GM-Chef bekennt sich vor deutscher Belegschaft zu Opel

Donnerstag, 15. November 2012, 19:12 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - General Motors will das Steuer bei Opel nach Jahrzehnten des Missmanagements aus eigener Kraft herumreißen.

Vorstandschef Dan Akerson reiste am Donnerstag überraschend nach Rüsselsheim, um die Belegschaft auf den neuen Kurs einzuschwören. Einen immer wieder diskutierten Verkauf der deutschen Tochter schloss Akerson in seiner Rede vor 5000 Opelanern kategorisch aus: "Nichts liegt mir ferner als das." Während der US-Rivale Ford in Europa drei Werke schließt und Tausende Arbeiter entlässt, will GM das verlustreichen Europageschäft offenbar im Schulterschluss mit der Belegschaft auf Kurs bringen. Zur Zukunft einzelner Werke äußerte sich Akerson allerdings nicht.

"Einige von Ihnen erinnern sich vermutlich noch an die Rekordgewinne von Opel in den frühen 1990er Jahren. Aber andere unter Ihnen kennen Opel gar nicht als erfolgreiches, gewinnbringendes Unternehmen", rief der Chef des Detroiter Konzerns den versammelten Beschäftigten in einer Werkshalle zu. "Das will ich so schnell wie möglich ändern - Opel soll wieder wachsen. Das ist unser gemeinsames Ziel", beschwor der Akerson die durch einen jahrelangen Zickzackkurs verunsicherten Mitarbeiter.

Die Empfehlung von Analysten, das Geschäft in Europa aufzugeben, zeige, "dass einige Leute überhaupt nicht verstanden haben, wie wichtig Opel für uns ist, wie wichtig Sie für uns sind", sagte Akerson. Als weltweit tätiger Automobilkonzern brauche GM eine starke Präsenz in Europa. Dazu zählte Akerson sowohl das Design- und Entwicklungszentrum als auch die Produktion und die Vertriebsorganisation. "Es gibt sicherlich Platz für Chevrolet in dieser Betrachtung, aber zum großen Teil erfüllt Opel diese Aufgabe für GM. Wir wollen, dass beide Marken wachsen - und zwar profitabel."

WIRD GM ZAHM?

Damit schlägt GM bei seiner von Überkapazitäten geplagten Europatochter einen anderen Sanierungskurs ein als Ford, der in den nächsten Jahren drei Werke in Belgien und Großbritannien mit 5700 Beschäftigten schließen will. Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug hatte im Reuters-Interview dafür plädiert, alle Werke und möglichst viele Jobs zu erhalten, die für die Wende in Europa benötigt würden. Die Belegschaft sei durch die Einschnitte der vergangenen 20 Jahren zermürbt.

Zuvor hatte es erneut Spekulationen gegeben, GM könne Opel verkaufen oder mit dem französischen Partner Peugeot in einer neuen Gesellschaft zusammenlegen wollen und sich selbst in Europa auf die GM-Marke Chevrolet stützen. Der US-Konzern hat in den vergangenen zwölf Jahren in Europa etwa 16 Milliarden Dollar verbrannt - verbunden mit mehrere Sanierungsversuchen und zahlreichen Chefwechseln. Die Konzernmutter konnte dies zuletzt jedoch wegen besserer Geschäfte in anderen Regionen wettmachen. Der operative Gewinn kletterte im abgelaufenen Quartal auf 2,3 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatten 2,2 Milliarden in den Büchern gestanden. Dagegen schreibt GM in Europa weiter tiefrote Zahlen. "Als Konzern haben wir jetzt elf Quartale hintereinander Gewinn gemacht - das ist die längste ununterbrochene Gewinnstrecke seit mehr als einem Jahrzehnt," sagte Akerson. Im laufenden Jahre wird wegen der Kosten für die Sanierung ein Betriebsverlust von umgerechnet bis zu 1,4 Milliarden Euro erwartet.

Opel verhandelt mit der IG Metall und dem Betriebsrat über die Auslastung der Werke. Dabei geht es auch um die Zukunft des von Schließung bedrohten Fahrzeugwerks in Bochum. Eine Eingung wird bis Weihnachten angestrebt.

Akerson, der selbst einige Zeit harte Schnitte bei Opel befürwortet hatte, sagte, GM gehe davon aus, dass die Wirtschaftskrise in Europa die gesamte Branche weiter beeinträchtigen werde. "Mag sein, dass die internationale Schuldenkrise fast überstanden ist, aber vor uns liegen wirtschaftlich harte Zeiten." Der GM-Chef relativierte in diesem Zusammenhang die Ankündigung, bis Mitte des Jahrzehnts in Europa Gewinne zu schreiben. Dies sei ein Ziel, "kein Versprechen".

Die Wende will GM bei Opel mit hohen Investitionen in zahlreiche neue Modelle schaffen, die in den nächsten Jahren auf den Markt kommen sollen. Zugleich sollen die Kosten in Produktion und Einkauf gesenkt werden.

Akerson bekräftigte, an der Zusammenarbeit mit PSA Peugeot Citroen festzuhalten. In wichtigen Bereichen fehle es Opel noch an Volumen und Skaleneffekten. "Und wenn die Lösung dafür eine Zusammenarbeit mit PSA ist, dann machen wir das." GM ist seit Februar mit sieben Prozent an Peugeot beteiligt. Bislang sind beide Partner aber nicht über Vereinbarungen für vier Fahrzeugprojekte und gemeinsamen Einkauf hinausgekommen. Gespräche über eine gemeinschaftliche Sanierung wurden Insidern zufolge auf Eis gelegt, weil der französische Staat Personalabbau und Werksschließungen bei Peugeot verhindern will.