BASF wird mit Zukauf Marktführer bei Omega-3-Fettsäuren

Mittwoch, 21. November 2012, 13:27 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nun ist auch BASF auf dem Gesundheitstrip: Nachdem Konkurrent Bayer mit der Übernahme des US-Vitaminherstellers Schiff Nutrition scheiterte, will der Ludwigshafener Chemieriese mit einem Zukauf in Norwegen an die Spitze des Marktes für Omega-3-Fettsäuren vorstoßen.

Bis zu umgerechnet 664 Millionen Euro nimmt BASF in die Hand, um den börsennotierten Hersteller Pronova BioPharma ASA zu schlucken. BASF bietet den Pronova-Aktionären 12,50 norwegische Kronen (1,7 Euro) je Aktie, wie der Chemiekonzern am Mittwoch ankündigte. Das entspricht einem Aufschlag von 24 Prozent auf den Durchschittskurs der vergangenen sechs Monate. BASF-Chef Kurt Bock hat sich bereits die Unterstützung des Verwaltungsrats sowie des Managements von Pronova eingeholt. Zudem baut er auf verbindliche Zusagen für rund 60 Prozent des Pronova-Aktienkapitals.

"Durch die Akquisition von Pronova wird BASF im globalen Markt für Omega-3-Fettsäuren unmittelbar eine führende Position einnehmen", erklärte der Konzern. Pronova zählt zu den Pionieren bei Omega-3-Fettsäuren und stellt darüber hinaus Pharmawirkstoffe zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen her. Die Firma mit Sitz in Lysaker nahe Oslo kam 2011 mit 296 Beschäftigten auf einen Umsatz von umgerechnet 227 Millionen Euro und einen Nettogewinn von 21 Millionen Euro.

Die vor allem im Fisch enthaltenen Omega-3-Fettsäuren können vom Körper nicht selbst hergestellt und müssen deshalb mit der Nahrung aufgenommen werden. Was in früheren Zeiten der ungeliebte tägliche Löffel Lebertran für Kinder war, sind heute die aus Fischöl gewonnen Omega-3-Fettsäure-Kapseln. Ihnen werden unter anderem das Herz und den Kreislauf stärkende Eigenschaften nachgesagt. Experten rechnen für die Jahre bis 2020 mit einem jährlichen Marktwachstum von etwa acht Prozent. BASF ist in dem Geschäft bereits durch die 3,1 Milliarden Euro teure Übernahme des Monheimer Spezialchemiekonzerns Cognis aktiv. Der Markt ist heiß umkämpft: Im Mai hatte der BASF-Rivale DSM für rund 420 Millionen Euro den weltgrößten Produzenten von Fischöl-Extrakten Ocean Nutrition Canada gekauft.

An der Börse in Norwegen sprangen die Pronova-Aktien um 4,5 Prozent auf 12,55 Kronen in die Höhe. Der leicht über dem Angebotspreis liegende Kurs signalisiert, dass einige Anleger noch auf einen Aufschlag hoffen. BASF-Papiere gaben dagegen leicht um 0,2 Prozent auf 65,67 Euro nach. "Keine teure Akquisition, die Sinn macht", lautete das knappe Urteil von Equinet-Analystin Nadeshda Demidova.

SCHAFFT BASF WAS BAYER NICHT GELANG?

Auch der Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Bayer wollte mit dem Erwerb des US-Vitaminhersteller Schiff unter anderem von der Beliebtheit der Omega-3-Fettsäuren profitieren und dafür 1,2 Milliarden UD-Dollar (rund 940 Millionen Euro) ausgeben. Doch eine Gegenofferte des britischen Konsumgüter Riesen Reckitt Benckiser machte den Plänen einen Strich durch die Rechnung - auf ein Bietergefecht wollte sich Bayer nicht einlassen und strich am Dienstag die Segel.

BASF hat dagegen von den zwei größten Pronova-Aktionären schon verbindliche Zusagen erhalten, dass sie ihre Anteile an die Ludwigshafener verkaufen: So hat BASF den 50-prozentigen Anteil der Investmentgesellschaft Herkules Pivate Equity und 9,1 Prozent des Investors Kistefos sicher. Hinzu kommen 0,3 Prozent aus dem Besitz von Mitgliedern des Verwaltungsrats und des Managements. Dennoch kann der Deal noch platzen: Denn BASF knüpft den Erfolg der Offerte daran, dass der Konzern mehr als 90 Prozent aller Aktien und Stimmrechte einsammeln kann. Auch die Wettbewerbsbehörden müssen noch zustimmen. Einen Abschluss der Transaktion erwartet BASF im ersten Quartal 2013.

 
Flags of the German chemical company BASF are pictured in Monheim April 20, 2012. REUTERS/Ina Fassbender (GERMANY - Tags: BUSINESS LOGO)