, dass der Skandal noch weit höhere Wellen schlagen könnte. Befürchtet wird die Weitergabe von vertraulichen Informationen, über die Allen als Nachfolger von Petraeus als US-Kommandeur in Afghanistan in großem Umfang verfügt. Ein Vertreter des Verteidigungsministeriums sagte, die Bundespolizei FBI habe E-Mails im Volumen von 20.000 bis 30.000 Seiten aus den Jahren 2010 bis 2012 zwischen Allen und Kelley sichergestellt. Auf die Frage, ob man auch über die Weitergabe geheimer Informationen besorgt sei, sagte der Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte: "Wir sind besorgt über die unangemessene Kommunikation. Wir haben aber nicht die Absicht über den Inhalt der Dokumente zu spekulieren."

Allen sollte am Donnerstag in Washington auf einer Anhörung des Kongresses als künftiger Kommandeur der US-Truppen in Europa bestätigt werden. Als sein Nachfolger in Afghanistan ist General Joseph Dunford vorgesehen. Das FBI informierte am Sonntag das Verteidigungsministerium über die verdächtigen E-Mails. Panetta beauftragte umgehend den Generalinspekteur des Ministeriums, die Ermittlungen zu übernehmen. Allen bestreitet nach Angaben aus Kreisen des Ministeriums jegliches Fehlverhalten. Er soll bis zum Ende der Ermittlungen seinen Posten in Afghanistan behalten, ordnete Panetta an. Zugleich sprach er sich aber auch dafür aus, dass der Senat zügig über die Nominierung Dunfords entscheidet.

ALLES DREHT SICH UM KELLEY

Die Adressatin der E-Mails von General Allen, die 37-jährige Jill Kelley, spielt auch in der Petraeus-Affäre eine Schlüsselrolle. Die Freundin der Familie Petraeus hatte sich durch Mails, die offenbar von der Petraeus-Geliebten Broadwell stammten, bedroht gefühlt und sich an das FBI gewandt. So kam die Affäre ins Rollen.

Eine Liebebeziehung mit dem Ex-General und Ex-CIA-Chef soll Kelley aber nicht gehabt haben, hieß es in ihrem Bekanntenkreis. Die Familien kennen sich seit der Zeit, als Petraeus von 2008 bis 2010 in Tampa im Bundesstaat Florida als Chef des Central Command stationiert war. Fotos aus der Zeit zeigen Petraeus und seine Frau Holly zusammen mit den Kelleys. Auch als Petraeus in Washington war, hätten sich die Familien besucht, hieß es in deren engerem Umfeld.

In Tampa engagierte sich Kelley, eine Tochter libanesischer Einwanderer, ehrenamtlich für die Integration der auf dem Luftwaffenstützpunkt MacDill stationierten ausländischen Offiziere. Wegen ihrer engagierten Kontaktpflege galt sie beim Militär als "Ehrenbotschafterin", sagte ihr Bruder David. Angesichts ihrer Beziehungen zum Militär sei es nicht überraschend, dass sie sich an das FBI gewandt habe, als sie von einem unbekanntem Absender bedrohliche Mails erhalten habe, sagte er.

KELLEY GAB ANSTOSS ZU ERMITTLUNGEN, DIE PETRAEUS STÜRZTEN

Dieser Schritt führte schließlich zur Aufdeckung der Affäre zwischen dem 60-jährigen Petraeus und der 20 Jahre jüngeren Paula Broadwell. Broadwell, eine sehr sportliche Reserveoffizierin, wurde durch eine Petraeus-Biographie bekannt. Für das Buch hatte sie direkten Zugang zu dem General und begleitete ihn auch eine längere Zeit in Afghanistan. Viele Gespräche hätten sie beim gemeinsamen Joggen geführt, sagte sie bei der Vorstellung ihres Buches über Petraeus. Nach Bekanntwerden seiner Affäre trat er am Freitag als Chef des Geheimdienstes CIA zurück. Broadwell, die in Charlotte im Bundesstaat North Carolina mit ihrem Mann und zwei Kindern lebt, äußerte sich bislang nicht öffentlich dazu.

Die Mails zwischen den beiden Frauen wirkten nach Informationen aus Kreisen der Ermittler eher kindisch und eifersüchtig und zeigten das Bemühen, jeweils wichtiger für Petraeus zu sein als die andere. Am Montag durchsuchten FBI-Mitarbeiter die Wohnung von Broadwell in Charlotte. Sie nahmen anscheinend zwei Computer und zehn Kisten mit.

 
Director of the Central Intelligence Agency David Petraeus is seen in the East Room of the White House in Washington May 31, 2012. REUTERS/Larry Downing (UNITED STATES - Tags: POLITICS)