Rezession in der Euro-Zone droht sich zu verschärfen

Donnerstag, 22. November 2012, 13:36 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Rezession in der Euro-Zone droht sich zu verschärfen.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im vierten Quartal so stark schrumpfen wie seit dem Höhepunkt der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr, sagte das Markit-Institut am Donnerstag nach seiner Umfrage unter rund 4000 Firmen mit. Der Einkaufsmanagerindex kletterte im November zwar minimal um 0,1 auf 45,8 Punkte. Allerdings blieb das Barometer klar unter der Schwelle von 50 Punkten, ab der Wachstum angezeigt wird. "Die Euro-Zone-Privatwirtschaft ist erneut in alarmierendem Tempo geschrumpft und steckt in der schlimmsten Krise seit Mitte 2009", sagte Markit-Chefvolkswirt Chris Williamson.

Das Bruttoinlandprodukt in der Währungsunion war im dritten Quartal mit 0,1 Prozent bereits zum zweiten Mal in Folge geschrumpft, womit sich die Euro-Zone in der Rezession befindet. Nach Markit-Berechnungen könnte es im vierten Quartal sogar ein Minus von bis zu 0,5 Prozent geben. "Die Euro-Zone verharrt fest in der Rezession", sagte Ökonom Martin van Vliet von Global Economics.

DIENSTLEISTER IM ABWÄRTSSTRUDEL

Die Lage der Dienstleister verschlechterte sich. Deren Einkaufsmanagerindex fiel um 0,3 auf 45,7 Punkte. Das ist der niedrigste Wert seit fast dreieinhalb Jahren. Das Industrie-Barometer kletterte dagegen um 0,8 auf 46,2 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit acht Monaten. In Deutschland und Frankreich verlangsamte sich die Talfahrt der Privatwirtschaft zwar leicht. "In den übrigen Ländern beschleunigte sich der Abwärtstrend aber wieder", schrieben die Markit-Experten.

Das trifft auch die deutsche Privatwirtschaft. Deren Einkaufsmanagerindex kletterte zwar um 0,2 auf 47,7 Punkte, blieb aber ebenfalls klar unter der 50-Punkte-Marke. "Die deutsche Wirtschaft dürfte das Jahr wohl in kläglichem Zustand beenden", sagte Markit-Ökonom Tim Moore. Etwas Licht am Ende des Tunnels sieht die Industrie. Deren Neuaufträge schrumpften so langsam wie seit März nicht mehr. "Auch die Exportbestellungen sanken im November weniger stark als in den letzten sechs Monaten, was die Unternehmen auf die anziehende Nachfrage nach Industrieerzeugnissen 'Made in Germany' besonders aus China zurückführten."

HOFFEN AUF CHINA

Aus der Volksrepublik kamen ermutigende Konjunkturdaten. Die Industrie des größten Schwellenlandes verbuchte im November erstmals seit einem Jahr wieder bessere Geschäfte, wie aus der Umfrage der Bank HSBC hervorgeht. Deren Einkaufsmanagerindex kletterte um 0,9 auf 50,4 Punkte. "Dies bekräftigt, dass die wirtschaftliche Erholung zum Jahresende weiterhin an Fahrt gewinnt", sagte Qu Hongbin, China-Chefvolkswirt von HSBC.

In der Euro-Zone dagegen schmolzen die Auftragspolster sowohl in der Industrie als auch in der Dienstleistungsbranche erneut, und zwar so kräftig wie seit Juli 2009 nicht mehr. Auch die Neuaufträge fielen insgesamt so schwach aus wie seit rund dreieinhalb Jahren nicht mehr. "Angesichts der Nachfrageflaute und der unsicheren Konjunkturaussichten nahm die Beschäftigung im Zuge von Kostensenkungsmaßnahmen im November zum elften Mal hintereinander und mit der zweithöchsten Rate seit Januar 2010 ab", hieß es.

 
A statue depicting European unity is seen near an EU flag outside the European Parliament in Brussels October 12, 2012. REUTERS/Francois Lenoir (BELGIUM - Tags: POLITICS BUSINESS)