Tausende Textilarbeiter protestieren nach Feuer in Dhaka

Montag, 26. November 2012, 12:09 Uhr
 

Dhaka (Reuters) - Einen Tag nach dem verheerenden Brand in einer Kleiderfabrik in Bangladesch mit über 100 Toten haben am Montag tausende Fabrikarbeiter der Textilindustrie in der Landeshauptstadt Dhaka gegen ihre Arbeitsbedingungen protestiert.

Sie forderten, dass die für die Katastrophe Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen und bestraft werden. Währenddessen brach am Montag erneut in einem Textilwerk ein Feuer aus. Dabei erlitten nach Angaben der Feuerwehr acht Menschen Rauchvergiftungen. Berichte über Todesopfer gab es zunächst nicht. Die Feuerwehr teilte weiter mit, der Brand in einem Hochhaus mit insgesamt drei getrennten Textilfabriken sei inzwischen weitgehend unter Kontrolle. Die Anlage liegt in einem Vorort von Dhaka.

Am Wochenende waren am Rande der Hauptstadt 109 Menschen ums Leben gekommen, als ein Textilwerk der Firma Tazreen Fashions, die auch C&A beliefert, in Flammen aufging. Dies war die bislang schwerste Brandkatastrophe des Landes dieser Art. Die Kleiderfabriken in Bangladesch sind berüchtigt für mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen. Vor allem Arbeiterinnen produzieren in den rund 4500 Werken unter oft schwierigen Bedingungen Waren für westliche Bekleidungskonzerne. Bangladesch ist nach China der zweitgrößte Textilproduzent der Welt. Gefertigt wird unter anderem für westliche Konzerne wie Tesco, Wal-Mart, JC Penney, H&M, C&A, Marks & Spencer, Kohl's und Carrefour . Die Branche macht in dem Land 80 Prozent des Jahresexports von 24 Milliarden Dollar aus.

C&A LÄSST BEI TAZREEN FASHIONS PRODUZIEREN

Die Düsseldorfer Bekleidungskette C&A bestätigte Geschäftsbeziehungen mit Tazreen Fashions. Die Firma sei beauftragt, 220.000 Sweatshirts an C&A Brasilien zwischen Dezember 2012 und Februar 2013 zu liefern. Ein C&A-Sprecher betonte, die Textilkette überprüfe fortlaufend, dass ihre Lieferanten die festgeschriebenen Arbeitsbedingungen einhielten. "Wir müssen dringend herausfinden, welche Umstände zu dem Feuer und dem Tod so vieler Menschen geführt haben."

Feuerwehrangaben zufolge war der Brand am späten Samstagabend im Erdgeschoss ausgebrochen und hatte sich rasch in dem neunstöckigen Gebäude ausgebreitet. Mehreren hundert der meist weiblichen Arbeiter war der Fluchtweg versperrt. Die meisten Leichen wurden im zweiten Stock geborgen. Die Ursache für das Feuer war zunächst offen. Zeugenberichten zufolge versuchten viele Eingeschlossene, den Flammen mit Sprüngen aus den Fenstern zu entkommen. Dabei habe es Tote und Verletzte gegeben.

Im Jahr 2006 waren bei einem Brand in einem Hafen der Stadt Chittagong 84 Menschen gestorben. Damals konnten die Türen der Notausgänge nicht geöffnet werden.

 
Workers shout slogans as they protest against the death of their colleagues after a devastating fire in a garment factory which killed more than 100 people, in Savar November 26, 2012. Thousands of angry textile workers demonstrated in the outskirts of Dhaka on Monday after a fire swept through a garment workshop at the weekend, killing more than 100 people in Bangladesh's worst-ever factory blaze. REUTERS/Andrew Biraj (BANGLADESH - Tags: DISASTER BUSINESS TEXTILE EMPLOYMENT CIVIL UNREST)