Gewalt im Gazastreifen hält trotz Waffenruhe an

Freitag, 16. November 2012, 12:34 Uhr
 

Gaza (Reuters) - Im Gaza-Konflikt haben sich Israelis und Palästinenser am Freitag gegenseitig den Bruch einer vereinbarten Waffenruhe vorgeworfen.

Auch während des Besuchs des ägyptischen Ministerpräsidenten hätten radikale Palästinenser in nur zwei Stunden rund 50 Raketen auf israelisches Gebiet abgefeuert, teilte die Armee am Freitag mit. Nach Darstellung der in dem Küstenstreifen herrschenden radikal-islamischen Hamas griff Israel während des Solidaritätsbesuchs von Hischam Kandil aus der Luft an und tötete zwei Menschen. Die israelischen Streitkräfte erklärten dagegen, nach Eintreffen des Ägypters in der Enklave habe es keine Angriffe mehr gegeben. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich besorgt und wies der Hamas die Schuld an der Eskalation zu: "Es gibt keinerlei Rechtfertigung für den Abschuss von Raketen auf Israel."

Die Regionalmacht Ägypten, die regelmäßig zwischen beiden Parteien vermittelt, schlug sich auf die Seite der Palästinenser. Regierungschef Kandil verurteilte die israelischen Angriffe als "Aggression". Die internationale Staatengemeinschaft dürfe "diese Tragödie" nicht stillschweigend an sich vorbeiziehen lassen. Die islamische Regierung in Kairo werde alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um einen dauerhaften Waffenstillstand zwischen Israel und den Palästinensern zu erreichen. Aus palästinensischen Kreisen erfuhr Reuters, während des Besuch Kandils sei an einer Entspannung des Konflikts gearbeitet worden: "Es wurde ein Prozess begonnen, um die Möglichkeit eines Waffenstillstands auszuloten." Noch sei es aber zu früh, um Details zu nennen.

ISRAEL BERUFT RESERVISTEN EIN

Während des dreistündigen Besuches des Ägypters hielten die Angriffe im Grenzgebiet an. Beiden Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die vereinbarte Waffenruhe durchbrochen zu haben. "Die Hamas respektiert den Besuch des ägyptischen Ministerpräsidenten im Gazastreifen nicht und verletzt die vorübergehende Feuerpause, in die Israel vor dem Besuch eingewilligt hat", erklärte ein Sprecher von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu über den Kurznachrichtendienst Twitter. In Israel begann die Armee, 16.000 Reservisten einzuberufen. Verteidigungsminister Ehud Barak hat den Streitkräften grünes Licht gegeben, bis zu 30.000 Reservisten zu mobilisieren. In israelischen Regierungskreisen wurde eine Bodenoffensive im Gazastreifen nicht ausgeschlossen.

In Berlin sagte ein Sprecher Merkels: "Die Bundeskanzlerin verfolgt mit großer Sorge die Eskalation der Gewalt im Nahen Osten. Verantwortlich für den Ausbruch der Gewalt ist die Hamas in Gaza." Die Kanzlerin forderte "die Verantwortlichen im Gazastreifen auf, sofort den Beschuss Israels einzustellen". Sie appellierte an Ägypten, den Einfluss auf die Hamas zu nutzen und mäßigend auf die Islamisten einzuwirken. Eine Stellungnahme, ob die Bundesregierung einen Einmarsch Israels im Gazastreifen als legitim betrachten würde, lehnte der Sprecher ab. Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton forderte die Hamas zum Stopp des Raketenbeschusses auf. "Israel hat das Recht, seine Bevölkerung vor solchen Angriffen zu beschützen", sagte Ashton in Brüssel. Gleichwohl rief die EU-Chefdiplomatin die israelische Regierung zur Zurückhaltung beim weiteren Vorgehen im Gazastreifen auf.

 
Palestinian firefighters try to extinguish a fire after an Israeli air strike on the building of Hamas' Ministry of Interior in Gaza City November 16, 2012. Egypt opened a tiny window to emergency peace diplomacy in Gaza on Friday, but hopes for even a brief ceasefire while its prime minister was inside the bombarded enclave to talk to leaders of the Islamist Hamas movement were immediately dashed. REUTERS/Mohammed Salem (GAZA - Tags: POLITICS CIVIL UNREST TPX IMAGES OF THE DAY)