Bombenanschlag erschüttert Bemühen um Gaza-Waffenruhe

Mittwoch, 21. November 2012, 13:51 Uhr
 

Tel Aviv/Gaza (Reuters) - Ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv hat am Mittwoch mindestens zehn Menschen verletzt die Hoffnungen auf eine rasche Waffenruhe im Nahost-Konflikt gedämpft.

"Das war ein terroristischer Anschlag", sagte ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Die meisten Opfer hätten aber nur leichte Verletzungen durch die Bombe erlitten, die in dem Bus explodiert sei. Das Attentat, das erste in Tel Aviv seit sechs Jahren, erschwert die ohnehin schon komplizierten Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen. Nach ihren Gesprächen mit Netanjahu wollte US-Außenministerin Hillary Clinton am Nachmittag nach Kairo fliegen und sich dort gemeinsam mit Präsident Mohammed Mursi weiter um eine Lösung bemühen. Ägypten gilt als wichtigster Unterhändler in dem Konflikt. Über Nacht beschoss Israel mehr als 100 Ziele im Gazastreifen, während radikale Islamisten von dort aus 31 Raketen auf Israel abfeuerten.

Die Explosion nahe dem Verteidigungsministerium im Herzen Tel Avivs zerstörte die Fensterscheiben des Busses. Drei der Opfer erlitten nach Angaben der Sanitäter schwere Verletzungen. Polizisten durchkämmten die Umgebung auf der Suche nach dem Attentäter, der die Bombe in dem Fahrzeug deponierte, wie der Sprecher Netanjahus erklärte. Medienberichten zufolge wurde ein Mann festgenommen. Der Bus wurde durch die Explosion nicht zerrissen, was auf einen relativ kleinen Sprengsatz hindeutet. "Wir haben keine Hinweise auf einen Selbstmordattentäter", sagte der Polizei-Chef von Tel Aviv, Yoram Ohayon, einem Fernsehsender.

Im Gazastreifen sorgte der Anschlag am achten Tag der israelischen Offensive für einen Freudenausbruch. In Gaza-Stadt feuerten viele Menschen aus Begeisterung Freudenschüsse in die Luft, nachdem der Rundfunk über das Attentat berichtet hatte. Im größten Krankenhaus, wo viele Verletzte der israelischen Luftangriffe behandelt werden, wurde Kuchen verteilt. Ein Hamas-Sprecher begrüßte den Anschlag, die Organisation bekannte sich jedoch nicht zu der Tat. Das Attentat sei eine natürliche Reaktion auf das Vorgehen Israels im Gazastreifen, sagte der Hamas-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Palästinenser-Gruppen werden zu allen Mitteln greifen, um unsere Zivilisten zu schützen, wenn es die Welt angesichts der israelischen Aggression schon nicht macht." Israel hatte in der Nacht das leere Haus eines hochrangigen Hamas-Beraters bombardiert. Nach Angaben von Anwohnern war es das erste Mal, dass Israel nicht nur auf die militärische Führung der Organisation, sondern auch auf deren politischen Flügel zielte.

Israels Wirtschaftsmetropole Tel Aviv war zuletzt im April 2006 Ziel eines Bombenanschlags gewesen, als ein palästinensischer Selbstmord-Attentäter elf Menschen an einem Imbiss in der Nähe des alten Busbahnhofs tötete. Die Hamas hatte in der vergangenen Woche mindestens vier Raketen auf die Küstenstadt abgefeuert, sie richteten jedoch keinen Schaden an.

KREISE - ÄGYPTENS GEHEIMDIENST VERHANDELT MIT HAMAS

Der Anschlag in Tel Aviv erschwert die Verhandlungen über eine Waffenruhe in dem Konflikt, die gerade in einer entscheidenden Phase stecken. Ägyptische Geheimdienstler wollten am Mittwoch erneut mit Anführern der Hamas und der Gruppe Islamischer Dschihad beraten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Palästinenser-Kreisen. "Möglicherweise gibt es eine Nachricht von Israel, die die ägyptischen Unterhändler den Vertretern von Hamas und Islamischem Dschihad präsentieren wollen", hieß es. "Lassen Sie uns hoffen, dass es etwas ist, das die Palästinenser-Gruppen akzeptieren können."

Die Umbrüche des Arabischen Frühlings haben die Hamas beflügelt: Sie genießt das Wohlwollen der neuen islamistischen Regierungen und steht auch bei den sunnitischen Golfstaaten hoch im Kurs, die die Gruppe von ihren Beziehungen zum schiitischen Iran abbringen wollen. Der offizielle Vertreter der Palästinenser dagegen, Präsident Mahmud Abbas im Westjordanland, scheint zunehmend an Einfluss zu verlieren.

Die Eckpunkte eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas sehen einem Bericht der israelischen Zeitung "Yedioth Ahronoth" zufolge vor, dass Ägypten eine 72-stündige Waffenruhe verkündet mit anschließenden Verhandlungen über eine langfristige Lösung. Danach würde Israel das Feuer einstellen, die Angriffe auf hochrangige radikale Islamisten beenden und Gespräche darüber versprechen, wie sich die Blockade des Gazastreifens lockern ließe. Die Hamas würde sich im Gegenzug verpflichten, die Raketenangriffe auf Israel zu stoppen und dafür zu sorgen, dass auch die übrigen Palästinenser-Gruppen dies befolgten. In israelischen Regierungskreisen hieß es, die Verhandlungen stockten derzeit, weil die Hamas eine komplette Aufhebung der Blockade verlange. Nach Angaben aus Hamas-Kreisen will die Gruppe auch die Kontrolle über den Grenzübergang Rafah nach Ägypten erhalten. Israel wirft der Hamas vor, sie wolle sich Waffen vom Iran beschaffen und diese über die ägyptische Grenze in den Gazastreifen schmuggeln.

 
Israeli police officers stand next to a damaged bus at the scene of an explosion in Tel Aviv November 21, 2012. A bomb exploded on a bus in central Tel Aviv on Wednesday, wounding at least 10 people in what officials said was a terrorist attack that could complicate efforts to secure a ceasefire in the Gaza Strip. REUTERS/Nir Elias (ISRAEL - Tags: POLITICS CIVIL UNREST)