Israel tötet Hamas-Militärchef und bombardiert Gaza

Mittwoch, 14. November 2012, 17:22 Uhr
 

Jerusalem/Gaza (Reuters) - Im Gazastreifen droht ein neuer Krieg. Israel tötete am Mittwoch den Militärchef der dort herrschenden Hamas und kündigte weitere Angriffe an.

Die Kämpfe dürften sich noch Tage hinziehen, sagte ein Militärsprecher in Jerusalem und schloss eine Bodenoffensive nicht aus. Die Militärorganisation der Islamisten erklärte, mit der Tötung von Ahmed al-Dschaabari habe der jüdische Staat das "Tor zur Hölle" aufgestoßen. Nachdem sich am Dienstagabend noch eine Entspannung angedeutet hatte, griff Israel mehrere Ziele in dem Küstenabschnitt an, darunter Polizeireviere der Hamas. In dem seit fünf Tagen andauernden Konflikt sind mehr als 100 Raketen auf Israel niedergegangen.

Al-Dschaabari war in seinem Auto unterwegs, als eine Rakete ihn und seine Begleiter tötete. Nach palästinensischen Angaben kamen neun Menschen ums Leben, darunter ein siebenjähriges Mädchen. Israels Inlandsgeheimdienst bestätigte den Angriff und rechtfertigte ihn mit "jahrzehntelangen terroristischen Aktivitäten". Das Militär erklärte, mit der Operation sollte die Kommandokette der Hamas-Führung schwer beschädigt werden. In Jerusalem sagte ein Regierungsvertreter, der Tod des Top-Kommandanten markiere nicht das Ende der israelischen Angriffe, weitere würden folgen. Der Schekel fiel zum Dollar auf ein Zwei-Monats-Tief.

ISLAMISTEN: "ISRAEL HAT DEN KRIEG ERKLÄRT"

Im Gaza-Streifen wurde im Rundfunk der Hamas der Ruf nach Rache laut. Auch kleinere Milizen kündigten Vergeltung an. "Israel hat Gaza den Krieg erklärt und wird die Verantwortung für die Konsequenzen übernehmen müssen", erklärte die Gruppe Islamischer Dschihad. Die Hamas kontrolliert den Gazastreifen seit 2007. Anders als die im Westjordanland regierende palästinensische Autonomiebehörde erkennen die Islamisten das Existenzrecht Israels nicht an. 2008/2009 kam es zu einem dreiwöchigen Krieg mit Israel, bei dem 1400 Palästinenser und 13 Israelis ums Leben kamen. Die Hamas fühlt sich durch den Führungswechsel im Nachbarland Ägypten ermutigt, wo eine Regierung mit Wurzeln in der Muslimbruderschaft die Macht übernommen hat.

Noch am Vortag hatten beide Seiten über den Mittler Ägypten die Bereitschaft zu einer Feuerpause signalisiert. Aus Verhandlungskreisen hatte es geheißen, weder die Palästinenser noch die Israelis wollten den Konflikt zu einem Krieg eskalieren lassen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte allerdings gewarnt, wer denke, er könne Israelis gefährden, ohne dafür einen sehr hohen Preis zu zahlen, mache einen Fehler.

Ausgelöst wurden die Auseinandersetzungen durch den Beschuss einer israelischen Patrouille durch radikale Islamisten. Israel griff daraufhin Ziele im Gazastreifen an und tötete mehrere Palästinenser. Die Hamas feuerte Raketen und versetzte Israelis im Süden in Angst und Schrecken.

 
Palestinians try to remove the remains of a car after an Israeli air strike in Gaza City November 14, 2012. REUTERS/Ali Hassan (GAZA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)