Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas hält vorerst

Donnerstag, 22. November 2012, 13:33 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Der zwischen Israel und der Hamas vereinbarte Waffenstillstand scheint vorerst zu halten.

In der Nacht zum Donnerstag wurden keine neue Angriffe gemeldet, auch am Vormittag blieb die Lage zunächst ruhig. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er werde der Waffenruhe eine Chance geben. Gleichwohl drohte er für den Fall einer Missachtung mit einer erneuten Militäraktion. Der im Exil lebende Hamas-Führer Chaled Maschaal versicherte seinerseits, das Abkommen einzuhalten, solange das auch Israel tue. Die Entspannung in Nahost sorgte weltweit für Erleichterung auch an den Finanzmärkten. Die Vereinten Nationen riefen zu Spenden für die Palästinenser auf. Die Bundesregierung sagte bereits 1,5 Millionen Euro an humanitärer Hilfe für die Bevölkerung im Gazastreifen zu.

Das Waffenstillstandsabkommen war nach gut einer Woche heftiger Kämpfe unter Vermittlung der ägyptischen Regierung zustande gekommen. Während der Auseinandersetzungen waren im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben 162 Menschen getötet worden, darunter 37 Kinder. Nach Angaben der israelischen Armee gingen in den acht Tagen knapp 1400 Raketen auf Israel nieder. Dabei seien vier Zivilisten und ein Soldat getötet worden.

Kurz nach Beginn des Waffenstillstands am Mittwochabend schossen radikale Palästinenser nach Angaben der israelischen Polizei noch einmal vereinzelt Raketen auf Israel ab. Dabei wurde aber niemand verletzt. Am Donnerstag blieben die Schulen im Süden Israels als Vorsichtsmaßnahme immer noch geschlossen. Im Gazastreifen begannen derweil die Aufräumarbeiten nach dem tagelangen Beschuss durch die israelische Armee.

Das Abkommen war auch auf internationalen Druck hin zustande gekommen. Der UN-Sicherheitsrat ermahnte Israel und die radikal-islamische Hamas zur Einhaltung der Waffenruhe. Beide Seiten sollten die Vereinbarung ernsthaft umsetzen, erklärte das 15-köpfige Gremium in New York. Zugleich rief der Rat die internationale Gemeinschaft dazu auf, Nothilfe wie Lebensmittel für die Palästinenser im Gazastreifen zur Verfügung zu stellen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle kündigte 1,5 Millionen Euro an Hilfen für die medizinische Notversorgung an. Die Bundesregierung wolle damit einen Beitrag dazu leisten, für die Bevölkerung in dem Küstenstreifen eine "echte Lebensperspektive" zu entwickeln. Erst dadurch könne ein friedliches Miteinander möglich gemacht werden.

Im besetzten Westjordanland nahm die israelische Armee unterdessen 55 mutmaßliche palästinensische Extremisten fest. Unter den Verdächtigen befänden sich führende Köpfe verschiedener Palästinensergruppen, teilte das Militär weiter mit. Die Armee werde weiterhin alles daran setzen, um Angriffe von palästinensischen Terroristen auf israelische Städte zu verhindern. Am Mittwoch waren bei einem Bombenanschlag auf einen Bus in Tel Aviv 15 Menschen verletzt worden.

 
An Israeli soldier, atop a tank, prepares to leave an army staging area by the central Gaza border November 22, 2012. A ceasefire between Israel and Gaza's Hamas rulers took hold on Thursday after eight days of conflict, although deep mistrust on both sides cast doubt on how long the Egyptian-sponsored deal can last. REUTERS/Yannis Behrakis (ISRAEL - Tags: CONFLICT TPX IMAGES OF THE DAY)