E.ON vergrault mit Ausblick Anleger - Kurs bricht ein

Dienstag, 13. November 2012, 15:31 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der größte deutsche Energiekonzern E.ON hat wegen der schwächelnden Stromnachfrage in Europa seine Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre gekippt.

Das Dax-Schwergewicht sorgte damit am Dienstag trotz Milliardengewinnen im laufenden Jahr für einen Paukenschlag - der Aktienkurs stürzte zeitweise um knapp 13 Prozent ab und verzeichnete den höchsten Tageverlust in der Unternehmensgeschichte. "Die Verwerfungen in den europäischen Energiemärkten verschärfen sich schneller als jemals zuvor", klagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Durch die Euro-Krise greife zugleich die Rezession um sich. Teyssen treibt den Abbau Tausender Arbeitsplätze und Beteiligungsverkäufe in Milliardenhöhe voran. Überlegungen zum Bau des umstrittenen Kohlekraftwerks Staudinger 6 bei Frankfurt gibt der Versorger nun auf.

Noch im Sommer schien es, als könne der größte deutsche AKW-Betreiber die Einbußen durch den beschleunigten Atomausstieg hinter sich lassen. Einmalbelastungen aus der Energiewende fielen nicht mehr an, zudem sorgten günstigere Verträge mit dem russischen Gazprom-Konzern für Entlastung. In den ersten neun Monaten des Jahres konnte E.ON auch noch kräftig zulegen. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg stärker als vom Markt erwartet um 35 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro. Der für die Dividende nachhaltige Überschuss schoss sogar um 155 Prozent auf vier Milliarden Euro in die Höhe. Für 2012 bleibt der Ausblick bestehen - die Gewinne sollen steigen und die Aktionäre eine Dividende von 1,10 Euro je Aktie erhalten, nachdem sie für 2011 einen Euro bekommen hatten.

MILLIARDEN-EXPANSION IN SÜDEUROPA KOMMT E.ON TEUER ZU STEHEN

Doch wenn im kommenden Jahr die positiven Effekte verbucht sind, sieht es trübe aus. Bislang hatte E.ON für 2013 ein Ebitda von 11,6 bis 12,3 Milliarden Euro und für 2015 von bis zu 13 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Diese Prognosen sei wohl nicht mehr erreichbar, räumte Teyssen nun ein. "In Europa und mittlerweile auch in Deutschland wächst die Wirtschaft deutlich verlangsamt, manche Teile Europas gehen in Richtung Stagnation oder gar Schrumpfung." In Italien sei die Stromnachfrage um zehn Prozent eingebrochen, bei den Industriekunden in Spanien um gut sieben Prozent. "Noch nie seit dem zweiten Weltkrieg war in so kurzer Zeit ein so deutlicher Absatzrückgang zu beobachten."

E.ON trifft die Schwäche in Südeuropa allerdings auch besonders stark, weil der Energieriese unter Teyssens Vorgänger Wulf Bernotat Milliardensummen in südeuropäischen Geschäften versenkt hat, von denen ein großer Teil abgeschrieben werden musste. Kritik kam denn auch von Analysten: "E.ON hat aus unserer Sicht unter den gegenwärtigen Marktbedingungen die falschen Anlagen", schrieben die Experten der HSBC. Insbesondere in Deutschland werden die Kohle- und Gaskraftwerke zunehmen durch den boomenden Ökostrom verdrängt.

KOHLEKRAFTWERK STAUDINGER 6 WIRD NICHT GEBAUT

Auf Kohlekraftwerke in den Niederlanden musste E.ON Abschreibungen vornehmen. Weitere Kraftwerke könnten zudem eingemottet werden, sagte Teyssen auf einer Telefonkonferenz. Der Bau von Staudinger 6 hätte E.ON wohl mehr als eine Milliarde Euro gekostet. Anwohner und Umweltschützer hatten seit Jahren gegen das Kraftwerk mit einer Leistung von 1100 Megawatt protestiert. Das benachbarte Gaskraftwerk Staudinger 4 und das Gaskraftwerk Irsching 3 in Bayern sollen noch als Reserve zur Sicherung der deutschen Stromversorgung im Winter gehalten werden und später abgeschaltet werden.

Neben dem schwindenden Absatzmengen vermiesen auch die gefallenen Großhandelspreise den Versorgern das Geschäft. Darunter haben auch die Konkurrenten EnBW und Vattenfall zu leiden. Der Essener Rivale RWE legt am Mittwoch seine Zahlen vor. Wegen der schwächeren Nachfrage der Industrie in den schuldengeplagten Ländern Südeuropas und Überkapazitäten an Kraftwerken sind die Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die privaten Verbraucher profitieren davon aber kaum, da Steuern und Abgaben im Haushaltskundenpreis gestiegen sind.

 
The building site of a coal power plant of German utility giant E.ON is pictured in the western city of Datteln May 1, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: ENERGY BUSINESS)