RBI gibt keine Entwarnung - Mehr Problemkredite erwartet

Mittwoch, 28. November 2012, 13:04 Uhr
 

Wien (Reuters) - Die maue Wirtschaftsentwicklung in Teilen Osteuropas bremst den Optimismus der Raiffeisen Bank International.

Durch die Schieflage von Unternehmen in Ungarn, Polen, Tschechien und der Slowakei müsse das Finanzinstitut in den kommenden Monaten voraussichtlich höhere Vorsorgen für faule Kredite bilden, sagte Bankchef Herbert Stepic am Mittwoch. Die RBI schlägt damit pessimistischere Töne an als die Konkurrentin Erste Group, die für 2013 steigende Erträge in Aussicht gestellt hatte. An der Börse kam das nicht gut an: Die RBI-Aktie verlor bis zu 6,7 Prozent an Wert. Im Gefolge rutschte auch die Erste-Aktie um bis zu 2,7 Prozent ab.

"Die Lösung der Staatschuldenkrise in Europa dauert sehr, sehr lange und das hat seine direkten Auswirkungen auf die Wirtschaft", sagte Stepic. Ein wirtschaftlicher Aufschwung in Zentral- und Osteuropa sei erst für die zweite Jahreshälfte 2013 zu erwarten. Weil viele Firmen in Krisenzeiten in Zahlungsnöte geraten, müssen Banken dann tendenziell höhere Vorsorgen für Problemkredite bilden, was wiederum die Gewinne schmälert. Bei der RBI sind derzeit zehn Prozent aller Kredite faul. Trotz der schwierigen Lage will sich die RBI Stepic zufolge aber aus keinem ihrer Märkte zurückziehen.

SORGENKIND UNGARN

Besonders schwierig ist laut Risikochef Johann Strobl die Situation in Ungarn. Seit der Finanzkrise in 2008 seien dort viele Unternehmen immer tiefer in den Abwärtssog geraten. Eine Besserung sei nicht absehbar.

In den kommenden Wochen verfolge die RBI nun aufmerksam die Verhandlungen mit der ungarischen Regierung über einen Schuldenerlass für die Kommunen. Während sich der Staat bereiterklärt habe, die Schulden von Kleinstgemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern zu übernehmen, sei weiter unklar, ob bei einem Schuldenerlass für größere Gemeinden auch Banken mitmachen müssten, sagte Stepic. Insgesamt ist die RBI bei ungarischen Gemeinden mit 750 Millionen Euro engagiert.

Ganz so schlimm wie vor einem Jahr ist die Lage für die in dem Land tätigen Banken derzeit allerdings nicht mehr. Damals hatten die Geldhäuser wegen des von der Regierung erzwungenen Schuldenerlasses bei Fremdwährungskrediten deutliche Verluste verbucht. Seither konnte die RBI ihre Kreditrisikovorsorgen deutlich zurückfahren und verbuchte daher im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einen acht Prozent höheren Nettogewinn von 141 Millionen Euro. Grund dafür waren auch brummende Geschäfte im wichtigsten Auslandsmarkt Russland.

BANKENSTEUERN BELASTEN

Neben der angespannten Konjunktur machen der RBI hohe Bankenabgaben in Österreich, Ungarn, der Slowakei und Slowenien zu schaffen. Diese dürften im laufenden Jahr insgesamt auf rund 160 Millionen Euro steigen und 2013 voraussichtlich mindestens 180 Millionen Euro betragen.

Angesichts der durchwachsenen Aussichten will die RBI - zusätzlich zum Abbau von rund 8600 Beschäftigten seit dem Ausbruch der Krise - in Österreich und anderen Märkten Mitarbeiter an "kostengünstigere Standorte" innerhalb des Landes verlegen, um Geld zu sparen.

Eine Kapitalerhöhung, die bereits seit Jahren im Raum steht, ist laut Stepic weiterhin eine mögliche Option. Allerdings habe die Bank derzeit mit 10,2 Prozent eine ausreichend hohe harte Kernkapitalquote (Core Tier 1).

 
A Raiffeisen bank logo is pictured in front of a local branch in Nyon February 10, 2012. REUTERS/Denis Balibouse (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS)