ACS-Mann Verdes neuer Hochtief-Chef - Keine Zerschlagung

Dienstag, 20. November 2012, 17:34 Uhr
 

Essen (Reuters) - Großaktionär ACS festigt den Griff um Hochtief: Der von dem spanischen Mutterkonzern entsandte Manager Marcelino Fernandez Verdes ist neuer Chef des größten deutschen Baukonzerns.

Er wolle Hochtief auf Profit trimmen, kündigte Verdes am Dienstag nach seiner einstimmigen Wahl durch den Aufsichtsrat in Essen an. Innerhalb der nächsten vier Monate will Verdes nun mit seinen Vorstandskollegen die Strategie von Hochtief weiterentwickeln. Eine Zerschlagung oder Filetierung sei "kein Element der Strategie".

"Meine Priorität ist es, die Profitabilität zu erhöhen und das nachhaltige Wachstum von Hochtief fortzusetzen", betonte Verdes nach seiner Wahl. Hochtief bleibe ein "börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Essen", teilte der Konzern weiter mit. Unter den Beschäftigten waren Befürchtungen laut geworden, dass der hoch verschuldete spanische Konzern ACS seine deutsche Tochter zerschlagen könnte. Nun stimmten aber auch die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat für Verdes. Das Kontrollgremium selbst erhält ebenfalls einen neuen Chef: Thomas Eichelmann (47) wird Nachfolger von Manfred Wennemer, der sein Amt als Aufsichtsratsvorsitzender zum Jahresende niederlegt.

Stieler war erst im Mai 2011 als Vorstandschef angetreten. Verdes war zunächst Mitglied im Hochtief-Aufsichtsrat, ACS hatte ihn dann im April 2012 in den Vorstand berufen. Dort kümmerte er sich vor allem um das Amerika-Geschäft. Verdes gilt als enger Vertrauter von ACS-Chef Florentino Perez. ACS kontrolliert 54,28 Prozent der Hochtief-Aktien, Stieler und Wennemer waren im Zuge der Hochtief-Übernahme auf ihre Posten gerückt.

ANALYSTEN - ACS DÜRFTE BEI HOCHTIEF KASSE MACHEN

ACS hatte sich nach einem langen Übernahmekampf im vergangenen Jahr die Mehrheit an Hochtief gesichert. Daraufhin ging Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter, der sich vehement gegen das Ende der Unabhängigkeit des mehr als 81.000 Mitarbeiter starken Traditionskonzerns gewehrt hatte. Perez wollte Hochtief auch übernehmen, um das Geschäft von ACS international auf eine breitere Basis zu stellen und seinen Konzern unabhängiger vom spanischen Heimatmarkt zu machen. Ursache der Krise in Spanien ist vor allem das Platzen der Immobilienblase, was auch die Baukonjunktur einbrechen ließ. Durch den rigiden Sparkurs der Regierung in Madrid werden nun die öffentlichen Ausgaben und Aufträge wohl weiter sinken.

Der mit rund 9,2 Milliarden Euro verschuldete spanische Konzern hatte erst vor kurzem eingeräumt, dass er einen großen Teil seiner Hochtief-Aktien an die Großbank BBVA verpfänden musste. Lange hatte Hochtief wegen Problemen mit der Australien-Tochter Leighton ACS keine Freude bereitet. Im dritten Quartal schrieben die Essener aber wieder schwarze Zahlen und polierten die ACS-Bilanz auf. Analysten und Aktionärsschützer rechnen damit, dass ACS bei Hochtief Kasse machen will. Neben dem Flughafengeschäft und einer Immobilientochter, die bereits seit Jahren auf der Verkaufsliste stehen, könnte ACS nun auch eine Trennung von Leighton oder den Hochtief-Beteiligungen in Nordamerika erwägen.

Sorge bereitet Hochtief derzeit das Europageschäft - diese könnte auch profitabler arbeiten, hatte Hochtief bereits erklärt. Der Auftragseingang liegt dort unter den Erwartungen. Die "Wirtschaftswoche" hatte berichtet, Hochtief wolle rund 700 Stellen streichen. "Die laufende Analyse des Europageschäfts ist noch nicht abgeschlossen", hatte dagegen ein Firmensprecher am Montagabend betont. "Es gibt erst recht keine Beschlüsse in irgendeine Richtung."