Murdoch kriegt bei Sky freie Bahn - Börse jubelt

Mittwoch, 21. November 2012, 15:02 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Rupert Murdoch erhält ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk: Das Finanzamt gewährt dem Medienmogul bei seiner PayTV-Beteiligung Sky einen Milliarden-Steuerbonus.

Nach einer Entscheidung der Münchner Steuerbehörde verfallen Gutschriften des Unternehmens im Wert von 2,1 Milliarden Euro bei Änderungen in der Gesellschafterstruktur nicht, wie Sky mitteilte. Die Entscheidung hat weitreichende Folgen: Auf Basis des Bescheids könnte Murdoch seinen Aktienanteil auf mehr als 50 Prozent erhöhen und Sky vollkommen unter seine Kontrolle bringen, ohne den in den vergangenen Jahren angehäuften Steuerbonus zu verlieren. Bislang war das nicht sicher, weshalb Murdoch darauf bedacht war, mit seinem Konzern News Corp knapp weniger als die Hälfte der Sky-Anteilsscheine zu halten.

Anleger reagierten begeistert. Die Nachricht hievte die im MDax notierte Sky-Aktie am Mittwoch um über 13 Prozent auf ein Drei-Jahres-Hoch von 4,07 Euro nach oben. "Eine seit Jahren unüberwindbare Hürde ist aus dem Weg geräumt", erklärte ein Händler. Medienanalyst Polo Tang von der Bank UBS erwartet, dass Murdoch es nun eilig haben dürfte, seinen Anteil aufzustocken.

Ein Übernahmenangebot für die restlichen Aktien muss der australische Medienunternehmer in dem Fall aber nicht abgeben. Das sehen die Börsenregularien ab einer Beteiligung von 30 Prozent vor. Die Schwelle hat Murdoch bei Sky schon vor längerem überschritten, 2009 aber von der Finanzaufsicht Bafin einen Freibrief bekommen, da das Unternehmen ein Sanierungsfall war.

Der Steuerposten ist so groß, da die vormals als Premiere bekannte Firma seit der Gründung vor gut zwei Jahrzehnten so gut wie nie profitabel war. Das Steuerrecht erlaubt, die früheren Verluste später mit Gewinnen zu verrechnen, womit die Steuerlast sinkt. Strittig war zwischen der Firma und der Finanzbehörde nun, ob diese sogenannten Verlustvorträge auch noch in den Sky-Büchern stehen dürfen, wenn ein Eigner seinen Anteil auf über 50 Prozent ausbaut. Murdoch hat seit seinem Einstieg vor vier Jahren gut eine Milliarde Euro in das PayTV-Unternehmen gebuttert. Großes Geld verdient der Konzern, der früher einmal Teil des Medienimperiums von Leo Kirch war, immer noch nicht, doch wurde in den vergangenen beiden Quartalen zumindest ein kleiner operativer Gewinn erzielt.

 
News Corp Chairman and CEO Rupert Murdoch gestures as he speaks at the "The Economics and Politics of Immigration" Forum in Boston, Massachusetts August 14, 2012. REUTERS/Jessica Rinaldi (UNITED STATES - Tags: MEDIA)