Siemens-Übernahmehunger nach Bahntechnikzukauf gestillt

Donnerstag, 29. November 2012, 11:26 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Der Übernahmehunger von Siemens im Bahntechnikgeschäft ist nach dem Kauf der Sparte des britischen Technologiekonzerns Invensys erst einmal gestillt.

"Wir planen keine weiteren Deals im Bereich Bahnautomatisierung", sagte der Chef des Siemens-Sektors Infrastruktur, Roland Busch, am Donnerstag in einer Telefonkonferenz. Den nun angekündigten Zukauf für 2,2 Milliarden Euro wollen die Münchener komplett aus der bestehenden Liquidität bezahlen. "Siemens wird keine Schulden für den Zukauf aufnehmen", sagte der Sparten-Finanzchef Hannes Apitzsch. Siemens gehe mit der Übernahme keine Pensionsverpflichtungen ein. Die Siemens-Aktien gewannen in einem freundlichen Marktumfeld 0,7 Prozent.

Mit dem Kauf der Invensys-Sparte, die einen Jahresumsatz von umgerechnet 990 Millionen Euro erzielt, stärkt Siemens sein krisengeschütteltes Zuggeschäft und baut seine Präsenz vor allem im Wachstumsmarkt für Signal- und Leittechnik aus. Der kombinierte Marktanteil liegt bei 17 Prozent und damit doppelt so hoch wie der der nächsten Wettbewerber Alstom und Ansaldo STS. Siemens erwartet Synergien aus der Übernahme von 100 Millionen Euro, die bis 2018 in vollem Umfang zum Tragen kämen. "Zwei Drittel der Synergien werden schon 2016 realisiert", sagte Busch. Kosteneinsparungen machten rund 80 Prozent der Synergien aus, etwa durch einen gebündelten Einkauf oder durch Überschneidungen in der Verwaltung. Zu einem möglichen Stellenabbau wollte sich Busch aber nicht äußern.

SEKTOR INFRASTRUKTUR SCHLUSSLICHT BEI PROFITABILITÄT

Gleichzeitig mit dem Kauf der Invensys-Sparte hatte der Siemens-Aufsichtsrat am Mittwoch auch die Veräußerung des Geschäfts mit Sortieranlagen für Post und Gepäck genehmigt. Busch rechnet mit einem zügigen Verkauf: "Das ist kein krisengeschütteltes Geschäft", betonte er. Er erwarte eine Trennung von dem Segment, das mit 3600 Mitarbeiter zuletzt 900 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete, im nächsten Jahr.

Durch den Zukauf und die Veräußerung will Siemens die Profitabilität des Infrastruktur-Sektors verbessern, zu der neben dem Zuggeschäft auch die Gebäudetechnik und das Geschäft mit Stromnetzen gehören. Der Bereich erzielte im Geschäftsjahr 2011/2012 (zum 30. September) bei einem Umsatz von 17,6 Milliarden Euro eine operative (Ebitda-)Marge von 7,5 Prozent und war damit der schwächste der vier großen Siemens-Sektoren Energie, Gesundheit, Industrie und Infrastruktur. Die Marge werde durch den Umbau bis 2014 um mindestens einen Prozentpunkt steigen, versprach Busch. Damit würde der Sektor in den von Siemens vorgegeben Zielkorridor von acht bis 12 Prozent Ebitda-Marge vorstoßen. Insgesamt sind die anstehenden Transaktionen Teil des Sanierungsplans, mit dem Siemens bis 2014 rund sechs Milliarden Euro sparen und die operative Rendite auf zwölf Prozent trimmen will.

 
The new ICE German high speed train is seen after it arrived at St Pancras station in London, October 19, 2010. REUTERS/Andrew Winning (BRITAIN - Tags: BUSINESS POLITICS SOCIETY TRAVEL)