Bundesbank warnt vor Überhitzung am Immobilienmarkt

Mittwoch, 14. November 2012, 14:16 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Bundesbank sieht erste Indizien für einen ungesunden Boom einiger Immobilienmärkte in Deutschland.

Zwar gebe es noch keine Anzeichen für eine Spekulationsblase und ernste Risiken für die Finanzstabilität, erklärten Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger und ihr Vorstandskollege Andreas Dombret bei der Vorstellung des jährlichen Finanzstabilitätsberichts der deutschen Notenbank am Mittwoch. Allerdings berge der teils kräftige Anstieg der Immobilienpreise in und rund um sieben deutsche Großstädte und vor allem in Berlin inzwischen Gefahren.

Sollte es zu Preisblasen in den Ballungszentren kommen, könne dies die Finanzstabilität "erheblich gefährden". Noch sei das Wachstum der Immobilienkredite mit 1,2 Prozent im vergangenen Jahr zu gering gewesen und die Vergabepraxis bei den Krediten traditionell so konservativ, um überhaupt von etwas Vergleichbarem wie einer Kreditblase sprechen zu können, betonte Dombret. Das finanzielle Umfeld und die Entwicklung der vergangenen Monate sprächen jedoch dafür, dass die Gefahren eher zu- als abnähmen. "Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es gerade im Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann." Dagegen hatte Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer am Dienstag noch beschwichtigt: "In Großstädten wie München sind die Preise gestiegen, sie sind aber im internationalen Vergleich noch nicht besonders hoch."

Hauptrisikofaktor für die Finanzstabilität ist und bleibt nach Ansicht der Bundesbank die Schuldenkrise. "Sollte sich die Staatsschuldenkrise erheblich verschärfen, würde das natürlich auch das deutsche Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen", sagte Lautenschläger. Zwar hätten sich die Forderungen der deutschen Banken gegen die von der Schuldenkrise besonders betroffenen Länder zuletzt deutlich reduziert. "Dennoch weist das deutsche Bankensystem zur Jahresmitte 2012 nach wie vor erhebliche finanzielle Forderungen gegenüber Italien und Spanien auf, davon knapp 59 Milliarden Euro gegenüber den öffentlichen Haushalten beider Länder", heißt es in dem Bericht.

Nach Ansicht Lautenschlägers ist die geplante Bankenunion ein wichtiger Schritt, um das Finanzsystem in Europa stabiler zu machen. Allerdings ist die frühere oberste Bankenaufseherin der Finanzaufsicht BaFin skeptisch, ob eine zentrale Aufsicht über alle Banken in der Euro-Zone vor 2014 an den Start gehen kann. "Ich halte auch den gestreckten Zeitrahmen noch für sehr ambitioniert. Die Bankenunion ist eine hochkomplexe Aufgabe." Ein EU-Gipfel hatte sich im Oktober darauf verständigt, dass der gesetzliche Rahmen für die Übernahme der Aufsicht durch die Europäische Zentralbank (EZB) zum 1. Januar 2013 stehen soll und die neue Behörde im Lauf des Jahres ihre Tätigkeit aufnimmt.

Lautenschläger machte erneut deutlich, dass eine unter dem Dach der EZB zentralisierte Aufsicht nicht in der Lage sein dürfte, alle rund 6000 Kreditinstitute der Euro-Zone angemessen zu kontrollieren. Ohnehin kann sie sich vorstellen, dass weniger Banken besser für die Stabilität des Systems wären. "Insgesamt stellt sich bei gestiegenen Kosten und dem sich abzeichnenden härteren Wettbewerb die Frage, ob es in Deutschland ausreichend auskömmliches Geschäft für alle Banken gibt", sagte sie. Einige Banken müssten hart an den Kosten arbeiten. "Da es keinerlei Anzeichen für eine Kreditklemme gibt, sollte auch die Option einer Konsolidierung des deutschen Bankensektors kein Tabu sein."

Verzögerungen bei der zum Jahreswechsel geplanten Einführung strengerer Eigenkapitalanforderungen ("Basel III") sieht die Stellvertreterin von Bundesbank-Präsident Jens Weidmann eher gelassen. "Die G20 haben das so vereinbart. Wir gehen davon aus, dass sich die Einführung von Basel III in den USA nur verspätet." Sie erwarte keine endgültige Absage der Amerikaner wie bei Basel II. Die neue Regulierung wird sich massiv auf die Geldhäuser auswirken und deren Kapitalpolster deutlich schmelzen lassen. Ende September kamen die größten zwölf deutschen Banken laut Bundesbank auf eine Kernkapitalquote von 13,6 Prozent. Mit der Einführung von "Basel III" wird diese wieder deutlich sinken.