Europäer streiken und protestieren gegen Sparpolitik

Mittwoch, 14. November 2012, 14:37 Uhr
 

Madrid/Lissabon (Reuters) - Millionen Europäer haben am Mittwoch mit Streiks und Kundgebungen gegen die Sparpolitik in ihren Ländern protestiert.

In Spanien und Portugal fuhr kaum noch ein Zug. Hunderte Flüge wurden gestrichen, und Fabriken blieben geschlossen. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei wurden in Madrid zahlreiche Menschen verletzt, mehr als 70 wurden festgenommen. Zu dem Aktionstag hatten europäische Gewerkschaften aufgerufen. Protestaktionen gab es auch in Italien, Griechenland, Belgien und Frankreich. Nach Ansicht der Demonstranten verschärfen die Einschnitte zur Bekämpfung der Schuldenkrise in vielen Ländern Europas die Rezession.

"Wir streiken, um diese selbstmörderische Politik zu beenden", sagte der Chef der spanischen Gewerkschaft UGT, Candido Mendez. In der Innenstadt von Madrid setzte die Polizei Gummigeschosse und Schlagstöcke gegen Demonstranten ein. Für den Abend war in der Stadt eine Großkundgebung geplant, ebenso wie in Barcelona und der portugiesischen Hauptstadt Lissabon. Während es in Spanien immer wieder zu größeren Protestaktionen kommt, war die Lage in Portugal bislang ruhiger. Gegen die Politik der konservativen Regierung von Ministerpräsident Pedro Passos Coelho regt sich aber in der Bevölkerung immer größerer Widerstand. Das Land ist auf Kredite internationaler Geldgeber angewiesen.

Das Nachbarland Spanien leidet noch immer unter der geplatzten Immobilienblase. Die Krise hat Millionen Menschen in die Armut gestürzt. Aus Protest gegen die Sparpolitik beteiligten sich Bahnmitarbeiter an dem Ausstand: Nur ein Fünftel der Fernzüge fuhren. Bei Vorortzügen mussten zwei Drittel der Verbindungen gestrichen werden. Behinderungen mussten auch Flugreisende in Kauf nehmen: Betroffen waren vor allem die Gesellschaft Iberia und der Billigflieger Vueling. In Portugal strich die Fluggesellschaft TAP 45 Prozent der Verbindungen.

In der zweitgrößten spanischen Stadt Barcelona wurden Hunderte Müllcontainer von den Straßen geräumt, um sie vor Brandstiftern zu schützen. Zu Randalen kam es in Rom, wo Polizisten von rechtsgerichteten Studenten mit Steinen beworfen wurden. Sie demonstrierten gegen Kürzungen im Bildungssystem. Die größte italienische Gewerkschaft CGIL rief zu einem mehrstündigen Generalstreik im ganzen Land auf. Zug- und Fährverbindungen sollten gestrichen werden.

DGB BEKUNDET SOLIDARITÄT

In Griechenland bereiteten Gewerkschaften einen Demonstrationszug zum Parlament in Athen vor. Die Proteste begannen am Morgen in der Innenstadt. Die Polizei ging von einer vergleichsweise geringen Teilnehmerzahl aus. Schon in der vergangenen Woche gab es in Griechenland einen zweitägigen Generalstreik gegen neue Sparmaßnahmen, die das Parlament beschloss.

Deutsche Gewerkschaften bekundeten ihre Solidarität mit den Protesten. Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, kritisierte, dass mit der Sparpolitik die Krise angeheizt werde. "Dafür muss man Geld in die Hand nehmen, dafür muss man zum Zweiten aber auch dafür sorgen, dass diejenigen, die in diesen Staaten und in Europa insgesamt über das Vermögen verfügen, sich an der Finanzierung eines Aufschwungs beteiligen", sagte der DGB-Chef im Deutschlandradio Kultur.

 
Protestors shout at police during a 24-hour nationwide general strike in central Valencia November 14, 2012. REUTERS/Heino Kalis (SPAIN - Tags: CIVIL UNREST BUSINESS POLITICS EMPLOYMENT)