Türkei beantragt Patriot-Abwehrraketen bei Nato

Mittwoch, 21. November 2012, 17:13 Uhr
 

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die Türkei hat bei der Nato die Stationierung von Patriot-Abwehrraketen an der Grenze zu Syrien beantragt.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen teilte am Mittwoch in Brüssel mit, die Militärallianz werde den Antrag des Bündnispartners unverzüglich prüfen. Neben den USA und den Niederlanden verfügt in der Nato nur die Bundeswehr über die modernste Version des Raketenabwehrsystems. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin, Deutschland sei zur Entsendung der Raketen in die Türkei bereit. Er habe den deutschen Nato-Botschafter angewiesen, einen solchen Antrag anzunehmen, wenn die Bedingungen erfüllt seien. Die Nato-Botschafter wollten nach türkischen Angaben in Kürze zu Beratungen zusammenkommen. Die niederländische Regierung erklärte, sie werde die Anfrage der Türkei prüfen.

Mit den Patriot-Raketen will die Türkei ihr Territorium vor syrischen Angriffen schützen. Im Zuge des Bürgerkriegs im Nachbarland waren auch auf türkischer Seite der rund 900 Kilometer langen Grenze Granaten eingeschlagen, die die Patriots aber nicht abfangen könnten. Im Grenzgebiet zwischen den beiden Staaten gehen Soldaten von Syriens Präsident Baschar al-Assad gegen Rebellen vor.

Die Stationierung von Patriot-Raketen würde die Möglichkeiten der Türkei zur Luft-Verteidigung und den Schutz ihrer Bevölkerung und ihres Territoriums verbessern, erklärte Nato-Generalsekretär Rasmussen. "Sie würde dazu beitragen, die Krise an der Südost-Grenze der Nato zu deeskalieren."

Westerwelle sagte, eine Ablehnung des Antrags wäre ein schwerer Fehler, der unabsehbare Konsequenzen für das Militärbündnis hätte. "Ich glaube auch, dass eine Abstimmung und eine Befassung des deutschen Bundestages erforderlich ist", fügte der Außenminister hinzu. Bereits am Montag hatte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere die Bereitschaft Deutschlands zu Stationierung der Raketen bekundet.

ASSADS ARMEE GREIFT REBELLEN NAHE DAMASKUS AN

In Syrien griff die Luftwaffe nahe der Hauptstadt Damaskus nach Angaben von Oppositionellen den zweiten Tag in Folge Stellungen der Rebellen an. MiG-Kampfflugzeuge hätten die Oppositionshochburg Daraja beschossen. Innerhalb von zwei Tagen seien 23 Menschen getötet worden. Die meisten zivilen Einwohner seien mittlerweile aus der Stadt geflohen. Der regierungsfreundliche Sender al-Echbarija berichtete, die Armee habe damit begonnen, Daraja von Terroristen zu säubern. Mit dem Begriff bezeichnet Assads Führung die Aufständischen, die in der mittlerweile 20 Monate währenden Revolte den Sturz des Präsidenten betreiben.

Auch aus dem Vorort Irbin, der im Osten der Hauptstadt liegt, wurden Gefechte gemeldet. Irbin ist eine von vielen Vorstädten in der al-Ghuta genannten landwirtschaftlichen Region um Damaskus. "Die gesamte östliche Al-Ghuta ist im Grunde befreites Gebiet", sagte ein Kämpfer in Irbin. Assads Armee habe zwar immer noch eine überlegende Feuerkraft. "Aber die wird ausgehöhlt. Sie kann nicht mehr mit vielen Soldaten vorrücken."

In den vergangenen Wochen haben Rebellen mehrere wichtige Militär-Stützpunkte vor Damaskus und in anderen Landesteilen erobert. Die Armee konzentriert ihre Schlagkraft vor allem auf die Hauptstadt, um einen Ansturm der Rebellen zu verhindern.

 
Turkish soldiers take up position, near the border with Syria, at the Turkish border town of Ceylanpinar, Sanliurfa province November 20, 2012. REUTERS/Amr Abdallah Dalsh (TURKEY - Tags: POLITICS CONFLICT MILITARY TPX IMAGES OF THE DAY)