Kreise: Rund ein halbes Dutzend Bieter für Thyssen-Stahlwerke

Donnerstag, 15. November 2012, 13:46 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Ein halbes Jahr nach der Ankündigung des Verkaufs der verlustreichen ThyssenKrupp-Stahlwerke in Übersee lichtet sich das Feld der Interessenten.

Mehrere Bieter seien noch im Rennen, sagten zwei mit dem Prozess vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Bis zu diesem Donnerstag sollten sie ihre Gebote für die Stahlwerke in den USA und Brasilien noch einmal konkretisieren, die abschließende Runde solle im Dezember beginnen. Noch dabei seien die amerikanischen Konkurrenten US Steel und Nucor, die japanischen Stahlkocher Nippon Steel und JFE Steel sowie CSN aus Brasilien. Die Konzerne lehnten wie auch ThyssenKrupp eine Stellungnahme dazu ab.

ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger hatte im Mai die Werke zur Disposition gestellt, die seit Jahren für Verluste sorgen. Unter seinem Vorgänger Ekkehard Schulz waren die Kosten für die beiden Anlagen auf insgesamt zwölf Milliarden Euro explodiert. Heute kann Hiesinger froh sein, wenn er wie erhofft zumindest den Buchwert von sieben Milliarden Euro erzielt. Analysten haben den Wert der Anlagen allerdings nur auf rund drei bis vier Milliarden Euro beziffert. Hiesinger treibe den Verkauf mit Hochdruck voran, heißt es im Konzern. Er hatte vor einigen Monaten von mindestens zehn Interessenten berichtet, aber keine Namen genannt.

THYSSENKRUPP HOFFT AUF RASCHEN ABSCHLUSS

Unklar ist, ob Weltmarkführer ArcelorMittal am Ball bleibt. Als größter Stahlkonzern der Welt und mit einem Standbein in Amerika schaue sich der Konzern die Anlagen natürlich an, hatte Finanzchef Aditya Mittal im vergangenen Monat gesagt. Auch AK Steel hatte sein Interesse angemeldet. Die koreanische Posco, Baosteel aus China und Vale haben hingegen abgewunken. Vale ist bereits an dem Werk in Brasilien beteiligt.

Die Anlage in den USA, die Rohstahl weiterverarbeitet, könnte für Konkurrenten interessant sein, die in den US-Markt eintreten oder ihre Präsenz ausbauen wollen. Das Werk in Brasilien kann jährlich rund fünf Millionen Tonnen Rohstahl produzieren. Es könnte für heimische Stahlkonzerne interessant sein, die ohnehin eine neue Anlage bauen wollen. ThyssenKrupp liegt allerdings wegen Belastungen der Umwelt im Clinch mit den Behörden. Das Stahlwerk hat eine Pannenserie hinter sich und konnte nur allmählich hochgefahren werden.

ThyssenKrupp müsste den Käufern womöglich weiter entgegenkommen, hatte eine mit der Angelegenheit vertraute Person gesagt. Dies könnten Kooperationen oder eine garantierte Mindestabnahme von Stahlmengen sein. Die Bieter hätten noch keine Konsortien gebildet, dazu könne es aber noch kommen. ThyssenKrupp hat die Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley mit dem Verkaufsprozess beauftragt. Der Konzern legt am 11. Dezember seinen Bericht für das Geschäftsjahr 2011/12 (per Ende September) vor. Dann könnte es auch weitere Details zu dem Verkaufsprozess geben.