Strabag setzt erneut Fragezeichen hinter Gewinnprognose

Freitag, 30. November 2012, 09:10 Uhr
 

Wien (Reuters) - Das Ausbleiben öffentlicher Aufträge durch die Schuldenkrise und ein ruinöser Preiskampf mit der Konkurrenz bremsen den Baukonzern Strabag.

In den ersten neun Monaten verbuchte das österreichische Unternehmen lediglich einen Betriebsgewinn von 1,7 Millionen Euro nach einem Plus von 208 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie die Firma am Freitag mitteilte. Die Prognose für ein Betriebsergebnis von rund 200 Millionen Euro im laufenden Jahr sei daher "außerordentlich ambitioniert", sagte Firmenchef und Großaktionär Hans Peter Haselsteiner. "Das vierte Quartal wird hierfür entscheidend sein - vor allem was den Verkehrswegebau, das Baustoffgeschäft und die Märkte Osteuropas anbelangt." Im traditionell gewinnträchtigen dritten Quartal sank das Ergebnis stärker als von Analysten erwartet um zwölf Prozent auf 168 Millionen Euro.

Es ist bereits das zweite Mal im laufenden Jahr, dass Strabag andeutet, die Prognose möglicherweise nicht zu erreichen: Zuletzt hatte das Unternehmen im April das damals geltende Ergebnisziel von über 300 Millionen Euro als "mehr als ambitioniert" bezeichnet - und die Prognose dann im Juli auf rund 200 Millionen Euro gekappt.

Besonders zu kämpfen hat Strabag derzeit im wichtigen polnischen Markt. Dort zahlten öffentliche Auftraggeber bereits fertiggestellte Bauten nur zögerlich. Zudem gebe es dort kaum Neugeschäft, weil der Staat sein gesamtes Baubudget bereits aufgebraucht habe. Eine Besserung ist vorerst nicht in Sicht. "Größere Auftragsvergaben durch die öffentliche Hand erwartet Strabag erst wieder zur Jahreswende 2013/2014", hieß es im Zwischenbericht.

Wenig Freude bereitet Strabag derzeit auch das Straßenbaugeschäft in Deutschland. Dort unterbieten sich viele mittelständische Unternehmen mit Kampfpreisen, um an einen der wenigen Aufträge zu kommen. Nur wenig besser sei die Lage in Südosteuropa, wo die Bauwirtschaft in einigen Ländern "mehr als träge" sei. Im Baustoffgeschäft, in dem Strabag Zement, Beton und Kies verkauft, schlugen sich hohe Materialkosten sowie geringere Verkaufsmengen und -preise negativ nieder. "Die Umstände in der Bauwirtschaft werden schwieriger, als wir es in den vergangenen Jahren gewohnt waren", sagte Haselsteiner.

Der Preiskampf und die maue Auftragslage in Europa haben bereits einige Baukonzerne in Existenzgefahr gebracht. In Polen mussten Firmen Insolvenz anmelden. Auch die österreichische FCC-Tochter Alpine war in Schwierigkeiten geraten - hatte zuletzt jedoch ein Stillhalteabkommen mit ihren Kreditgebern vereinbart. Bei Strabag fiel die Eigenkapitalquote auf 29,3 nach 30,3 Prozent zum Ende des vergangenen Jahres.

GROSSAUFTRÄGE SCHÜREN HOFFNUNG

Anlass zur Hoffnung gibt allerdings der Auftragsbestand, der durch Großaufträge aus Italien und Deutschland in den ersten neun Monaten um vier Prozent auf 14,6 Milliarden Euro zulegte. In Hamburg baut Strabag gemeinsam mit einem Partner für 700 Millionen Euro 15 Schulen - wobei die Österreicher die Hälfte des Projektvolumens tragen. In Italien hat Strabag einen Auftrag für eine Autobahnumfahrung von Mailand erhalten, der den Auftragsbestand um eine Milliarden Euro in die Höhe schnellen ließ.