Thyssen entlässt Mitarbeiter bei Tochter wegen Untreue

Freitag, 30. November 2012, 16:33 Uhr
 

Düsseldorf/Frankfurt (Reuters) - Der Industriekonzern ThyssenKrupp kommt nicht aus den Schlagzeilen.

Mitarbeiter der kleinen Tochtergesellschaft GfT Bautechnik sollen in Osteuropa unsauber gearbeitet haben. Wegen des Verdachts auf Untreue schaltete Thyssen deshalb die Staatsanwaltschaft ein. Die verdächtigen Mitarbeiter wurden entlassen. "ThyssenKrupp sieht sich selbst als geschädigt und hat bereits Schadensersatzansprüche gerichtlich geltend gemacht", erklärte der Konzern am Freitag. Der Fall reiht sich nahtlos ein in Diskussionen um teure Presseveranstaltungen, Spekulationen um zweistellige Milliardenverluste beim Verkauf der Stahlwerke in Übersee und Ärger wegen Preisabsprachen im Schienengeschäft, mit denen sich die Essener in den vergangenen Monaten konfrontiert sahen.

Nun steht die Tochter GfT Bautechnik im Mittelpunkt. Dort seien "Unregelmäßigkeiten im Vertriebsgebiet Osteuropa der Gesellschaft festgestellt" worden, erklärte der Konzern. Vorausgegangen seien interne Untersuchungen nach anonymen Hinweisen im Jahr 2010 auf angebliche Verstöße gegen Compliance-Regeln. Diese hätten sich zwar nicht bestätigt, allerdings seien im Zuge dessen Unregelmäßigkeiten aufgefallen. Über die Untersuchung berichteten auch das "Handelsblatt" und die "WAZ". Beide Zeitungen schrieben von Geschäften in Kasachstan und anderen Ländern mit zweifelhaften Zahlungen in Millionenhöhe. Die Summe soll sich aus Scheinrechnungen und Provisionen zusammensetzen, für die im Gegenzug keine Leistungen erkennbar sein sollen. Wegen der laufenden staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wolle ThyssenKrupp keine weitere Angaben machen.

Die Staatsanwaltschaft Essen bestätigte Ermittlungen im Zusammenhang mit osteuropäischen Geschäften bei der GfT. Diese stünden aber noch ganz am Anfang, sagte ein Sprecher. Es gehe um "Untreue, Bestechung, Bestechlichkeit". Das Verfahren richte sich insgesamt gegen 14 Beschuldigte. Derzeit hätten diese Gelegenheit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen. Da dies viel Zeit in Anspruch nehme, könne nicht gesagt werden, wann das Verfahren beendet sein werde.

Einer der entlassenen Manager - ein Sprecher sprach gegenüber der Zeitung von insgesamt sechs gekündigten Mitarbeitern - wies die Vorwürfe im "Handelsblatt" zurück. Versteckte Zahlungen und verschleierte Provisionen habe es nicht gegeben, sagte dessen Anwalt. Der Manager klage gegen seine Entlassung.

THYSSENKRUPP MIT VIELEN PROBLEMEN

Die Untreue-Vorwürfe sind für die Essener aber derzeit nicht das einzige Problem. So gibt es Spekulationen, der Konzern könne seine Stahlwerke in den USA und Brasilien nur mit einem zweistelligen Milliarden-Verlust verkaufen. Zudem hatte es in Berichten geheißen, dass der Verkauf nicht vor Herbst 2013 abgeschlossen werden könnte. Beides hatte die im Dax gelistete Aktie belastet. Wegen illegaler Preisabsprachen im Schienengeschäft muss sich Thyssen zudem auf eine Klage der Deutschen Bahn gefasst machen. Medienberichten zufolge ist der Bahn durch die Absprachen ein Schaden von 500 Millionen Euro entstanden, die diese nun einfordern könnte.

Mit unsauberen Geschäftspraktiken muss sich derzeit aber nicht nur ThyssenKrupp auseinandersetzen. Korruptionsvorwürfe gegen Mitarbeiter gibt es etwa auch beim Baukonzern Bilfinger. Sie sollen Schmiergelder bei Bauprojekten in Ungarn und der Slowakei gezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft München bezichtigt den Rüstungskonzern EADS der Bestechung beim Eurofighter-Geschäft mit Österreich. Hier sollen Gelder an eine Londoner Briefkastenfirma geflossen sein. Beihilfe zur Bestechung eingeräumt hat der frühere Chef der MAN-Nutzfahrzeugsparte.

 
A cross atop a hill is pictured in front of a coking plant at the steelworks of German steel maker ThyssenKrupp AG in Bruckhausen, a suburb of the western German city of Duisburg October 2, 2012. Picture taken October 2. REUTERS/Ina Fassbender