Internationale Diplomaten sollen Gazakonflikt beilegen

Montag, 19. November 2012, 18:41 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Nach mehreren Tagen der Gewalt zwischen der palästinensischen Hamas und Israel soll die Krise mit Hilfe von internationalen Vermittlern beigelegt werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, Bundesaußenminister Guido Westerwelle und andere Politiker machten sich am Montag auf dem Weg in die Region, um eine Ausbreitung der Kämpfe zu verhindern. Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil äußerte sich zuversichtlich, dass es bald eine Einigung zwischen Israel und der Hamas geben könnte.

Derweil ging die Gewalt weiter: Die radikal-islamischen Kämpfer feuerten nach Polizeiangaben am Montag 110 Raketen vom Gazastreifen aus auf den Süden Israels. Israel bombardierte der Armee zufolge in der Nacht zum Montag 80 Ziele, darunter "unterirdische Abschussvorrichtungen für Raketen, Terror-Tunnel und Ausbildungslager" sowie Häuser ranghoher Extremisten. Erneut wurde ein von Medien genutztes Gebäude mit Raketen beschossen. Dabei wurde nach Angaben der Organisation Islamischer Dschihad einer ihrer Kämpfer getötet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Hamas kamen in Gaza seit Beginn der Offensive 101 Menschen ums Leben, davon 24 Kinder. Auf israelischer Seite wurden seit Beginn des Konfliktes in der vergangenen Woche nach offiziellen Angaben drei Zivilisten getötet. Auslöser der Militäroffensive war ein tagelanger Beschuss Südisraels durch islamische Extremisten.

In Ägypten, dessen neue Führung in den vergangenen Tagen offen ihre Sympathie für die Hamas zum Ausdruck brachte, gab es intensive diplomatische Bemühen, um eine Eskalation zu verhindern, die sich mit dem massiven Aufmarsch des israelischen Heeres an der Grenze zum Gazastreifen abzeichnete. Panzer, Artillerie und Soldaten bezogen Stellung. Die Regierung kündigte will bis zu 75.000 Reservisten mobilisieren. Die Hälfte davon soll bereits eingezogen sein.

Dennoch würde Israel nach offizieller Darstellung eine diplomatische Lösung vorziehen. Wenn eine Lösung am Verhandlungstisch der Bevölkerung in Südisrael den Frieden garantiere, sei eine Bodenoffensive unnötig, sagte ein Vertrauter von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der Nachrichtenagentur Reuters. "Aber wenn die Diplomatie scheitert, gibt es wohl keine Alternative mehr zu einer Bodenoffensive."

Am Nachmittag verbreitete der ägyptische Regierungschef Kandil vorsichtigen Optimismus: Die Gespräche liefen, und er hoffe, dass es schon bald eine Einigung gebe. "Ich glaube, wir stehen dicht davor." Es liege aber in der Natur der Sache, dass das Ergebnis nur schwer vorhersehbar sei.

Der deutsche Außenminister Westerwelle brach am Montag in die Region auf. "Die wichtigste Voraussetzung für einen Waffenstillstand ist ein Ende der Raketenangriffe von Gaza in Richtung Südisrael", sagte Westerwelle in Brüssel. Zugleich müsse die internationale Gemeinschaft auf Umsicht, Verhältnismäßigkeit und Deeskalation dringen. Westerwelle will sich mit dem israelischen Außenminister Avigdor Lieberman und Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas treffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich sehr besorgt über die Eskalation und forderte beide Seiten zum Waffenstillstand auf.

HAMAS: ISRAEL MUSS ERSTEN SCHRITT MACHEN

Der stellvertretende israelische Ministerpräsident Mosche Jaalon erklärte über den Kurznachrichtendienst Twitter, das Land werde den Gazastreifen nicht mehr angreifen, wenn von dort keine Raketen mehr abgefeuert und keine Anschläge mehr begangen würden. Die Hamas dagegen forderte Israel zum ersten Schritt auf. "Wer den Krieg angefangen hat, muss ihn auch beenden", sagte Hamas-Chef Chaled Meschaal in Kairo. Ein Waffenstillstand sei zwar möglich, man werde aber israelische Bedingungen nicht akzeptieren. Sollte der Konflikt eskalieren, sei man bereit zurückzuschlagen. Die Hamas wolle aber Israel nicht in einen Einsatz am Boden hineinziehen.

Russland forderte ein sofortiges Ende der Konfrontation. In einer Erklärung des Außenministeriums wurde der Beschuss Südisraels als unzulässig bezeichnet, die Reaktion des jüdischen Staates allerdings als unverhältnismäßig. China, das traditionell enge Beziehungen zu den Palästinensern hat, in den vergangenen Jahren aber auch die Kontakte zu Israel intensivierte, äußerte sich sehr besorgt über die Einsätze des jüdischen Staates. Das Feuer müsse eingestellt werden. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan wertete die Bombardierung des Gazastreifens als "terroristische Handlungen".

 
A Palestinian firefighter gestures next to his colleagues as smoke rises out of a building that also houses international media offices, after an Israeli air strike witnessed by a Reuters journalist, in Gaza City November 19, 2012. An Islamic Jihad local commander was killed on Monday in an Israeli air strike on a tower block that houses many international media, a source in the militant group said. REUTERS/Suhaib Salem (GAZA - Tags: MILITARY CONFLICT MEDIA)