Kreise - Metro vor Milliarden-Verkauf von Real-Teilen

Donnerstag, 29. November 2012, 17:12 Uhr
 

Frankfurt/Düsseldorf/Paris (Reuters) - Lange stand die Supermarktkette Real beim Handelsriesen Metro im Schaufenster - nun hat sich Finanzkreisen zufolge für das Osteuropa-Geschäft ein Käufer gefunden.

Eine Einigung zwischen Metro und dem französischen Wettbewerber Auchan stehe unmittelbar bevor, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Der Kaufpreis werde voraussichtlich bei etwas über einer Milliarde Euro liegen. Die Geschäfte Reals in Deutschland und der Türkei seien nicht Teil der sich abzeichnenden Einigung. Ein Metro-Sprecher wollte die Angaben nicht kommentieren, auch von Auchan war keine Stellungnahme zu erhalten.

Metro hat die Supermarktkette Real und die Warenhaustochter Kaufhof bereits vor Jahren zur Disposition gestellt - der Handelsriese will sich auf sein Geschäft mit Großmärkten und Europas größter Elektronikkette Media-Saturn konzentrieren. Pläne zum Verkauf der Warenhauskette Kaufhof hatte der seit Jahresbeginn amtierende Metro-Chef Olaf Koch indes auf Eis gelegt und sich auf Gespräche über die Zukunft von Real konzentriert, bei denen Goldman Sachs Metro beriet. Koch hatte dabei bereits angedeutet, dass das Inlandsgeschäft der Supermarktkette bei Metro verbleiben könnte. Denn hier kann Metro hohe Verlustvorträge nutzen - schreibt Real in Deutschland nachhaltig schwarze Zahlen, treibt dies die zuletzt bröckelnden Gewinne des Konzerns.

Anders sieht es mit dem Auslandsgeschäft aus. Insider hatten in den vergangenen Monaten immer wieder berichtet, Metro verhandele über einen Verkauf. Dabei war sowohl ein Verkauf einzelner Landesgesellschaften als auch eine Veräußerung des osteuropageschäfts an Auchan sondiert worden. Real hatte 2011 einen Umsatz von 11,2 Milliarden Euro eingefahren, rund 8,3 Milliarden Euro davon im deutschen Heimatmarkt. Real ist mit 108 Märkten in Osteuropa - unter anderem in Russland, Polen und Rumänien - sowie in der Türkei vertreten, in Deutschland gibt es 312 Standorte. Real beschäftigt insgesamt knapp 50.000 Menschen. In den ersten neun Monaten 2012 hatte die Kette im Ausland einen Umsatz von rund 2,1 Milliarden Euro eingefahren. Metro-Chef Koch hatte erst kürzlich gesagt, ein Verkauf des Auslandsgeschäfts von Real sei eine Möglichkeit, eine Entscheidung solle bis Jahresende fallen.

Ein Verkaufspreis von gut einer Milliarde Euro wäre keine Überraschung: In Finanzkreisen hatte es geheißen, 200 bis 300 Millionen Euro könnten für die Real-Immobilien in Osteuropa veranschlagt werden, 500 bis 600 Millionen Euro für das operative Geschäft.

Auchan ist eine französische Handelgruppe, bei der die Gründerfamilie Mulliez noch entscheidenden Einfluss ausübt. Auchan beschäftigt knapp 270.000 Menschen.

Ein Verkauf wäre ein Befreiungsschlag für den zuletzt in Bedrängnis geratenen Konzern und seinen Chef Koch - die lange schwächelnden Metro-Aktien legten am Donnerstag um 1,20 Prozent auf 21,58 Euro zu. In den vergangenen Monaten hatte der Handelsriese den Abstieg seiner Aktien aus dem Dax verkraften und Koch seine Gewinnerwartungen für 2012 zurücknehmen müssen. Zudem stuften wichtige Rating-Agenturen Metro herunter. Erst am Mittwoch hatte zudem Media-Saturn Alteigner Erich Kellerhals erklärt, er werde sich nicht an einer Expansion der Kette in China beteiligen.