Kreise: Siemens läutet heiße Phase für Osram-Trennung ein

Donnerstag, 22. November 2012, 17:14 Uhr
 

München (Reuters) - Siemens läutet Insidern zufolge in der kommenden Woche die heiße Phase für die Abtrennung seiner Leuchtmittel-Tochter Osram ein.

Der Aufsichtsrat werde in seiner Sitzung am Mittwoch die Zeitschiene und einige Details für den Spin-Off des Traditionsunternehmens absegnen, sagten mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag. Tags darauf tage dann das Kontrollgremium von Osram. Demnach will Siemens weniger als ein Fünftel an der Tochter behalten und die Spitze des Aufsichtsrats mit einem externen Fachmann besetzen. Insidern zufolge hat Siemens allerdings Mühe, einen geeigneten Kandidaten zu finden.

Wenig später sollen neue Restrukturierungspläne für Osram bekanntgegeben werden. Den Angaben zufolge sollen im Zuge der Neuausrichtung vor allem im Ausland mehrere tausend Stellen abgebaut werden. Den Umbau wolle sich Osram rund eine halbe Milliarde Euro kosten lassen. In Deutschland sei die Kürzungswelle bereits weitgehend vollzogen. Osram betreibt in 16 Ländern 44 Fabriken. Binnen Jahresfrist hat Osram-Chef Wolfgang Dehen zuletzt seine Belegschaft bereits um 2000 auf 39.000 Beschäftigte verkleinert.

Am 7. Dezember werde gleichzeitig mit der Einladung zur Siemens-Hauptversammlung der Abspaltungsbericht für Osram veröffentlicht. Darin sollen genauere Zahlen über die Geschäftssituation des Leuchtmittel-Herstellers enthalten sein. Siemens veröffentlichte seit dem Beschluss der Trennung nur noch sporadisch grobe Ertragskennzahlen für die Tochter. Vorläufig werde Siemens aber noch keine Gesamtbewertung für Osram angeben.

Die Siemens-Aktionäre sollen auf ihrem Jahrestreffen am 23. Januar darüber abstimmen, ob sie die Osram-Anteile geschenkt haben möchten. Votieren drei Viertel dafür und gibt es während einer vierwöchigen Einspruchsfrist keinen Widerstand, könnte Osram sein Börsendebüt voraussichtlich Mitte April feiern. Sollten eine Minderheit von Siemens-Eigentümer Krawall gegen das Votum der Hauptversammlung schlagen, könnte sich die Erstnotiz bis September verzögern.

Siemens will angesichts des Wandels der Leuchtmittel-Industrie hin zu Leuchtdioden nicht mehr bei Osram investieren. Pläne für einen IPO scheiterten am widrigen Börsenumfeld. Nun will Siemens seinen Anteilseignern die Osram-Papiere mit deren Segen schlicht ins Depot buchen. Die Bewertung von Osram wird von Analysten als Ganzes auf zwischen drei und fünf Milliarden Euro veranschlagt.

Experten und Arbeitnehmervertreter sehen dem Schritt wegen des hohen Investitionsbedarfs und der scharfen Konkurrenz aus Asien bang entgegen. "In den letzten hundert Jahren wurde das Lichtgeschäft von GE, Philips und Osram dominiert. Jetzt sind neue, finanzkräftige Anbieter dazugekommen wie LG, Samsung oder Cree", sagte ein hochrangiger Osram-Vertreter. "Der LED-Markt wird brutal wachsen. Aber man muss halt auch gewaltig investieren. Die Mutter war nicht bereit, das Spiel einzugehen. Man wollte uns loswerden." Der Spin-Off sei für den Konzern der letzte Ausweg gewesen. Ein möglicher Verkauf sei mangels Interessenten gescheitert. "Ich sehe weit und breit niemanden, der so einen großen Klumpen kauft und dazu noch investiert", sagte der Insider. Die jüngst beigelegten Patentstreitigkeiten mit LG und Samsung seien ein Beleg dafür gewesen, dass die Asiaten testen wollten, wie werthaltig das Schutzrechtportfolio der Münchner sein könnte. Die rasche Einigung sieht der Kenner kritisch. "Man wollte den Konflikt vor dem Spin-off schnell weg haben, und das hat unsäglich viel Geld gekostet."

- von Jens Hack

 
Traditional light bulbs are seen at an Osram factory in Molsheim, eastern France December 11, 2008. Standard energy-guzzling incandescent light bulbs should be banned in Europe by 2012, a European Union panel of experts recommended on Monday. European households could initially save up to 50 euros ($65) a year by switching to more efficient halogen, LED and fluorescent CFL lamps, with greater savings as costs for the more expensive but longer-lasting bulbs fall. REUTERS/Vincent Kessler (FRANCE)