Waffenruhe in Nahost scheint zu halten

Donnerstag, 22. November 2012, 07:33 Uhr
 

Kairo/Jerusalem/Gaza (Reuters) - Der nach acht Tagen heftiger Kämpfe vereinbarte Waffenstillstand zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas scheint weitgehend zu halten.

Allerdings schossen radikale Palästinenser nach Angaben der israelischen Polizei auch nach Inkrafttreten des Waffenstillstands am Mittwoch um 20.00 Uhr (MEZ) Raketen auf Israel ab. Verletzt wurde niemand. Israel kündigte an, der Waffenruhe eine Chance zu geben, drohte aber für den Fall einer Missachtung mit einer erneuten Militäraktion. Die Hamas begrüßte die Einigung. Anführer Chaled Meschaal sicherte die Einhaltung zu, solange Israel sich an die Vereinbarung halte. In dem Küstenstreifen wurde die Einigung unter Vermittlung Ägyptens am Abend als Sieg über den jüdischen Staat gefeiert. Ein Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv hatte zunächst die Hoffnungen auf eine rasche Einigung gedämpft.

In Gaza gingen Bewohner auf die Straßen und feuerten Freudenschüsse sowie Feuerwerkskörper ab. Es sei egal, ob Israel den Waffenstillstand breche, die Palästinenser seien zum Kampf bereit, sagte ein Anwohner. "Aber wir hoffen, sie haben ihre Lektion gelernt." Meschaal erklärte, die Regierung in Jerusalem sei mit ihrem militärischen "Abenteuer" gescheitert. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief beide Seiten auf, ihren Zusicherungen Taten folgen zu lassen.

Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu erklärte, er wolle mit seiner Zustimmung zur Waffenruhe die Möglichkeit schaffen, die Lage zu stabilisieren und beruhigen, bevor eine "massivere Aktion" nötig sei. Sein Büro teilte mit, das habe Netanjahu gegenüber US-Präsident Barack Obama erklärt. Obama hatte nach Angaben des US-Präsidialamtes Netanjahu geraten, der Waffenruhe zuzustimmen. Zugleich habe Obama seinen Verbündeten Israel der Unterstützung der USA versichert. In ägyptischen Kreisen hieß es zudem, die Waffenruhe habe die "Garantien" Ägyptens. Aus israelischen Kreisen verlautete, Israel werde nicht - wie von der Hamas gefordert - die Blockade des Gazastreifens komplett aufheben. Bundesaußenminister Guido Westerwelle telefonierte am Mittwochabend mit seinem israelischen Kollegen Avigdor Lieberman. Dieser habe für den deutschen Einsatz bei den Friedensbemühungen gedankte, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin.

DIPLOMATISCHE BEMÜHUNGEN AUF HOCHTOUREN

US-Außenministerin Hillary Clinton war im Laufe des Tages nach Kairo gereist, um mit dem ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi zu beraten. Zuvor hatte sie in Israel mit Ministerpräsident Netanjahu und im Westjordanland mit Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas gesprochen.

Wie fragil die Lage im Nahen Osten ist und wie verhärtet die Fronten sind, zeigte der Anschlag in Tel Aviv. Mindestens 15 Menschen wurden bei dem Attentat im Zentrum der Millionenstadt zum Teil schwer verletzt. Im Gazastreifen löste der Anschlag am achten Tag der israelischen Offensive einen Freudentaumel aus. In Gaza-Stadt feuerten viele Menschen aus Begeisterung in die Luft, nachdem der Rundfunk über das Attentat berichtet hatte. Ein Hamas-Sprecher begrüßte den Anschlag, die Organisation bekannte sich jedoch nicht zu der Tat. Das Attentat sei eine natürliche Reaktion auf das Vorgehen Israels im Gazastreifen, sagte der Hamas-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Palästinenser-Gruppen werden zu allen Mitteln greifen, um unsere Zivilisten zu schützen, wenn es die Welt angesichts der israelischen Aggression schon nicht macht."

 
Israeli soldiers pray behind artillery shells near the border with the northern Gaza Strip November 21, 2012. REUTERS/Ronen Zvulun