Internationale Vermittler ringen um Waffenruhe in Gaza

Dienstag, 20. November 2012, 13:56 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Die internationalen Vermittler haben den Druck auf die palästinensische Hamas und Israel verstärkt, ihren jüngsten Konflikt zu beenden.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte am Dienstag eine sofortige Waffenruhe und warnte Israel vor einer Bodenoffensive im Gazastreifen. Ein derartiger Schritt würde eine "gefährliche Eskalation" darstellen, sagte Ban in Kairo. US-Außenministerin Hillary Clinton brach eine Asien-Reise ab und machte sich auf den Weg zu Vermittlungen zwischen Israelis und Palästinensern. Bundesaußenminister Guido Westerwelle appellierte vor einem Treffen mit Israels Präsident Schimon Peres an Ägypten, seinen Einfluss in der Region zu nutzen.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte nach einer nächtlichen Krisensitzung zu, vor einer möglichen Bodenoffensive alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen. Auch am Dienstag ging die Gewalt den siebten Tag in Folge weiter: Nach Angaben der radikal-islamischen Hamas nahm das israelische Militär in der Nacht etwa 100 Ziele in Gaza unter Beschuss. Aus dem Gazastreifen seien 60 Raketen abgeschossen worden, teilte die israelische Polizei mit. Eine Rakete schlug Nahe Jerusalem ein, verletzt wurde dabei aber niemand.

"Meine Botschaft ist klar: Alle Seiten müssen sofort den Beschuss stoppen. Eine weitere Eskalation würde die gesamte Region gefährden", sagte Ban, der noch am Dienstag nach Israel weiterreisen wollte. "Ich werde die israelische Führung dazu drängen die Gewalt zu beenden", kündigte Ban an und räumte zugleich ein, Israel habe berechtigte Sicherheitsbedenken, die auch respektiert werden müssten.

NETANJAHU OFFEN FÜR DIPLOMATIE

Netanjahu zeigte sich offen für diplomatische Schritte. Der Ministerpräsident wolle ausloten, ob sich so ein langfristiger Waffenstillstand erreichen lasse, sagte ein hochrangiger israelischer Regierungsvertreter. Wenn eine Lösung am Verhandlungstisch der Bevölkerung im Süden den Frieden garantiere, sei eine Bodenoffensive unnötig, sagte ein Vertrauter Netanjahus der Nachrichtenagentur Reuters.

Clinton will israelischen Kreisen zufolge am Mittwoch mit Netanjahu zusammenkommen. Sie wolle bei ihrer Reise klar machen, dass eine Eskalation des militärischen Konflikts im Gazastreifen im Interesse von niemandem sei, teilte das US-Präsidialamt mit. Auf dem Programm stehen auch Gespräche mit Mitgliedern der palästinensischen und ägyptischen Führung. Eine Zusammenkunft mit Vertretern der radikal-islamischen Hamas sei indes nicht geplant.

Eine Delegation von neun arabischen Ministern unter der Führung des ägyptischen Außenministers wurde noch am Dienstag in Gaza erwartet. Mit dem Besuch wolle die Gruppe die "volle Solidarität" mit den Palästinensern im Gazastreifen ausdrücken, sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elaraby. Ägypten wird in der Lösung des Konflikts eine tragende Rolle zugeschrieben. Sowohl Clinton als auch Westerwelle appellierten an das Land, seinen Einfluss in der Region zu nutzen. Der ägyptische Ministerpräsident Hischam Kandil äußerte sich unterdessen zuversichtlich, dass es bald eine Einigung zwischen Israel und der Hamas geben könnte.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums der Hamas starben bei den Angriffen am Dienstag sechs Palästinenser. Damit kamen seit Beginn der Offensive 115 Palästinenser ums Leben, davon 27 Kinder. Bei dem erneuten Raketenangriff auf Israel sei ein Offizier verletzt worden, teilte die israelische Polizei mit. In der vergangenen Woche waren in Israel drei Zivilisten beim Einschlag einer Rakete aus dem Gazastreifen in ihr Haus getötet worden. Seit Sonntag habe es allerdings keine Angriffe mehr auf Tel Aviv gegeben.

Der Konflikt zwischen der radikal-islamischen Hamas und Israel eskalierte in der vergangenen Woche, als Extremisten zahlreiche Raketen auf den jüdischen Staat abfeuerten. Israel hat an der Grenze bereits massiv Panzer und Artillerie in Stellung gebracht.

 
Palestinians inspect a destroyed house after what witnesses said was an Israeli air strike in Gaza City November 20, 2012. The U.N. chief called for an immediate ceasefire in the Gaza Strip on Tuesday and U.S. Secretary of State Hillary Clinton headed to the region with a message that escalation of the week-long conflict was in nobody's interest. REUTERS/Mohammed Salem (GAZA - Tags: MILITARY CONFLICT)