Finanzmarktaufsicht nimmt UBS an die Kandare

Montag, 26. November 2012, 12:50 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Die Schweizer Finanzmarkt-Aufsicht will der Großbank UBS noch genauer auf die Finger schauen.

Nach dem Milliarden-Handelsverlust eines Londoner Investmentbankers schickt die Finma daher der UBS einen Aufpasser ins Haus. Der externe Untersuchungsbeauftragte solle sicherstellen, dass die Maßnahmen zur Behebung der festgestellten schweren Mängel in der internen Kontrolle auch tatsächlich umgesetzt werden, teilte die Finma am Montag mit. Zusätzlich zum Handelsverlust kommen weitere Kosten auf die größte Schweizer Bank zu. Die britische Behörde FSA brummte der UBS eine Buße von 29,7 Millionen Pfund (rund 36,7 Millionen Euro) auf. Die UBS akzeptiert das Ergebnis der Untersuchungen und die damit verbundene Strafzahlung.

Im September 2011 brockten fehlgeschlagene Spekulationen des Händlers Kweku Adoboli mit börsennotierten Indexfonds (ETF) der Bank einen Verlust von 2,3 Milliarden Dollar ein. Daraufhin nahmen die FSA und die Finma formelle Untersuchungen gegen die UBS auf. Es ging dabei um die Frage, ob die Kontrollmechanismen der Bank zur Verhinderung und Aufdeckung nicht genehmigter Handelsaktivitäten ausreichend waren und den Vorschriften entsprachen. Die Arbeit der Aufsichtsbehörden ruhte dann bis zum Ende des Prozesses gegen Adoboli, der vergangene Woche wegen Betrugs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

MANGELHAFTE ÜBERWACHUNG DES ETF-BEREICHS

In ihrem nun veröffentlichten Schlussbericht macht die Finma schwere Versäumnisse bei der UBS aus. Die Überwachung des ETF-Bereichs sei mangelhaft gewesen. Die Kontrolleure hätten vom Handelsgeschäft zu wenig verstanden. Warnsignale seien ohne weitere Nachforschungen übergangen worden. Führungsleute seien noch im August 2011 in einer Sitzung zum Schluss gekommen, dass keine großen Beträge in Gefahr seien. Zudem habe die UBS falsche Signale gesetzt, indem sie dem Händler, der mehrfach interne Regeln verletzt hatte, markante Lohnerhöhungen und Boni gewährte. "Die starke Gewichtung des Gewinns ging auf Kosten von Kontrolle und gründlichem Risiko-Management", schließt die Finma.

Unmittelbar nachdem der Vorfall bekannt wurde, habe die Behörde einschneidende Sofortmaßnahmen angeordnet. So musste die Bank die Bilanzrisiken schrittweise zurückfahren. Im Investmentbanking durfte das Institut keine Zukäufe mehr tätigen und jede neue Geschäftsinitiative musste vorgängig von der Finma abgesegnet werden.

Bei UBS selbst hatte der Londoner Handelsskandal weitreichende Folgen. Konzernchef Oswald Grübel trat zurück und wurde durch den damaligen Europa-Chef Sergio Ermotti ersetzt. Die damalige Risiko-Chefin und die beiden Chefs des globalen Aktienhandels nahmen ebenfalls im letzten Jahr ihren Hut. Die ETF-Abteilung, in der Adoboli zeitweise wegen hoher Gewinne einen Status als Starhändler genoss, soll es aber weiterhin geben.

Die Finma erkannte zwar an, dass die UBS personelle Konsequenzen gezogen habe und Schwächen in der Abwicklung von Handelsgeschäften sowie in der Risikokontrolle anging. Damit gibt sich die Behörde aber noch nicht zufrieden. Der neue Aufpasser soll die Umsetzung der Maßnahmen überwachen, nach Abschluss des Projektes soll zudem eine Prüfgesellschaft kontrollieren, ob die Maßnahmen greifen. Danach will die Behörde entscheiden, ob die operationellen Risiken der Bank mit genügend Kapital unterlegt sind. Die Finma hat von Gesetzes wegen nicht das Recht, Geldstrafen zu verhängen.

Allerdings hat die UBS bereits Ende 2011 mehr Kapital für operationelle Risiken bereitgestellt, um Verluste aufzufangen, und ist im Branchenvergleich inzwischen solide kapitalisiert. Zudem kündigte die Bank Ende Oktober 2012 weitere tiefgreifende Maßnahmen an. So will sie aus dem Zinsgeschäft aussteigen. Dadurch würde die Bilanz bis 2015 um 30 Prozent schrumpfen und die Risiken weiter zurückgehen.

Auch die Anleger gaben sich unbeeindruckt. Die UBS-Aktie sank zu Wochenbeginn um 0,7 Prozent auf 14,64 Franken und entwickelte sich damit im Rahmen der europäischen Bankbranche.

 
The offices of Swiss bank UBS are seen in the financial district of the City of London October 31, 2012. Former UBS trader Kweku Adoboli was convicted on Tuesday of one count of fraud related to a loss of $2.3 billion. Adoboli, 32, was a senior trader on the Exchange Traded Funds desk at UBS's investment banking arm in London. He had worked for the bank for eight years. He was arrested on Sept. 15, 2011, and his trial started a year later. Picture taken October 31, 2012. REUTERS/Chris Helgren (BRITAIN - Tags: BUSINESS CRIME LAW EMPLOYMENT)