Herbstbelebung am Arbeitsmarkt deutlich geringer

Donnerstag, 29. November 2012, 11:29 Uhr
 

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Der deutsche Arbeitsmarkt kann sich der Konjunkturflaute kaum noch entziehen.

Im November liegt die Zahl der Arbeitslosen bei 2,751 Millionen. Dies sind zwar 2000 weniger als im Oktober, aber 38.000 mehr als im November vorigen Jahres, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. Damit fiel die Herbstbelebung deutlich geringer aus üblich. "Der Arbeitsmarkt reagiert auf die nachlassende konjunkturelle Dynamik robust", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise zwar. Er rechnet aber im Januar mit einem Anstieg auf drei Millionen Arbeitslose und für 2013 mit deutlich mehr Kurzarbeit.

Der Arbeitsmarkt hinkt der Konjunktur in der Regel rund ein halbes Jahr hinterher. Die Wirtschaft in Deutschland verliert seit dem Jahresanfang zunehmend an Fahrt und dürfte nach Ansicht von Ökonomen im laufenden Quartal wohl nur noch stagnieren. Wegen sinkender Investitionen halten sich immer mehr Firmenchefs mit Neueinstellungen zurück. Das zeigt sich auch daran, dass die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosigkeit im November zum achten Mal in Folge stieg. Es gab ein Plus von 5000, von Reuters befragte Experten hatten einen Zuwachs von 15.000 erwartet. "Zwar dürfte im Winter die Arbeitslosigkeit moderat steigen, doch dürfte die Konjunktur im Laufe des kommenden Jahres wieder an Schwung gewinnen", sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus. "Das wird sich positiv auf die Beschäftigung auswirken."

BA BEFÜRCHTET MEHR KURZARBEIT IN DER AUTOINDUSTRIE

BA-Chef Weise geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit 2013 leicht steigt, während die Beschäftigung stabil bleiben dürfte. Dies werde sich in den BA-Finanzen niederschlagen. Für dieses Jahr sei ein Überschuss von zwei Milliarden Euro zu erwarten, im nächsten Jahr könnte es dann ein Defizit von einer Milliarde Euro geben, betonte Weise. Ein Grund sei, dass die Behörde die finanzielle Vorsorge für Kurzarbeit 2013 verdreifacht habe. BA-Vorstand Raimund Becker sagte, im laufenden Jahr liege die Zahl der Kurzarbeiter bei 60.000 bis 65.000. Vor allem in industrienahen Branchen könnten es künftig mehr werden. "Wir erwarten steigende Kurzarbeit im Wesentlichen im produzierenden Gewerbe, dem Maschinenbau und in der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilindustrie", sagte Becker.

 
Employees of Siemens AG work on the case of a gas turbine in Berlin November 8, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: SCIENCE TECHNOLOGY BUSINESS EMPLOYMENT) HEADSHOT)