Kohlekraftwerke füllen Energiekonzern RWE die Kassen

Mittwoch, 14. November 2012, 12:55 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Energiekonzern RWE macht dank seiner Kohlekraftwerke in Europa ordentlich Kasse.

Während die Auslastung der ökologisch zweifelhaften Meiler zugenommen hat, kostet der Betrieb wegen des Preisverfalls von Verschmutzungsrechten deutlich weniger. So gelang es dem Essener Versorger, seinen Nettogewinn in den ersten neun Monaten dieses Jahres um ein Drittel auf 1,9 Milliarden Euro zu steigern. Und im Gegensatz zum Konkurrenten E.ON hob RWE am Mittwoch seine Prognose für 2012 um einen Hauch an und bekräftigte den Ausblick für 2013.

"Trotz schwieriger Rahmenbedingungen war 2012 bisher ein gutes Geschäftsjahr", freute sich Vorstandschef Peter Terium. Er drückt die Kosten und treibt den Abbau tausender Jobs voran. Zudem will er Beteiligungen in Milliardenhöhe abstoßen. "Die Rahmenbedingungen für Desinvestitionen sind schwieriger geworden", räumte er allerdings ein. 1,6 Milliarden von geplanten bis zu sieben Milliarden Euro hat er eingesammelt.

RWE habe sein operatives Geschäft verbessert, erläuterte Terium, der seit Juli den Konzern führt. "Im Vorjahr waren hohe Sonderbelastungen aus der deutschen Energiewende eingetreten, die sich 2012 nicht wiederholten." Den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) und das Betriebsergebnis will RWE 2012 nun mindestens auf dem Vorjahresniveau halten. Bisher hatte der Konzern die Formulierung "in etwa so hoch wie im Vorjahr" verwendet.

STEINKOHLE, BRAUNKOHLE, KOHLE

Tatsächlich sind die führenden deutschen Energiekonzerne unterschiedlich für die gegenwärtige Lage gerüstet. E.ON leidet unter der schwachen Stromnachfrage insbesondere in Spanien oder Italien. Während E.ON unter seinem früheren Chef Wulf Bernotat Milliardensummen in neuen Geschäften in Südeuropa versenkte, von denen ein Großteil abgeschrieben werden musste, betreibt RWE dort nur einige Ökostromgeschäfte.

Bei E.ON spielen zudem im Erzeugungsmix Gaskraftwerke eine größere Rolle als bei RWE. Die schnellregelbaren Anlagen müssen jedoch immer häufiger dem boomenden Ökostrom aus Wind und Sonne weichen. An RWE geht dies allerdings auch nicht spurlos vorbei. Der massive Ausbau der Solarenergie in Deutschland habe sich sogar auf die Auslastung seiner Gaskraftwerke in den Niederlanden ausgewirkt, berichtete der Konzern.

Das große Plus von RWE sind aber derzeit ausgerechnet die Kraftwerke, die von Umweltschützern wegen ihres Ausstoßes des klimaschädlichen Kohlendioxids besonders kritisiert werden - die Kohlemeiler. "Stark verbessert hat sich die Auslastung unserer Steinkohlekraftwerke", heißt es im Quartalsbericht. RWE habe zudem von der Inbetriebnahme des Braunkohlekraftwerks in Neurath bei Köln profitiert. Die Anlage hat mit 2100 Megawatt eine Erzeugungskapazität fast in der Größenordnung des AKW Biblis, das der Versorger im Zuge der Atomwende stilllegen musste. RWE erzeugt mehr als die Hälfte seines Stroms aus Kohlekraftwerken, bei E.ON liegt der Anteil bei einem Drittel.

SEITENHIEB AUS DÜSSELDORF

E.ON-Chef Johannes Teyssen konnte sich daher am Dienstag einen Seitenhieb nicht verkneifen. "Die vergleichsweise sauberen, modernen Gaskraftwerke werden aus dem Markt verdrängt, während alte Kohleanlagen, insbesondere auch die Braunkohle, noch Geld verdienen", klagte er. RWE gibt sich hingegen entspannt, zumal die Verschmutzungsrechte - auch wegen der schwachen Nachfrage in Südeuropa - nur noch halb so viel kosten wie 2011. Überlegungen in der EU, den Zertifikatepreis durch eine Verknappung zu verteuern, lehnt der Konzern ab. "Wir sind der Meinung, dass das Emission-Trading-System in Europa funktioniert", sagte Vorstandsmitglied Bernhard Günther in einer Telefonkonferenz.

Am Aktienmarkt sorgte RWE mit seinem Ausblick für Erleichterung. Die Aktien legten zeitweise mehr als ein Prozent zu, während E.ON-Papiere ihre Talfahrt mit einem Minus von zwei Prozent fortsetzten. RWE habe bei seinen Erwartungen im Gegensatz zu E.ON keinen Revisionsbedarf, schrieben die Experten der LBBW. Teyssen hatte am Dienstag die Prognosen für 2013 und 2015 zurückgenommen. Die Aktie war mit einem Minus von zeitweise knapp 13 Prozent so tief gefallen wie noch nie an einem Tag in der Konzerngeschichte. Die Analysten der Deutschen Bank sprachen von einem "Super-GAU".

 
The new coal power plant is pictured during an official opening ceremony in the western city of Neurath August 15, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: POLITICS ENERGY)