Verlagskreise: "FTD" erscheint nur noch bis 7. Dezember

Donnerstag, 22. November 2012, 19:12 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Das Aus der "Financial Times Deutschland" (FTD) scheint Verlagskreisen zufolge besiegelt.

Die lachsfarbene Wirtschaftszeitung aus Hamburg solle letztmalig am 7. Dezember erscheinen, sagten zwei mit dem Vorhaben vertraute Personen aus dem Unternehmen am Donnerstag. "Wir sollen bis zum 7. Dezember eine Zeitung machen", sagte einer der Insider. Das Montag bis Freitag erscheinende Blatt würde sich damit zum Ende der übernächsten Börsenwoche nach zwölf Jahren verabschieden. Seit ihrer Gründung hat die Zeitung kein Geld verdient. Ein Verlagssprecher nannte am Donnerstag hingegen auch einen Verkauf als Alternative zu einer Schließung.

Der Aufsichtsrat des Verlagskonzerns Gruner + Jahr habe den Plänen des Vorstands im Grundsatz zugestimmt, hieß es in den Kreisen. Demnach sollen 330 Mitarbeiter der Wirtschaftsmedien AG ihren Arbeitsplatz verlieren; ihnen soll mit Wirkung Ende Januar betriebsbedingt gekündigt werden. In der Wirtschaftsmedien AG sind die Redaktionen der "FTD" und der Magazine "Capital", "Impulse" und "Börse Online" gebündelt. Weitere 20 Beschäftigte sollen den Kreisen zufolge beim Magazin "Capital" weiterbeschäftigt werden. Für den Personalabbau habe der zu Bertelsmann gehörende Verlagskonzern 40 Millionen Euro veranschlagt.

Gruner + Jahr wollte sich zu Details der Pläne nicht äußern. Ein Sprecher sagte, der Aufsichtsrat habe den Vorstand am Vortag ermächtigt, "einen Verkauf, Teilverkauf oder Schließung der G+J-Wirtschaftsmedien vorzunehmen". Derzeit liefen "letzte Gespräche" über einen potenziellen Verkauf der "FTD". Eine Entscheidung solle "zeitnah" getroffen werden. Ein endgültiger Beschluss des Vorstands über die Zukunft der Zeitung sei damit noch nicht gefasst.

WER KAUFT DIE ABONNENTENLISTE?

Einem Insider zufolge geht es dabei nicht um den Verkauf der Zeitung, sondern um deren Abonnentenbestand. "Die brauchen noch etwas Zeit, um die Adressdateien zu verkaufen", sagte die Person. Auch die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Donnerstagausgabe) berichtete darüber. Laut IVW-Statistik hatte die "FTD" zuletzt 41.600 Abonnenten. Für die Magazine "Impulse" und "Börse Online", die ebenfalls zu den G+J-Wirtschaftsmedien gehören, gebe es zahlreichen Interessenten, darunter auch Fachverlage, berichtete die "FAZ" weiter. Wenn der Verkauf der Titel nicht bis Ende Januar gelinge, wolle Gruner + Jahr "Impulse" und "Börse Online" ebenfalls einstellen.

Der Gesamtbetriebsrat der Wirtschaftsmedien AG zeigte sich "entsetzt" über das Vorgehen des Verlagsmanagements. Die Unternehmensleitung habe die Arbeitnehmer bislang nicht über ihre Pläne informiert. Ein Verlagssprecher kündigte an, die Belegschaft solle am Freitag im Laufe des Vormittags informiert werden. Aus Unternehmenskreisen hieß es ergänzend, für Freitagmittag sei eine Pressemitteilung geplant.

Die Pressebranche leidet seit Jahren unter rückläufigen Anzeigenerlösen und tut sich schwer, die Umsatzeinbrüche im Printgeschäft durch neue Erlösquellen im Internet aufzufangen. Erst in diesem Herbst haben die "Frankfurter Rundschau" und die stark vom Zeitungsgeschäft abhängige Nachrichtenagentur dapd Insolvenz angemeldet.

 
An edition of the Financial Times Deutschland (Germany) is seen at a shop in Frankfurt August 28, 2012. Local media reported that Financial Times are to modify the amount of pages in their newspaper. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS MEDIA)