Konjunkturschwäche trifft Arbeitsmarkt immer stärker

Donnerstag, 29. November 2012, 14:46 Uhr
 

Nürnberg/Berlin (Reuters) - Der Arbeitsmarkt kann sich der Konjunkturflaute kaum noch entziehen.

Von Oktober auf November sank die Zahl der Arbeitslosen nur um 2000 auf 2,751 Millionen. Damit fiel die Herbstbelebung deutlich schwächer als sonst üblich aus, zum November vorigen Jahres gab es sogar einen Anstieg um 38.000, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. "Der Arbeitsmarkt reagiert auf die nachlassende konjunkturelle Dynamik robust", sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise zwar. Er rechnet aber im Januar wieder mit drei Millionen Arbeitslosen und 2013 mit weit mehr Kurzarbeit. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen betonte: "Wir sind hoch wachsam, aber es gibt keinen Grund für hektische Reaktionen." Sie signalisierte, notfalls die Regelung zum Kurzarbeitergeld zu lockern.

Der Job-Markt hinkt der Konjunktur gewöhnlich rund ein halbes Jahr hinterher. Die Wirtschaft verliert seit Jahresanfang zunehmend an Fahrt und dürfte Ökonomen zufolge in diesem Quartal nur noch stagnieren. Wegen sinkender Investitionen halten sich immer mehr Firmenchefs mit Neueinstellungen zurück. Das zeigt sich auch daran, dass die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenzahl zum achten Mal in Folge stieg - und zwar um 5000. Für die Wintermonate erwartet von der Leyen einen weiteren, aber nur "sehr moderaten Anstieg".

MEHR KURZARBEIT IN DER AUTOINDUSTRIE

BA-Chef Weise geht davon aus, dass die Arbeitslosigkeit 2013 leicht anzieht. Dies schlägt sich auch in den Finanzen nieder: Für dieses Jahr sei ein Überschuss von zwei Milliarden Euro zu erwarten, nächstes Jahr könnte es ein Defizit von einer Milliarde geben, so Weise. Ein Grund sei, dass die Behörde die finanzielle Vorsorge für Kurzarbeit 2013 verdreifacht habe. Nach durchschnittlich 60.000 bis 65.000 Kurzarbeitern in diesem Jahr erwartet die BA 2013 einen Anstieg auf 200.000. Als normal gelten rund 100.000, im Rezessionsjahr 2009 waren es aber fast 1,5 Millionen. Vor allem in der Industrie könnten es künftig mehr werden. "Wir erwarten steigende Kurzarbeit im Wesentlichen im produzierenden Gewerbe, dem Maschinenbau und in der gesamten Wertschöpfungskette der Automobilindustrie", sagte BA-Vorstand Raimund Becker.

Wegen der abflauenden Konjunktur fordern Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände seit längerem die Regierung auf, die Regelungen für die Kurzarbeit zu lockern und etwa die Bezugsdauer des Geldes von sechs Monaten zu verlängern. Von der Leyen sieht aber noch keine Anzeichen für eine Krise. Denn Firmen würden im Schnitt nur drei Monate Kurzarbeit in Anspruch nehmen. "Wenn die Dinge so bleiben, dann kommen wir sehr gut mit dem vorhandenen Instrumentarium zurecht." Dennoch würden verschiedene Optionen geprüft. "Denn wichtig ist, wenn die Lage schwieriger wird, dass man sehr schnell und zügig handeln kann", ergänzte die Ministerin.

Die Opposition forderte die Regierung unterdessen auf, mehr für die Beschäftigung zu tun. SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil mahnte mehr Vorsorge an. "Sonst droht, dass aus dem Stillstand am Arbeitsmarkt Rückschritt wird". Die Grünen-Expertin Brigitte Pothmer warf von der Leyen vor, Geld für die Arbeitsförderung zusammenzustreichen.

Wegen der Schuldenkrise rechnet die BA für 2012 unter dem Strich mit einer Zuwanderung von gut 100.000 Arbeitskräften aus vorwiegend europäischen Ländern. "Das ist ein gutes Signal", so Weise. Es gebe viele offenen Stellen für diese Menschen. Vor allem Fachkräfte werden in zahlreichen Branchen seit Jahren händeringend gesucht.

 
Employees of Siemens AG work on the case of a gas turbine in Berlin November 8, 2012. REUTERS/Tobias Schwarz (GERMANY - Tags: SCIENCE TECHNOLOGY BUSINESS)