VW hält Investitionstempo trotz Schuldenkrise hoch

Freitag, 23. November 2012, 14:06 Uhr
 

Hamburg (Reuters) - Volkswagen erhöht das Investitionstempo: Der Wolfsburger Autobauer will in den nächsten drei Jahren 50,2 Milliarden Euro in den Ausbau der Werke und die Entwicklung neuer Fahrzeuge mit verbrauchsärmeren Antrieben stecken.

"Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds investieren wir mehr als jemals zuvor, um unsere langfristigen Ziele zu erreichen", sagte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitag im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung. VW will bis 2018 an Toyota und der Opel-Mutter General Motors vorbeiziehen und den Thron der weltweiten Automobilindustrie erklimmen.

Finanziell kann Europas größter Autobauer die Investitionen locker stemmen: VW verfügt trotz der Übernahmen des Porsche-Sportwagengeschäfts und der Motorradmarke Ducati noch immer über ein komfortables Finanzpolster von 9,2 Milliarden Euro. Weitere rund 4,5 Milliarden Euro hatten sich die Wolfsburger jüngst durch zwei Anleihe beschafft. Erstmals umfasst die Planung auch die Marken MAN und Porsche.

Von den Sachinvestitionen von 39,2 Milliarden Euro sollen mehr als die Hälfte in Deutschland ausgegeben werden. "Wir schaffen so die Voraussetzungen, dass unsere 27 Werke bei Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Vergleich weiter ganz vorne mitspielen", sagte Winterkorn. "Wir bei Volkswagen stehen zum Industriestandort Deutlschand", fügte der VW-Chef mit einem Seitenhieb auf Opel hinzu, der über Werksschließungen diskutiert. Betriebsratschef Bernd Osterloh begrüßte die Entscheidung als "klares Bekenntnis zur Sicherung von Arbeitsplätzen und Beschäftigung bei Volkswagen gerade angesichts des schwierigen Umfelds in der Automobilindustrie".

KNAPP 25 MILLIARDEN EURO FÜR NEUE AUTOMODELLE

Der neuen Planung zufolge will VW von 2013 bis 2015 allein 24,7 Milliarden Euro in neue Automobile und Varianten investieren. Dazu gehöre auch eine neue Lkw-Generation von MAN. Bei Pkw sollen die Kosten durch die neue Baukastentechnologie um über 20 Prozent sinken. 14,5 Milliarden Euro fließen in den Ausbau der Werke - als Projekte hob der Konzern die neue Audi-Fabrik in Mexiko und die Erweiterung des Porsche-Werks in Leipzig sowie den Ausbau der Produktion von Automatikgetrieben hervor.

Weitere 9,8 Milliarden Euro sollen in die Gemeinschaftsunternehmen in China gesteckt werden. VW zieht derzeit drei Werk in der Volksrepublik hoch, um die erwartete Nachfrage bedienen zu können.

Der Aufsichtsrat beschließt üblicherweise jedes Jahr im November die Investitionen für die kommenden fünf Jahre. Im vergangenen Jahr hatte der Kontrollrat für den Fünf-Jahres-Zeitraum von 2012 bis 2016 Gesamtausgaben von 62,4 Milliarden Euro beschlossen.

DIESER WEG WIRD KEIN LEICHTER SEIN

Der Weg an die Spitze dürfte für VW steiniger werden als bisher. Während auf dem Heimatmarkt wegen der Krise in den Schuldenstaaten Südeuropas der Absatz einbricht und sich die Nachfrage nach Meinung von Experten auch in den nächsten beiden Jahren nicht erholen wird, ist China als Motor der weltweiten Automobilindustrie ins Stottern geraten. In den USA, wo der Pkw-Markt noch stark wächst, könnten die für den staatlichen Defizitabbau nötigen Einsparungen das Konsumklima dämpfen.

VW profitiert von der Schwäche der Konkurrenz und hatte seine Führung in Europa zuletzt weiter ausgebaut. Mehr als jeder vierte Neuwagen in der EU stammte im Oktober von dem Wolfsburger Imperium. Allerdings bläst auch VW wegen der Krise in Südeuropa der Wind ins Gesicht. "Die Zeiten sind nicht leicht, aber wir haben es in der Hand, den eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen", hatte Winterkorn jüngst gesagt. Dagegen dürfte sich der Überlebenskampf der Massenhersteller von Opel über Peugeot bis Ford und Fiat in Europa nach Einschätzung von Experten angesichts der Rezession in den Schuldenstaaten noch verschärfen.

 
New Volkswagen cars are seen in a vehicle parking space in the port of Koper November 16, 2012. REUTERS/Srdjan Zivulovic (SLOVENIA - Tags: TRANSPORT)