Gewerkschaft durchkreuzt Sparkurs der Lufthansa

Dienstag, 13. November 2012, 16:18 Uhr
 

Wiesbaden (Reuters) - Mit einem millionenschweren Tarifabschluss erkauft sich die Lufthansa Frieden mit ihren streikerprobten Flugbegleitern.

Der Konzern einigte sich am Dienstag mit der Gewerkschaft Ufo auf Gehaltserhöhungen um 3,95 Prozent bei einer Laufzeit von zwei Jahren. Die Lufthansa nimmt damit einen Rückschlag bei ihrem Sparkurs in Kauf, um den von spektakulären Streiks im Spätsommer begleiteten Tarifkonflikt nach über einem Jahr zu beenden. "Der Kompromiss ist für die Lufthansa sehr schmerzhaft", sagte Lufthansa-Verhandlungsführer Peter Gerber. Ufo-Chef Nicoley Baublies erklärte, Gewerkschaft und Konzern könnten jetzt wieder nach gemeinsamen Wegen suchen, dem scharfen Wettbewerb zu begegnen. Wenn die Gewerkschaftsmitglieder in einer Urabstimmung dem Abschluss zustimmen, sind weitere Streiks in der Adventszeit nun vom Tisch.

Die Streitparteien hatten den früheren Wirtschaftsweisen Bert Rürup als Schlichter zu Hilfe gerufen, der das Ergebnis zusammen mit Gerber und Baublies in Wiesbaden vorstellte. Neben der Gehaltserhöhung im Januar erhalten die 18.000 Stewards und Stewardessen einen zweijährigen Kündigungsschutz und eine Einmalzahlung. Damit beträgt das Abschlussvolumen nach Angaben der Lufthansa 4,6 Prozent. Die Mehrkosten beliefen sich für den Konzern brutto auf 33 Millionen Euro. Die Gewerkschaft hatte Gehaltserhöhungen von fünf Prozent bei einer Laufzeit von 15 Monaten gefordert. Dagegen hatte die Lufthansa zuletzt eine Erhöhung um 3,5 Prozent über drei Jahre angeboten.

Die Lufthansa hat sich Anfang des Jahres ein massives Kostensenkungsprogramm verordnet, mit dem der Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigen soll. "Vergütungserhöhungen sind da eigentlich ausgeschlossen", betonte Gerber am Dienstag. Mit dem Sparprogramm will die Airline die explodierenden Spritkosten abfedern und Investitionen in neue Flugzeuge bezahlen. In den ersten neun Monaten hatte der Konzern lediglich eine operative Rendite von 3,1 Prozent erzielt. Zudem kämpft die Kranich-Airline mit harten Konkurrenten, darunter Billigflieger wie Ryanair und arabische Fluggesellschaften wie Emirates.

Die Stewards und Stewardessen der Lufthansa müssen nun bis Ende 2014 auch keine betriebsbedingten Kündigungen befürchten. "Das ist gerade in Zeiten, wo in anderen Teilen des Konzerns Arbeitsplätze abgebaut werden, sehr wichtig", sagte Gewerkschaftschef Baublies.

Die Lufthansa hofft, die Ausgaben wieder hereinzukriegen, in dem etwa die Flugbegleiter künftig flexibler eingesetzt werden können. Zudem laufe der Tarifvertrag lang, was der Lufthansa Planungssicherheit gebe, sagte Gerber. Wichtigster Punkt aus Sicht der Lufthansa: Die regelmäßigen Gehaltserhöhungen bei der Lufthansa, die es in den derzeitigen Tarifverträgen noch gibt, seien bei neuen Mitarbeitern nicht mehr so großzügig. Nachdem die Lohnsteigerungen bisher meist jährlich kamen, sollte bei neuen Beschäftigten der Schritt in höhere Gehaltsstufen langsamer erfolgen. Er gehe aber davon aus, dass die Bordservice-Kräfte wie geplant einen Beitrag zum Sparprogramm des Konzerns leisten werden, sagte der Lufthansa-Manager. Wie hoch dieser ausfalle, wollte er nicht sagen.

Erneute Streiks sind aber noch nicht endgültig vom Tisch. Die Ufo-Mitglieder müssen den Schlichterspruch in einer Urabstimmung noch annehmen. Mehr als 50 Prozent von ihnen müssten bis zum 10. Dezember zustimmen, sagte Baublies. Das wird nicht einfach: Die Stimmung bei den Flugbegleitern ist gereizt, da die Lufthansa ihren Sparkurs jüngst verschärft. Die Lufthansa will einen Teil ihres Europaverkehrs von der Billigtochter Germanwings erledigen lassen, bei der die Bordkräfte weniger verdienen als beim Mutterkonzern. Dafür sollen Flugbegleiter im Konzern freiwillig zu Germanwings wechseln. Darüber hinaus werden nach Firmenangaben wegen einer Kürzung der Flugkapazitäten 2000 Flugbegleiter weniger gebraucht. Wie diese Stellen abgebaut werden sollen, ist noch offen.

 
People stand under the logo of the Lufthansa carrier during the inauguration of the A330-200 passenger plane flight simulator at the Lufthansa Flight Training (LFT) centre in Berlin, November 1, 2012. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: TRANSPORT BUSINESS LOGO)