Bombenanschlag erschüttert Bemühen um Gaza-Waffenruhe

Mittwoch, 21. November 2012, 15:41 Uhr
 

Tel Aviv/Gaza (Reuters) - Ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv hat am Mittwoch mindestens fünfzehn Menschen verletzt und die Hoffnungen auf eine rasche Waffenruhe im Nahost-Konflikt gedämpft.

"Das war ein terroristischer Anschlag", sagte ein Sprecher des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Die meisten Opfer hätten aber nur leichte Verletzungen durch die Bombe erlitten, die in dem Bus explodiert sei. Das Attentat, das erste in Tel Aviv seit sechs Jahren, erschwert die ohnehin komplizierten Verhandlungen über eine Waffenruhe zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas im Gazastreifen. Die USA verurteilten den Anschlag und sicherten ihrem Verbündeten Israel ihre Unterstützung zu. US-Außenministerin Hillary Clinton reiste nach Kairo zu Beratungen mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi, der in dem Konflikt vermittelt. Zuvor hatte sie in Israel mit Netanjahu und im Westjordanland mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gesprochen. Über Nacht beschoss Israel mehr als 100 Ziele im Gazastreifen, radikale Islamisten feuerten von dort 31 Raketen auf Israel.

Die Explosion nahe dem Verteidigungsministerium im Herzen Tel Avivs zerstörte die Fensterscheiben des Busses. Vier der 15 Opfer erlitten nach Angaben der Sanitäter schwere Verletzungen. Polizisten durchkämmten die Umgebung auf der Suche nach dem Attentäter, der die Bombe in dem Fahrzeug deponierte, wie der Sprecher Netanjahus erklärte. Medienberichten zufolge wurde ein Mann festgenommen. Der Bus wurde durch die Explosion nicht zerrissen, was auf einen relativ kleinen Sprengsatz hindeutet. "Wir haben keine Hinweise auf einen Selbstmordattentäter", sagte der Polizei-Chef von Tel Aviv einem Fernsehsender.

Im Gazastreifen sorgte der Anschlag am achten Tag der israelischen Offensive für einen Freudentaumel. In Gaza-Stadt feuerten viele Menschen aus Begeisterung in die Luft, nachdem der Rundfunk über das Attentat berichtet hatte. Im größten Krankenhaus, wo viele Verletzte der israelischen Luftangriffe behandelt werden, wurde Kuchen verteilt. Ein Hamas-Sprecher begrüßte den Anschlag, die Organisation bekannte sich jedoch nicht zu der Tat. Das Attentat sei eine natürliche Reaktion auf das Vorgehen Israels im Gazastreifen, sagte der Hamas-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Palästinenser-Gruppen werden zu allen Mitteln greifen, um unsere Zivilisten zu schützen, wenn es die Welt angesichts der israelischen Aggression schon nicht macht." Israel hatte in der Nacht das leere Haus eines hochrangigen Hamas-Beraters bombardiert. Nach Angaben von Anwohnern war es das erste Mal, dass Israel nicht nur auf die militärische Führung der Organisation, sondern auch auf deren politischen Flügel zielte.

Seit Beginn der Gazaoffensive am Mittwoch vergangener Woche wurden mehr als 140 Palästinenser getötet, rund die Hälfte davon Zivilisten. Auch fünf Israelis kamen ums Leben, darunter ein Soldat.

KREISE - ÄGYPTENS GEHEIMDIENST VERHANDELT MIT HAMAS

Der Anschlag in Tel Aviv erschwert die Verhandlungen über eine Waffenruhe, die in einer entscheidenden Phase stecken. Ägyptische Geheimdienstler wollten am Mittwoch erneut mit Anführern der Hamas und der Gruppe Islamischer Dschihad beraten, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus Palästinenser-Kreisen. "Möglicherweise gibt es eine Nachricht von Israel, die die ägyptischen Unterhändler den Vertretern von Hamas und Islamischem Dschihad präsentieren wollen", hieß es. "Lassen Sie uns hoffen, dass es etwas ist, das die Palästinenser-Gruppen akzeptieren können."

Die Umbrüche des Arabischen Frühlings haben die Hamas beflügelt: Sie genießt das Wohlwollen der neuen islamistischen Regierungen und steht auch bei den sunnitischen Golfstaaten hoch im Kurs, die die Gruppe von ihren Beziehungen zum schiitischen Iran abbringen wollen. Dagegen scheint der offizielle Vertreter der Palästinenser, Präsident Abbas im Westjordanland, zunehmend an Einfluss zu verlieren.

Die Eckpunkte eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas sehen einem Bericht der israelischen Zeitung "Yedioth Ahronoth" zufolge vor, dass Ägypten eine 72-stündige Waffenruhe verkündet mit anschließenden Verhandlungen über eine langfristige Lösung. Danach würde Israel das Feuer einstellen, die Angriffe auf hochrangige radikale Islamisten beenden und Gespräche darüber versprechen, wie sich die Blockade des Gazastreifens lockern ließe. Die Hamas würde sich im Gegenzug verpflichten, die Raketenangriffe auf Israel zu stoppen und dafür zu sorgen, dass auch die übrigen Palästinenser-Gruppen dies befolgten.

Wegen der unsicheren Lage in der Region sagte die UEFA das für Donnerstag geplante Europa-League-Spiel zwischen Hapoel Kiryat Shmona und Athletic Bilbao in Israel ab. Einen neuen Termin will der Fußballverband Ende der Woche bekanntgeben.

 
A bus company worker looks at a damaged bus before towing it from the scene of an explosion in Tel Aviv November 21, 2012. REUTERS/Baz Ratner (ISRAEL - Tags: CIVIL UNREST POLITICS TRANSPORT)