Henkel peilt nach langer Pause große Übernahmen an

Freitag, 16. November 2012, 14:39 Uhr
 

London/Düsseldorf (Reuters) - Der Konsumgüterhersteller Henkel nimmt nach langer Enthaltsamkeit wieder große Übernahmen ins Visier.

"Zukäufe sind ein integraler Bestandteil unserer Strategie", sagte Finanzchef Carsten Knobel bei der Präsentation der neuen Mittelfrist-Ziele am Freitag in London. Diese sehen unter anderem vor, den Umsatz bis 2016 auf 20 Milliarden Euro in die Höhe zu schrauben. Im vergangenen Jahr erlöste der Hersteller von Pritt, Persil oder Syoss 15,6 Milliarden Euro. Anders als in der Vergangenheit enthalten die Vorgaben Henkels aber kein Ziel mehr für die bereinigte Ebit-Marge. Die Anleger reagierten darauf verschnupft und sehen die Pläne als nicht ehrgeizig genug an - Henkel-Vorzugsaktien verloren bis zum Nachmittag knapp fünf Prozent auf 58,36 Euro und waren damit Schlusslicht im Dax.

"Wir werden aktiv Firmen übernehmen, die uns helfen, zu wachsen", unterstrich auch Henkel-Chef Kasper Rorsted. Wachstum habe für Henkel Priorität, betonte Knobel. Die Nettofinanzschulden seien deutlich abgebaut worden, merkte er an und signalisierte damit, dass die Düsseldorfer über das nötige Polster für die Finanzierung auch einer größeren Übernahme verfügen. Knobel und Konzernchef Rorsted ließen aber offen, ob Henkel das Geschäft mit Klebstoffen oder die Waschmittel- sowie Kosmetiksparten des Konzerns mit Zukäufen stärken will. Dies hänge auch von den Gelegenheiten für Übernahmen ab, sagten die Manager.

Henkel hatte über Jahre keine großen Zukäufe gestemmt. Die letzte milliardenschwere Übernahme gelang 2008 - damals wurde die Klebstoffsparte gestärkt. Diese erwirtschaftet nun rund die Hälfte des Konzernumsatzes. Auch regionale Präferenzen für Zukäufe ließ der Vorstand nicht erkennen.

Europa und der deutsche Heimatmarkt wecken bei Rorsted und Knobel indes keine großen Wachstumsphantasien mehr - die beiden Manager setzen auf den Ausbau der Geschäfte in den Wachstumsmärkten Asiens, Lateinamerikas und Osteuropas. Bis 2016 solle der Umsatz auf 20 Milliarden Euro steigen, zehn Milliarden Euro und damit die Hälfte davon wolle Henkel in Wachstumsmärkten einfahren. Zum Vergleich: Für 2012 rechnen Analysten mit einem Jahresumsatz von 16,5 Milliarden Euro, im dritten Quartal lag der Umsatzanteil der Wachstumsregionen am Konzernumsatz bei 44 Prozent. Rorsted will Henkel zudem schlanker machen: rund 20 der derzeit etwa 175 Produktionsstätten sollen schließen. Rorsted will sich bis 2016 von rund weiteren 100 Marken aus dem Henkel-Reich verabschieden. Er hatte bereits in den vergangenen Jahren das Marken-Dickicht deutlich ausgedünnt.

Für das bereinigte Ergebnis je Vorzugsaktie (EPS) strebe Henkel zudem bis 2016 im Durchschnitt ein jährliches Wachstum von zehn Prozent an, versprach Rorsted. Die Ziele schlössen ausdrücklich eine "aktive Portfolio-Optimierung" ein. "Größere Akquisitionen oder Divestments sind in den Finanzzielen nicht berücksichtigt", hieß es weiter. Unter großen Zukäufen verstehe Henkel solche, die das Gesicht der Firma veränderten, erläuterte Knobel.

KOSUMGÜTERKONZERNE STEMMEN SICH GEGEN FLAUTE

"Obwohl das Marktumfeld im dritten Quartal 2012 schwieriger geworden ist, hat Henkel seine erfolgreiche Entwicklung fortgesetzt", bilanzierte Rorsted. Für 2012 rechnet der dänische Manager fest damit, das Ziel einer bereinigten Umsatzrendite (Ebit-Marge) von 14 Prozent zu erreichen. Im dritten Quartal konnte Rorsted hier einen Rekordwert von 14,7 Prozent vermelden. Wettbewerber Beiersdorf will 2012 auf eine Ebit-Marge von zwölf Prozent kommen.

Henkel hatte im Herbst 2008 angekündigt, bis 2012 eine bereinigte Umsatzrendite von 14 Prozent erreichen und damit bei der Profitabilität zu Konkurrenten aufschließen zu wollen. Rorsted drückte dann die Kosten, setzte auf Innovationen und machte den Traditionskonzern effizienter. 2008 beschäftigte Henkel im Jahresdurchschnitt noch rund 55.000 Mitarbeiter, zum Ende des dritten Quartals 2012 waren es noch knapp 47.000. Bis 2016 wurde nun kein neues Margen-Ziel gesteckt. Analysten kritisierten dies.

Von Juli bis September konnte Henkel neben dem Gewinn aber auch den Umsatz in die Höhe schrauben. Die Erlöse stiegen um 6,6 Prozent auf 4,29 Milliarden Euro, unter dem Strich blieb ein Gewinn nach Anteilen Dritter von 397 (Vorjahresquartal: 307) Millionen Euro. Die Ergebnisse lagen im Rahmen der Erwartungen des Marktes.

Auch den Konkurrenten Procter & Gamble (P&G), Unilever und Colgate-Palmolive konnte die Wirtschaftsflaute in den USA und Europa bislang wenig anhaben. Weltmarktführer P&G hatte zuletzt einen unerwartet deutlichen Gewinnanstieg verbucht, der niederländisch-britische Rivale Unilever das "bislang beste Quartal des Jahres" verzeichnet. Auch Colgate-Palmolive erzielte einen höheren Gewinn. Die Henkel-Wettbewerber traten ebenfalls auf die Kostenbremse.