Harter Sparkurs von Merck trägt Früchte

Donnerstag, 15. November 2012, 13:44 Uhr
 

Darmstadt (Reuters) - Der harte Sparkurs des Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzerns Merck zeigt Wirkung.

Nach einem überraschend deutlichen Zuwachs des operativen Gewinns im dritten Quartal erhöhte Merck-Chef Karl-Ludwig Kley seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr und äußerte sich auch zum operativen Gewinn etwas optimistischer als noch zuletzt. "Wir liefern gute Zahlen in einer Zeit, in der wir das Unternehmen noch stärker umbauen, als wir das in den vergangenen Jahren gemacht haben", sagte Kley am Donnerstag in Darmstadt zur Vorlage des Zwischenberichts. Im dritten Jahresviertel profitierte das Traditionsunternehmen unter anderem von einer kräftigen Nachfrage nach Flüssigkristallen und Preiserhöhungen im Pharmageschäft. Dabei bekam Merck zusätzlich Rückenwind von einem schwächeren Euro.

Bei Analysten und an der Börse kam dies gut an. Die Merck-Aktie gewann in einem schwachen Gesamtmarkt leicht hinzu. Zeitweise zog der Kurs der Merck-Aktie um bis zu 1,7 Prozent an. "Wir glauben, dass die Restrukturierung bei Merck Früchte trägt und wichtig ist für künftige Wachstumschancen", sagte Claudia Lakatos von Silvia Quandt Research.

Die Hessen bauten im dritten Quartal ihren operativen Gewinn (Ebitda vor Sondereinflüssen) binnen Jahresfrist um 15,6 Prozent auf 754,2 Millionen Euro aus. Damit übertraf Merck die Schätzungen von Analysten. Der Konzern setzte von Juli bis September 2,84 Milliarden Euro um - ein Plus von 12,2 Prozent. Während in Nordamerika und in den Schwellenländern die Umsätze kräftig anzogen, zollte Merck in Europa dem schwachen Wirtschaftsumfeld mit Umsatzeinbußen Tribut. Hohe Sonderlasten unter anderem für den Abbau und die Verlagerung von Stellen im Zuge des Sparprogramms drückten den Konzernüberschuss um 17,2 Prozent auf 185,5 Millionen Euro. Über 400 Millionen Euro kostete Merck der Konzernumbau in den ersten neun Monaten.

Merck schließt unter anderem die Zentrale der Pharmasparte Merck Serono in Genf, wo 500 der zuletzt 1250 Stellen wegfallen und 750 Jobs an andere Standorte verlagert werden. In Deutschland sollen bis Ende 2015 etwa 1100 der aktuell rund 10.900 Stellen gestrichen werden. Am Firmensitz in Darmstadt wird laut Kley der größte Teil des Abbaus 2014 erfolgen. In Frankreich seien die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern erst angelaufen. In Spanien sei dagegen bis Ende des dritten Quartals bereits ein Großteil der Schritte umgesetzt.

CHINESEN BESTELLEN KRÄFTIG FLÜSSIGKRISTALLE

Im lukrativen Flüssigkristallgeschäft sorgte im Quartal unter anderem eine höhere Nachfrage aus China für Schwung. Merck ist Weltmarktführer bei den Kristallen, die unter anderem in Flachbild-Fernsehern und Handy-Displays zum Einsatz kommen. Der bereinigte operative Gewinn der Sparte Performance Materials, zu der das Flüssigkristallgeschäft gehört, kletterte um 38,8 Prozent. Für das vierte Quartal rechnet Merck allerdings mit einer Abschwächung der Nachfrage nach den Kristallen. Die Sparte Performance Materials werde dann nur ein bereinigtes operatives Ergebnis auf Vorjahresniveau erzielen.

Im Pharmageschäft stach im dritten Quartal das Geschäft mit dem Top-Medikament Rebif zur Behandlung von Multipler Sklerose heraus. Die Umsätze mit dem Präparat kletterten um 10,2 Prozent. Dabei profitierte Merck von höheren Preisen im weltgrößten Pharmamarkt USA. Auch Konkurrenten wie Bayer hatten dort ihre Preise erhöht. Dagegen zogen die Umsätze mit dem Krebsmittel Erbitux nur leicht an. Merck spürt in dem Geschäft die zunehmende Konkurrenz und den Sparkurs in vielen Gesundheitssystemen.

ZUVERSICHT WÄCHST

Dank des starken dritten Quartals traut sich Merck für das Gesamtjahr nun Konzernumsätze von 10,9 bis 11,0 Milliarden Euro zu nach 10,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Bisher hatte Konzernchef Kley rund 10,7 Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Das operative Ergebnis soll zwischen 2,90 und 2,95 Milliarden Euro liegen nach 2,73 Milliarden Euro im Vorjahr. Bislang hatte Kley eine Spanne von 2,85 bis 2,95 Milliarden Euro genannt.

Merck hatte angesichts einer Serie von Rückschlägen in der Arznei-Entwicklung ein Umbauprogramm auf den Weg gebracht. Damit will der Konzern die Schlagkraft des Pharmageschäfts stärken und die Entwicklung neuer Medikamente vorantreiben. Auch der Chef der Pharmasparte wurde ausgetauscht und die Weiterentwicklung von wenig erfolgsversprechenden Mitteln wie dem Parkinson-Medikament Safinamid eingestellt. Parallel kooperiert Merck mit kleineren Biotechfirmen, um sich hoffnungsvolle Wirkstoffe zu sichern und seinen dünnen Nachschub an neuen Arzneien aufzufüllen. Allein im Pharmageschäft Merck Serono wollen die Darmstädter ab 2014 weltweit pro Jahr ihre Kosten um 300 Millionen Euro drücken. Der Sparkurs hatte Merck bereits im zweiten Quartal Auftrieb gegeben.

 
The logo of drugs and chemicals group Merck is pictured at one of its branches in central German city of Darmstadt March 7, 2012. REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO HEALTH)