Waffenstillstand zwischen Israel und Hamas hält vorerst

Donnerstag, 22. November 2012, 14:59 Uhr
 

Gaza/Jerusalem (Reuters) - Der zwischen Israel und der radikal-islamischen Hamas vereinbarte Waffenstillstand scheint vorerst zu halten.

Am Donnerstag wurden zunächst keine neuen Angriffe gemeldet. Die Hamas feierte die Vereinbarung als Sieg über Israel. In Israel selbst gingen die Meinungen auseinander. Die Entspannung in Nahost sorgte weltweit für Erleichterung, auch an den Finanzmärkten. Die Vereinten Nationen (UN) riefen zu Spenden für die Palästinenser auf. Der Waffenstillstand war nach gut einer Woche heftiger Kämpfe unter Vermittlung der ägyptischen Regierung zustande gekommen.

Kurz nach Beginn der Waffenruhe am Mittwochabend schossen radikale Palästinenser nach Angaben der israelischen Polizei noch einmal vereinzelt Raketen auf Israel ab. Dabei wurde aber niemand verletzt. Ansonsten herrschte auf beiden Seiten der Grenze Ruhe. Die Schulen im Süden Israels blieben wie an den Vortagen als Vorsichtsmaßnahme noch geschlossen. Im Gazastreifen begannen die Aufräumarbeiten nach dem tagelangen Beschuss durch die israelische Armee.

"Israel ist eine Lektion erteilt worden, die es nie vergessen wird", zeigte sich der 51-jährige Chalil al-Rass in Gaza-Stadt überzeugt. Die Hamas erklärte den 22. November zum nationalen Feiertag, als Zeichen für "den Sieg des Widerstands". Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri sagte: "Der Widerstand hat eine neue Formel geschaffen - Wenn Ihr Gaza angreift, werden wir Tel Aviv und Gebiete darüber hinaus angreifen." Der im Exil lebende Hamas-Führer Chaled Maschaal versicherte, das Abkommen einzuhalten, solange das auch Israel tue.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, er werde der Waffenruhe eine Chance geben. Gleichwohl drohte er für den Fall einer Missachtung mit einer erneuten Militäraktion. Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte, der Hamas sei ein schwerer militärischer Schlag versetzt worden. Ihr Militärchef sei tot, ein Großteil der Raketen mittlerer Reichweite zerstört worden. Allerdings gab es in Israel auch andere Meinungen. In Kirjat Malachi etwa protestierten Einwohner gegen die Vereinbarung. Dort waren vergangene Woche drei Einwohner durch Hamas-Raketen getötet worden. Der Chef der größten Oppositionspartei Kadima, Schaul Mofas, erklärte auf Facebook: "Mit Terrorismus einigt man sich nicht, man besiegt ihn". Ein entscheidender Sieg sei jedoch nicht erzielt worden. In zwei Monaten wird in Israel gewählt.

Während der Gefechte waren im Gazastreifen nach palästinensischen Angaben 162 Menschen getötet worden, darunter 37 Kinder. Nach Angaben der israelischen Armee gingen in den acht Tagen knapp 1400 Raketen auf Israel nieder. Dabei seien vier Zivilisten und ein Soldat getötet worden.

Das Abkommen war auch auf internationalen Druck hin zustande gekommen. Der UN-Sicherheitsrat ermahnte Israel und die Hamas zur Einhaltung der Waffenruhe. Zugleich rief der Rat die internationale Gemeinschaft dazu auf, Nothilfe wie Lebensmittel für die Palästinenser im Gazastreifen zur Verfügung zu stellen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle kündigte 1,5 Millionen Euro an Hilfen für die medizinische Notversorgung an. Die Bundesregierung wolle damit einen Beitrag dazu leisten, für die Bevölkerung in dem Küstenstreifen eine "echte Lebensperspektive" zu entwickeln. Erst dadurch könne ein friedliches Miteinander möglich gemacht werden.

 
An Israeli soldier, atop a tank, prepares to leave an army staging area by the central Gaza border November 22, 2012. A ceasefire between Israel and Gaza's Hamas rulers took hold on Thursday after eight days of conflict, although deep mistrust on both sides cast doubt on how long the Egyptian-sponsored deal can last. REUTERS/Yannis Behrakis (ISRAEL - Tags: CONFLICT TPX IMAGES OF THE DAY)