Umjubelter Obama würdigt Reformpolitik in Birma

Montag, 19. November 2012, 11:43 Uhr
 

Rangun (Reuters) - US-Präsident Barack Obama hat bei seinem historischen Besuch in Birma die Reformbemühungen nach Jahrzehnten der Militärdiktatur gewürdigt.

Er und Staatschef Thein Sein stimmten darin überein, dass die bisher eingeleiteten Reformen nur die ersten Schritte auf einem langen Weg seien, sagte Obama nach einem Gespräch mit dem Mitglied der früheren Militärregierung. Obama, der am Montag als erster US-Präsident zu einem sechsstündigen Besuch in Rangun eingetroffen war, kam auch mit Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zusammen. Zehntausende Menschen, darunter viele Kinder, bereiteten dem US-Präsidenten einen begeisterten Empfang.

Der von dem seit März 2011 als Präsident amtierenden Thein eingeleitete Reformprozess biete viele Chancen, sagte Obama. Thein Sein ergänzte, beide Länder wollten ihre Beziehungen auf der Grundlage gegenseitigen Vertrauens und Respekts gestalten. "Wir stimmten während unseres Gesprächs darin überein, dass die Entwicklung der Demokratie in Myanmar und die Menschenrechte internationalen Standards angepasst werden sollten", sagte Thein.

Die wie Obama mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Suu Kyi dankte dem US-Präsidenten für die Unterstützung der Reformen. Die schwierigste Phase im Demokratisierungsprozess trete ein, "wenn wir uns kurz vor dem Ziel wähnen", sagte sie mit kaum wahrnehmbarer Stimme nach dem Treffen. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht von Scheinerfolgen einlullen lassen, sondern dass wir wirklich für den Erfolg unseres Landes arbeiten. Obama nannte die jahrelang inhaftierte und unter Hausarrest stehende Suu Kyi eine "Ikone der Demokratie". Sie habe nicht nur ihre Landsleute, sondern die gesamte Welt inspiriert. "Heute schlagen wir im Verhältnis der USA zu Birma ein neues Kapitel auf", sagte Obama zu Suu Kyi, der die heutige Parlamentsabgeordnete umarmte und auf die Wange küsste.

Einen unangekündigten Zwischenstopp legte Obama in der Shwedagon-Pagode ein. Der Präsident, Außenministerin Hillary Clinton und die übrigen Delegationsmitglieder samt Leibwächtern betraten das Gebäude ohne Schuhe.

Am Vorabend seines Besuchs in Rangun hatte Obama Kritik von Menschenrechtlern zurückgewiesen, seine Reise in das früher international geächtete südostasiatische Land sei voreilig gewesen. Die USA hatten nach Beginn des Reformprozesses und der Freilassung politischer Häftlinge ihre Sanktionen gegen Birma gelockert. Eine vollständige Aufhebung der Strafmaßnahmen ist nach Worten eines ranghohen Vertreters der USA derzeit aber nicht möglich.

Zum Besuch des US-Präsidenten wurden 52 Häftlinge freigelassen, von denen die meisten aus politischen Gründen inhaftiert waren. Zu einer Rede, die Obama an der Universität von Rangun hielt, waren auch mehrere frühere Gefangene eingeladen worden. Dort beschwor er die Vision einer Zukunft ohne politische Häftlinge. Zugleich rief der Präsident zum Ende der Gewalt gegen die muslmische Minderheit der Rohingya auf, deren Mitglieder von der Regierung nicht als Staatsbürger anerkannt werden. "Gewalt gegen unschuldige Menschen ist nicht zu rechtfertigen." An das kommunistisch regierte Nordkorea appellierte Obama, dem Beispiel Birmas zu folgen.

 
U.S. President Barack Obama talks to reporters during a news conference after meeting Myanmar's Opposition Leader Aung San Suu Kyi at her home in Yangon November 19, 2012. President Obama became the first serving U.S. president to visit Myanmar on Monday, trying during a whirlwind six-hour trip to strike a balance between praising the government's progress in shaking off military rule and pressing for more reform. REUTERS/Soe Zeya Tun (MYANMAR - Tags: POLITICS)