Swiss Life macht bei Tochter AWD reinen Tisch

Mittwoch, 28. November 2012, 09:00 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Der Schweizer Lebensversicherer Swiss Life macht bei seiner deutschen Tochterfirma AWD reinen Tisch und nimmt dafür einen drastischen Gewinneinbruch in Kauf.

Der Finanzmakler, der die in ihn gesetzten Umsatzhoffnungen nie erfüllte, wird eingedampft. Die eng mit dem Namen des AWD-Gründers Carsten Maschmeyer verbundene Marke verschwindet. Das zwingt die Schweizer zu Wertberichtigungen von 576 Millionen Franken. In der Folge dürfte der Jahresgewinn auf einen zweistelligen Millionenbetrag von 606 Millionen Franken (505 Millionen Euro) im Vorjahr sinken, teilte Swiss Life am Mittwoch mit. In den nächsten drei Jahren sollen in Deutschland und in der Schweiz 300 bis 400 Stellen abgebaut werden. Den Aktionären versprach Swiss Life aber eine unveränderte Dividende von 4,50 Franken pro Aktie.

AWD, für die die Schweizer vor vier Jahren 1,2 Milliarden Euro bezahlt hatten, bereitete Swiss Life zuletzt immer mehr Probleme. Rechtsstreitigkeiten in Deutschland und Österreich, wo Behörden die AWD-Vertriebspraktiken untersuchen, nagten an der Reputation und kosteten viel Geld. Als Fehler wollte Konzernchef Bruno Pfister die Übernahme rückblickend aber nicht einstufen. "Dennoch müssen wir selbstkritisch anerkennen, dass wir die Wachstumsmöglichkeiten in Osteuropa und Österreich überschätzt haben", erklärte er.

An die Stelle der Marke AWD tritt eine neue Vertriebsgesellschaft, die Swiss Life Select heißen wird. Die Aktivitäten in der Slowakei und in Ungarn sollen aufgegeben werden. Die neue Gesellschaft soll sich auf Deutschland, Schweiz, Österreich sowie Polen und Tschechien konzentrieren. Aber auch dort musste Swiss Life nach eigenen Angaben eine "Neueinschätzung der künftigen Ertragskraft" vornehmen. Auch in Deutschland würden die Pläne angepasst, hieß es weiter.

In den kommenden drei Jahren will Swiss Life Angebote und Ertragsquellen verbreitern. Der Konzern will die Kosten um insgesamt 130 Millionen bis 160 Millionen Franken senken. Die Rendite auf die um unrealisierte Kursgewinne bereinigte Eigenkapitalbasis soll von acht bis zehn Prozent erreichen.

 
REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS)