Israel legt Hamas-Regierungssitz in Schutt und Asche

Samstag, 17. November 2012, 15:41 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Die israelische Luftwaffe hat am Samstag zahlreiche Einrichtungen der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen bombardiert.

Dabei wurde der Amtssitz von Ministerpräsident Ismail Hanijeh in Schutt und Asche gelegt. Als Konsequenz aus den Raketenangriffen militanter Palästinenser aus dem Gazastreifen verstärkte Israel seine Luftverteidigung im Großraum Tel Aviv. Zugleich traf der jüdische Staat Vorkehrungen für eine Bodenoffensive und beschloss die Einberufung von bis zu 75.000 Reservisten. Die USA und Ägypten bemühten sich um Vermittlung.

Die Luftwaffe habe seit Mitternacht 180 Ziele im Gazastreifen bombardiert, teilten die israelischen Streitkräfte mit. Darunter seien neben dem Amtssitz Hanijehs das Innenministerium, ein Polizeihauptquartier, weitere Regierungsgebäude, Raketenstellungen und ein Ausbildungszentrum der Hamas gewesen.

Zerstört wurde in den frühen Morgenstunden das dreistöckige Haus eines Hamas-Funktionärs. Rettungskräften zufolge wurden mindestens 30 Menschen aus den Trümmern gezogen. Ein Sprecher der israelischen Armee sagte, nach einer relativ ruhigen Nacht sei das Raketenfeuer in Richtung Israel wieder stärker geworden. Die Angriffe seien aber immer noch geringer als an den vorangegangenen drei Tagen.

Der tunesische Außenminister Rafik Abdesslem verurteilte bei einem Besuch in Gaza die Angriffe auf das Palästinenser-Gebiet als völkerrechtswidrig. "Was Israel tut, ist illegitim und überhaupt nicht hinnehmbar", sagte Abdesslem auf den Trümmern von Hanijehs Amtssitz. Israel genieße keine totale Immunität und stehe nicht über dem Völkerrecht.

Abdesslem ist nach dem ägyptischen Ministerpräsidenten Hischam Kandil der zweite arabische Spitzenpolitiker, der den Gazastreifen seit Beginn der israelischen Luftangriffe am Mittwoch besuchte. Nach Hamas-Angaben wurden seit Beginn der israelischen Luftattacken 41 Palästinenser getötet, die Hälfte davon Zivilisten, darunter acht Kinder und eine Schwangere. Auf israelischer Seite starben am Donnerstag drei Zivilisten durch eine Rakete.

SCHOCK NACH RAKETENANGRIFFEN AUF JERUSALEM UND TEL AVIV

Nach israelischer Darstellung schlugen seit dem Wiederaufflackern der Feindseligkeiten 367 Raketen ein. Mindestens 222 seien vom Flugabwehrsystem "Eiserner Dom" abgefangen worden. Auch in den Ballungsräumen Jerusalem und Tel Aviv Raketen gingen Raketen nieder. Sie richteten zwar keine Personen- oder Sachschäden an, schockierten aber die Bevölkerung und erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Bodenoffensive. "Sie wird solange wie notwendig dauern. Wir haben uns bei Mitteln und der Dauer keine Grenzen gesetzt", sagte Außenminister Awigdor Lieberman im israelischen Fernsehen.

Der im Wahlkampf stehende Ministerpräsident Benjamin Netanjahu beriet am späten Freitagabend mit den zuständigen Ministern und Spitzenmilitärs über eine Ausweitung des Militäreinsatzes. Beschlossen wurde unter anderem, bis zu 75.000 statt der zunächst geplanten 16.000 Reservisten zu den Waffen zu rufen. Nahe der Grenze zum Gazastreifen waren am Freitag Panzer aufgefahren. Die israelische Armee sperrte drei Straßen für den zivilen Verkehr, die zu dem Küstenstreifen führen oder an ihn grenzen.

US-Präsident Barack Obama setzte sich in Telefonaten mit Netanjahu und Ägyptens Präsident Mohammed Mursi für eine Deeskalation in der Krise ein. Ägypten kündigte noch für Samstag neue Vermittlungsversuche an. Bundesaußenminister Guido Westerwelle rief alle Beteiligten zur Besonnenheit auf.

 
An explosion and smoke are seen after Israeli strikes in Gaza City November 17, 2012. Israeli aircraft pounded Hamas government buildings in Gaza on Saturday, including the building housing the prime minister's office, after Israel's Cabinet authorised the mobilisation of up to 75,000 reservists, preparing the ground for a possible invasion into Gaza. REUTERS/Suhaib Salem (GAZA - Tags: CIVIL UNREST MILITARY POLITICS TPX IMAGES OF THE DAY)