Deutsche Wirtschaft trotzt der Euro-Krise

Freitag, 23. November 2012, 10:48 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich wegen steigender Exporte nach Übersee und der Aussichten auf ein gutes Weihnachtsgeschäft überraschend aufgehellt.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November um 1,4 auf 101,4 Punkte. "Die deutsche Konjunktur stemmt sich gegen die Euro-Krise", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn am Freitag. Das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer war zuvor sechs Monate in Folge gefallen. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem erneuten Rückgang auf 99,5 Zähler gerechnet. Befragt wurden 7000 Unternehmen.

Die Manager beurteilten sowohl die Lage als auch die Geschäftsaussichten besser. Die Stimmung hellte sich sowohl in der Industrie als auch in der Baubranche sowie im Groß- und Einzelhandel auf, lediglich bei den Dienstleistern trübte sie sich leicht ein. In der Industrie schürten vor allem die Exporterwartungen den Optimismus. Diese drehten nach drei Monaten wieder in den positiven Bereich. "Auftragslage und Nachfrage stabilisieren sich", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe zu Reuters. "Die Exporte in die USA und nach Asien scheinen gut zu laufen." Auch der Konsum macht Hoffnung. "Für das Weihnachtsgeschäft sind die Einzelhändler optimistisch."

Wohlrabe warnt aber vor übertriebener Zuversicht. Im vierten Quartal sei kaum Wachstum in Sicht, nachdem es bereits im dritten Quartal nur zu einem Plus von 0,2 Prozent gereicht hatte. "Es wird um die Null liegen", sagte der Ifo-Experte. "Es könnte auch leicht negativ werden." Die leichte Aufhellung im Ifo-Index dürfte sich erst Anfang 2013 niederschlagen. Das Bundesfinanzministerium erwartet im Winterhalbjahr eine "temporäre Konjunkturdelle".

ERWARTUNGEN STEIGEN

Auch Banken-Ökonomen bleiben vorsichtig. "Der Anstieg des Ifo-Indexes ist eine positive Überraschung, aber wir sehen darin noch keine Trendwende für die deutsche Wirtschaft", sagte Christian Melzer von der DekaBank. "Es ist eine Stabilisierung." Ähnlich sieht das Commerzbank-Analyst Ralph Solveen: "Ein Anstieg ist noch kein Signal für einen Wendepunkt". Die Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone habe aber abgenommen. "Diese Furcht war ein massiver Bremsklotz für die Wirtschaft", sagte Solveen.

Der Index für die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate kletterte überraschend um 2,0 auf 95,2 Zähler. Das Barometer für die aktuelle Situation stieg um 0,9 auf 108,1 Punkte.

 
The construction site of the new headquarters of the European Central Bank (ECB) (L) is seen in front of the city's skyline with its banking towers, in Frankfurt, late October 11, 2012. REUTERS/Kai Pfaffenbach (GERMANY - Tags: BUSINESS CITYSPACE)