USA werden zum Hoffnungsträger für Weltwirtschaft

Donnerstag, 29. November 2012, 15:49 Uhr
 

Washington (Reuters) - Die USA mausern sich vom Sorgenkind zum Hoffnungsträger der Weltwirtschaft.

Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal mit 2,7 Prozent mehr als doppelt so schnell wie im vorigen Vierteljahr. Vom Aufschwung profitieren besonders die deutschen Exporteure, die ihren US-Umsatz in den ersten neun Monaten 2012 um mehr als ein Fünftel steigerten. Für weltweit anziehende Aktienkurse sorgte aber vor allem die Aussicht auf eine Beilegung des quälenden Haushaltsstreits zwischen Präsident Barack Obama und den Republikanern. Dadurch könnte der Weltwirtschaft eine zweite große Baustelle neben der Euro-Krise erspart bleiben.

Das Handelsministerium korrigierte am Donnerstag das vorläufige Ergebnis von 2,0 Prozent kräftig nach oben. Grund dafür war, dass sich in den Lagern der Unternehmen mehr Waren stapeln als bislang angenommen. Auch wenn sie noch nicht verkauft wurden, so fließen sie doch in die Berechnung des Bruttoinlandsproduktes ein. Für das Schlussquartal könnte das allerdings zum Bumerang werden, weil die Unternehmen versuchen dürften, zunächst ihre Lager zu räumen - bevor sie die Produktion ankurbeln. Impulse kamen zudem vom Wohnungsbau und den Staatsausgaben. Exporte und privater Konsum legten ebenfalls zu, wenn auch langsamer. Dagegen investierten die Unternehmen erstmals seit über einem Jahr weniger.

Hoffnung auf eine stärkere Belebung macht vor allem die blendende Verbraucherstimmung. Sie ist so gut wie seit fast fünf Jahren nicht mehr, weil zuletzt die Zahl der Beschäftigten gestiegen ist. Das sind gute Voraussetzungen für ein robustes Wachstum des privaten Konsums, der etwa 70 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht. "Zu Beginn des nächsten Jahres sollte die US-Wirtschaft wieder stärker Tritt fassen", sagte Postbank-Experte Thilo Heidrich.

HAUSHALTSSTREIT SOLL BIS WEIHNACHTEN BEIGELEGT WERDEN

Aus Sicht der US-Notenbank Fed ist der erbittert geführte Haushaltsstreit Hauptursache für die sinkenden Investitionen. Er bereitet vor allem der Industrie Kopfschmerzen, hieß es im jüngsten Konjunkturbericht. Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht auf einen Kompromiss einigen können, drohen den USA zur Jahreswende automatisch massive Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen. Eine vierköpfige Durchschnittsfamilie müsste dann im kommenden Jahr 2000 Dollar mehr Steuern bezahlen. Durch diese sogenannte "Fiskalklippe" könnten die USA erneut in die Rezession abgleiten.

Allerdings sind die Chancen für einen Deal gerade gestiegen. "Ich gehe davon aus, dass wir uns einigen werden", sagte Präsident Obama. "Meine Hoffnung ist, dass dies bis Weihnachten passiert." Auch der einflussreiche ranghohe Republikaner John Boehner gab sich optimistisch, dass eine Einigung erzielt werde.

"MADE IN GERMANY" BOOMT

An den globalen Börsen zogen deshalb die Aktienkurse an. Der Dax verbesserte sich um 0,7 Prozent auf 7393 Punkte. Auch die Wall Street eröffnete mit Kursgewinnen. Nach einer Prognose der Industriestaaten-Organisation OECD wird die US-Wirtschaft 2013 mit 2,0 Prozent ähnlich schnell wachsen wie in diesem Jahr mit 2,2 Prozent. 2014 soll sich das Tempo auf 2,8 Prozent erhöhen. Vom Aufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft profitieren auch die deutschen Exporteure. In den ersten neun Monaten 2012 stiegen die Ausfuhren in die USA um fast 21 Prozent auf 65 Milliarden Euro. Nur in Frankreich nahmen die Unternehmen noch mehr ein.

 
The Capitol Christmas Tree is installed on the west side of the U.S. Capitol in Washington November 26, 2012. The tree is an Engelmann Spruce from Meeker, Colorado, and will be decorated in the coming days for the holidays. It is part of an annual tradition since 1964. REUTERS/Jason Reed (UNITED STATES - Tags: SOCIETY)