Zuspitzung des Gaza-Konflikts hält Welt in Atem

Montag, 19. November 2012, 08:12 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Im Nahost-Konflikt hat sich die Lage am Wochenende weiter zugespitzt.

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen starben nach Angaben der dort regierenden Hamas am Sonntag elf palästinensische Zivilisten - so viele wie bisher bei keinem anderen Einzelangriff seit Beginn der israelischen Offensive. Aus dem Gazastreifen hingegen wurde weiter mit Raketen auf Israel geschossen. Am Sonntagabend gab in der Metropole Tel Aviv abermals Luftalarm, zwei herannahende Raketen wurden aber vom israelischen Abwehrsystem abgeschossen. Unter der wachsenden Besorgnis der Weltöffentlichkeit drohte Israel der Hamas mit einer massiven Ausweitung seiner Offensive im Gazastreifen. US-Präsident Barack Obama riet Israel von einer Bodenoffensive ab.

Seit Beginn der Offensive am Mittwoch starben in Israel drei Zivilisten durch Raketen aus dem Gazastreifen. Dort starben im gleichen Zeitraum nach Angaben der Behörden 65 Palästinenser durch israelisches Bombardement.

Ein Hamas-Sprecher sagte am Sonntagabend, eine israelische Rakete habe ein dreistöckiges Wohnhaus zerstört, elf Menschen seien gestorben. Unter den Opfern waren Sanitätern zufolge auch vier Kinder. Der militärische Zweig der Hamas erklärte, das Massaker werde nicht unbestraft bleiben. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte den Weltmächten zugesagt, Opfer unter der Zivilbevölkerung unter allen Umständen zu vermeiden.

Angesichts des anhaltenden Raketenbeschusses aus dem Gazastreifen drohte Netanjahu den Palästinensern am Sonntag mit massiven Schritten. "Die israelischen Streitkräfte sind darauf vorbereitet, die Hamas und die Terrororganisationen einen hohen Preis zahlen zu lassen", sagte er im Kabinett.

Seit Israels Luftwaffe mit schwerem Bombardement auf Raketen aus dem Gazastreifen reagiert, wird über eine Bodenoffensive diskutiert. Israel hat dazu unter anderem beschlossen, bis zu 75.000 Reservisten einzuberufen. Entlang der Grenze zum Gazastreifen brachte Israel Panzer, Artillerie und Infanterie in Stellung - ein Szenario, das an den Beginn des Gaza-Kriegs vor vier Jahren erinnerte. Es ist erklärtes Ziel des jüdischen Staates, die Raketen der islamistischen Hamas auszuschalten und sie von Angriffen auf Israel abzuschrecken.

OBAMA: MIT BODENOFFENSIVE WÄCHST GEFAHR FÜR ISRAEL

US-Präsident Barack Obama bekräftigte, Israel habe das Recht, sich gegen Raketenangriffe zu verteidigen. Eine Bodenoffensive gelte es aber besser zu vermeiden. Das sei nicht nur im Sinne der Bevölkerung des dicht besiedelten und eng begrenzten Küstengebiets, sondern auch Israels. Mit Bodentruppen im Gazastreifen wachse schließlich die Gefahr, dass es auf Seiten des israelischen Militärs Opfer gebe. Seine Regierung sei zusammen mit anderen Ländern um eine Beilegung der Krise bemüht.

Die israelische Flugabwehr schoss schon am Sonntagmorgen zwei auf Tel Aviv abgefeuerte Raketen ab. Zeitgleich flog die Luftwaffe, die am Samstag die Zentrale der Hamas zerstört hatte, weitere Luftangriffe. In der Nacht zum Sonntag wurden acht Journalisten verletzt, als die Israelis ein von Medien genutztes Gebäude unter Feuer nahmen. Eine Militärsprecherin sagte, Ziel der Aktion sei eine "von der Hamas für terroristische Aktionen benutzte Übertragungsantenne" auf dem Dach des Gebäudes gewesen.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi versuchte weiter, eine Waffenruhe zu vermitteln. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wurde am Montag in Kairo erwartet. Die Arabische Liga kündigte für Dienstag die Reise einer Delegation nach Gaza an. Bundesaußenminister Guido Westerwelle erwägt nach Angaben des Auswärtigen Amtes seinerseits eine Reise in die Region. Er nannte die Lage brandgefährlich. "Der ganzen Region droht die Eskalation", schrieb Westerwelle in einem Beitrag für die "Bild am Sonntag". Dafür sei die Hamas verantwortlich. "Israels Regierung handelt, um die Bürger zu schützen. Auslöser der Gewaltspirale sind die Raketen der Hamas", schrieb Westerwelle.

 
Israeli soldiers prepare a tank near Israel's border with the central Gaza Strip November 19, 2012. REUTERS/Ronen Zvulun (ISRAEL - Tags: POLITICS CIVIL UNREST MILITARY TPX IMAGES OF THE DAY)