Wirtschaft der Euro-Zone rutscht in die Rezession

Donnerstag, 15. November 2012, 11:42 Uhr
 

Brüssel/Berlin (Reuters) - Trotz Wachstums in Deutschland und Frankreich ist die Euro-Zone in die Rezession gerutscht.

Das Bruttoinlandsprodukt der 17 Mitgliedsstaaten sank zwischen Juli und September um 0,1 Prozent im Vergleich zum Frühjahr, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang um 0,2 Prozent gerechnet. Bereits im Frühjahr war die Wirtschaft um 0,2 Prozent geschrumpft. Bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Fachleute von einer Rezession. Während Deutschland und Frankreich als größte Volkswirtschaften des Währungsraums leicht zulegen konnten, ging die Talfahrt in Krisenländern wie Spanien, Italien, Portugal und Griechenland weiter.

Wegen der Schuldenkrise und des harten Sparkurses in vielen Ländern sind die Aussichten für die Euro-Zone eher düster. "Dieser Rückfall in die Rezession ist hausgemacht", sagte Ökonom Paul de Grauwe von der London School of Economics. "Das ist das Ergebnis übertriebener Sparmaßnahmen in den südlichen Ländern und dem Unwillen der nördlichen Ländern, etwas anderes zu tun." Auch andere Experten äußerten sich skeptisch zur nahen Zukunft. "Das vierte Quartal sieht deutlich schwächer aus, es wird wohl ein noch stärkeres Schrumpfen der Wirtschaftskraft geben", sagte der Euroraum-Chefvolkswirt der Citigroup, Jürgen Michels. "Für 2013 gehen wir von einer anhaltenden Rezession aus." Michels rechnet dann mit einem Minus von rund 0,7 Prozent. Etwas optimistischer ist die EU-Kommission, die dem Währungsraum 2013 immerhin ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent voraussagt.

DEUTSCHLAND UND FRANKREICH SORGEN FÜR SCHWUNG - NOCH

Die Wirtschaft in Deutschland und Frankreich war von Juli bis September je um 0,2 Prozent gewachsen. Die Daten für das Nachbarland gelten als positive Überraschung, denn Experten hatten der französischen Wirtschaft nur eine Stagnation zugetraut. In Italien ging die Talfahrt weiter, ohne sich jedoch zu beschleunigen. Die drittgrößte Volkswirt der Euro-Zone schrumpfte um 0,2 Prozent und damit deutlich geringer als befürchtet. Damit bleibt Italien tief in der Rezession, ebenso wie Spanien, wo es um 0,3 Prozent bergab ging. In den Niederlanden brach die Wirtschaft wegen einer Immobilienkrise und schrumpfender Exporte um 1,1 Prozent ein, in Österreich sank das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 Prozent.

Die Euro-Zone steht damit deutlich schlechter da als die USA. Die weltgrößte Volkswirtschaft legte um 0,5 Prozent zu, Japans Wirtschaft hingegen schrumpfte deutlich um 0,9 Prozent.