Preisdruck lässt im November nach

Mittwoch, 28. November 2012, 16:14 Uhr
 

Berlin (Reuters) - Der Preisdruck in Deutschland ist erstmals seit dem Sommer unter die Stabilitätsmarke der EZB von zwei Prozent gefallen.

Waren und Dienstleistungen kosteten im November 1,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. Dies ist die niedrigste Inflationsrate seit Juli. Im September und Oktober lag die Teuerungsrate noch bei 2,0 Prozent. Von Oktober auf November fielen die Preise hierzulande um 0,1 Prozent. Insbesondere das Tanken und Hotelübernachtungen verbilligten sich vielerorts. So fielen etwa in Bayern die Preise für Kraftstoffe zum Vormonat um 2,4 Prozent. Pauschalreisen waren 1,2 Prozent günstiger als im Vormonat.

Bei einer Jahresteuerung von knapp unter zwei Prozent spricht die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen. Die Währungshüter stehen am kommenden Donnerstag vor der Frage, ob sie wegen der Rezession in der Euro-Zone den historisch niedrigen Leitzins von derzeit 0,75 Prozent kappen oder stillhalten sollen. Das im Oktober verzeichnete stärkste Geldmengenwachstum in der Euro-Zone seit April 2009 dürfte sie jedoch zur Vorsicht veranlassen. Die EZB stützt sich bei der Datenauswertung auf die Tatsache, dass Geldmengenwachstum und Inflation mittel- bis langfristig eng miteinander verbunden sind.

TROTZ STROMPREISERHÖHUNGEN KEIN INFLATIONSSCHUB ERWARTET

Die Volkswirte der Postbank erwarten allerdings, dass der Preisdruck in den nächsten Monaten hierzulande moderat bleiben wird. Dies sieht auch Ökonom Stephan Rieke von der BHF-Bank so: "Die Perspektiven sind relativ freundlich, auch wenn die Strompreise zu Jahresbeginn anziehen werden." Viele Versorger haben für 2013 bereits höhere Tarife angekündigt. Sie begründen ihre Entscheidung primär mit gestiegenen Steuern und Abgaben, etwa zur Förderung des Ökostroms, und höheren Netzgebühren. Nach einer Erhebung des Verbraucherportals Verivox.de steigen die Preise im Schnitt um 11,6 Prozent. Wie aus vorläufigen Daten aus den Bundesländern hervorgeht, mussten die Nordrhein-Westfalen den Versorgern im November bereits 3,8 Prozent mehr für ihren Strom hinblättern als im Vorjahr. Für Fernwärme und Zentralheizung wurden 7,7 Prozent mehr als im November 2011 fällig.