Finanzmarktaufsicht beanstandet bei UBS schwere Mängel

Montag, 26. November 2012, 08:33 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma hat bei der Großbank UBS im Zusammenhang mit dem Londoner Handelsverlust schwerwiegende Kontrollmängel entdeckt.

Ohne diese Mängel wären die betrügerischen Transaktionen des Händlers Kweku Adoboli früher entdeckt worden, teilte die Behörde am Montag mit. In Absprache mit der Finma habe die britische Financial Services Authority (FSA) ihr eigenes Verfahren abgeschlossen und dem Schweizer Geldhaus eine Buße von 29,7 Millionen Pfund aufgebürdet. Die Finma hat von Gesetzes wegen nicht das Recht, Geldstrafen zu verhängen.

Die UBS will das Ergebnis der behördlichen Untersuchungen akzeptieren. Das Bankhaus zeigte sich erleichtert, dass dieses Kapital nun abgeschlossen sei und dass die Regulatoren die Maßnahmen anerkannt hätten, welche die UBS seit dem Vorfall getroffen habe.

Nachdem der Handelsskandal in London im vergangenen Herbst ans Licht gekommnen war, hatten die FSA und die FINMA formelle Untersuchungen gegen UBS eröffnet. Es ging dabei um die Frage, ob die Kontrollmechanismen der Bank zur Verhinderung und Aufdeckung nicht genehmigter Handelsaktivitäten ausreichend waren und den Vorschriften entsprachen. Die Arbeit der Aufsichtsbehörden ruhte dann bis zum Ende des Prozesses gegen Adoboli, der vergangene Woche wegen Betrugs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Seine Zockerei mit börsennotierten Indexfonds (ETF) brockte der UBS im September 2011 einen Handelsverlust von 2,3 Milliarden Dollar ein.

Unmittelbar nach dem Vorfall habe die Finma als Sofortmaßnahme Kapitalrestriktionen und ein Akquisitionsverbot für die Investmentbank verhängt. Zudem ordnete die Behörde an, dass jede bedeutende Geschäftsinitiative der Investmentbank vorgängig abgesegnet werden müssten.

Die UBS habe als Reaktion auf den Fall eine große Zahl organisatorischer Maßnahmen eingeleitet, um das Risikomanagement und die Kontrollfähigkeiten zu stärken, hieß es in der Finma-Mitteilung. Die Schweizer Behörde setze nun einen unabhängigen Untersuchungsbeauftragten ein, um die Fortschritte und den Abschluss des Maßnahmenpakets zu überwachen. Zudem prüfe sie, ob die UBS die Kapitalunterlegung der operationellen Risiken erhöhen müsse.

Unklar war vorerst, ob die von der UBS Ende Oktober angekündigten Bilanzmaßnahmen schon ausreichen, um die Zweifel der Finma auszuräumen. Die UBS hatte damals den Ausstieg aus dem Zinsgeschäft in Aussicht gestellt, wodurch die Bilanz bis 2015 um 30 Prozent reduziert würde. Die Bilanzrisiken (RWA) sollen bis 2017 auf 200 Milliarden Franken sinken, davon sollen dann weniger als 70 Milliarden auf das Investmentbanking entfallen.

 
Signs are seen on the outside of Swiss bank UBS in central London November 20, 2012. Former UBS trader Kweku Adoboli was convicted on Tuesday of the biggest fraud in British history, which resulted in a loss of $2.3 billion for the Swiss bank. REUTERS/Luke MacGregor (BRITAIN - Tags: BUSINESS CRIME LAW)