Israel droht Hamas mit Großoffensive im Gazastreifen

Sonntag, 18. November 2012, 15:24 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Nach neuen Raketenangriffen hat Israel mit einer massiven Ausweitung seiner Offensive im Gazastreifen gedroht.

"Die israelischen Streitkräfte sind darauf vorbereitet, die Hamas und die Terrororganisationen einen hohen Preis zahlen zu lassen", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Sonntag im Kabinett. Israel und die im Gazastreifen herrschende Hamas setzten ihre Luft- und Raketenangriffe unter der wachsenden Besorgnis der Weltöffentlichkeit fort. Bundesaußenminister Guido Westerwelle, der nach Angaben des Auswärtigen Amtes eine Reise in die Region erwägt, warnte vor einem Flächenbrand und forderte eine Waffenruhe. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon und die Arabische Liga kündigten diplomatische Aktivitäten an.

ISRAELISCHE BODENOFFENSIVE IN VORBEREITUNG

Seit die israelische Luftwaffe mit schwerem Bombardement auf Raketenangriffe aus dem Gazastreifen reagiert, wird über eine Bodenoffensive diskutiert. Israel hat dazu unter anderem beschlossen, bis zu 75.000 Reservisten einzuberufen. Es ist erklärtes Ziel des jüdischen Staates, die Raketen der islamistischen Hamas auszuschalten und sie von Angriffen auf Israel abzuschrecken. Die israelische Flugabwehr schoss am Morgen zwei auf Tel Aviv abgefeuerte Raketen ab. Zeitgleich flog die Luftwaffe, die am Samstag die Zentrale der Hamas zerstört hatte, weitere Luftangriffe. In der Nacht zum Sonntag wurden sechs Journalisten verletzt, als die Israelis ein von Medien genutztes Gebäude unter Feuer nahmen.

Eine Militärsprecherin sagte, Ziel der Aktion sei eine "von der Hamas für terroristische Aktionen benutzte Übertragungsantenne" auf dem Dach des Gebäudes gewesen. Internationale Medienunternehmen verlangten eine Klarstellung, zumal ein Mitarbeiter des in Beirut ansässigen Fernsehsenders Al-Kuds Sanitätern zufolge ein Bein bei dem Angriff verlor.

Die Hamas drohte Israel mit Vergeltung. "Diese Runde der Auseinandersetzung mit dem zionistischen Feind wird nicht die letzte gewesen sein, sondern ist nur der Anfang", sagte ihr Sprecher in Gaza.

Seit Beginn der israelischen Luftoffensive wurden offiziellen Angaben zufolge 51 Palästinenser getötet, die Hälfte Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen drei Zivilisten zu Tode.

FORDERUNGEN NACH EINSTELLUNG DER KÄMPFE

Der israelische Militäreinsatz ist im Westen zwar als Akt der Selbstverteidigung bezeichnet worden. Gleichwohl wurden Forderungen laut, die Feindseligkeiten zu beenden. So erklärte US-Präsident Barack Obama, seine Regierung sei zusammen mit anderen Ländern um eine Beilegung der Krise bemüht. Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi wollte Palästinensern zufolge am Sonntag seine Vermittlung fortsetzen. UN-Generalsekretär Ban wird am Montag in Kairo erwartet. Die Arabische Liga kündigte für Dienstag die Reise einer Delegation nach Gaza an.

Außenminister Westerwelle nannte die Lage brandgefährlich. "Der ganzen Region droht die Eskalation", schrieb Westerwelle in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag". Dafür sei die Hamas verantwortlich. "Israels Regierung handelt, um die Bürger zu schützen. Auslöser der Gewaltspirale sind die Raketen der Hamas", schrieb Westerwelle.

- von Nidal al-Mughrabi und Jeffrey Heller

 
Palestinians are seen from a damaged car window as they gather around the scene of an Israeli air strike on a motorcycle in Gaza City November 18, 2012. Israel bombed militant targets in Gaza for a fifth straight day on Sunday, launching aerial and naval attacks as its military prepared for a possible ground invasion, though Egypt saw "some indications" of a truce ahead. REUTERS/Ahmed Zakot (GAZA - Tags: MILITARY CONFLICT)