Talfahrt der deutschen Wirtschaft geht kaum gebremst weiter

Donnerstag, 22. November 2012, 12:04 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft ist im November in kaum vermindertem Tempo geschrumpft.

Der Einkaufsmanagerindex für die Privatwirtschaft legte um 0,2 auf 47,7 Punkte zu, teilte das Markit-Institut am Donnerstag zu seiner Umfrage unter 1000 Firmen mit. Das Barometer verharrte aber deutlich unter der Marke von 50 Zählern, ab der Wachstum signalisiert wird. "Die deutsche Wirtschaft dürfte das Jahr wohl in kläglichem Zustand beenden", sagte Markit-Ökonom Tim Moore.

Die Dienstleister verschärften ihre Talfahrt. Deren Einkaufsmanagerindex gab um 0,4 auf 48,0 Punkte nach. Das ist der tiefste Stand seit rund dreieinhalb Jahren. Ihre Aussichten schätzt die Service-Branche so schlecht ein wie zuletzt im März 2009, als die Finanzkrise der deutschen Wirtschaft zusetzte. "So befürchten die Dienstleister im nächsten Jahr nicht nur Budgetkürzungen auf Kundenseite, sondern auch weitere negative Auswirkungen der Euro-Krise auf die deutsche Konjunktur", sagte Moore. Sie bauten deshalb so viele Stellen ab wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren.

CHINA MACHT HOFFNUNG

Das Barometer für die Industrie kletterte dagegen leicht um 0,8 auf 46,8 Zähler. Die Neuaufträge schrumpften so langsam wie seit März nicht mehr. "Auch die Exportbestellungen sanken im November weniger stark als in den letzten sechs Monaten, was die Unternehmen auf die anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen ‚Made in Germany' besonders aus China zurückführten", hieß es.

Im dritten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt nur noch um 0,2 Prozent gewachsen. Für das Schlussquartal rechnen viele Ökonomen sogar mit einem Minus. "Im Winterhalbjahr dürfte es zu einer temporären 'Konjunkturdelle' kommen", sagt das Bundesfinanzministerium voraus.

 
A workers walks through finished steel bars of different quality and size outside at the steel mill of German steel maker Lech-Stahlwerke GmbH in Meitingen near Augsburg October 9, 2012. REUTERS/Michaela Rehle