Asmussen (EZB) - Alle Euroländer müssen ihre Hausaufgaben machen

Donnerstag, 15. November 2012, 10:48 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Euroländer dürfen sich nach Worten von EZB-Direktor Jörg Asmussen nicht auf den Hilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bewältigung der Schuldenkrise ausruhen.

Eine kurzfristige Abschwächung des Refinanzierungsdrucks dürfe nicht zum Erlahmen der Reformanstrengungen führen, mahnte Asmussen am Donnerstag laut Redemanuskript in Berlin. Dabei seien nicht nur die Länder am Rande der Währungszone gefordert, betonte der deutsche Geldpolitiker: "Der springende Punkt ist, dass alle Länder des Euroraums, auch Deutschland und Frankreich, ihre Hausaufgaben machen müssen."

Das von der EZB ins Auge gefasste Anleihenankaufprogramm ziele nicht nur darauf ab, eine Normalisierung in den Ländern zu erreichen, die unter hohen Zinsen leiden. Vielmehr würden die Maßnahmen dazu beitragen, Kapitalströme umzulenken - mit positiven Effekten für Sparer, Pensionsfonds und Versicherungen.

Nachlässige Haushaltsführung in einem Land dürfe künftig nicht mehr andere Mitgliedstaaten in Mitleidenschaft ziehen, mahnte Asmussen. Damit die notwendigen Reformen umgesetzt werden, müssten Anreize gesetzt werden. "Eine Überlegung wäre, dass Anleihen, die zu einer Staatsverschuldung über dem Schwellenwert von 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) führen, nur nachrangig bedient werden." Das würde nach Ansicht Asmussens die Schuldenaufnahme verteuern und somit ein marktbasiertes Anreizsystem für mehr Haushaltsdisziplin schaffen.