Metro verschafft sich mit Real-Teilverkauf Luft

Freitag, 30. November 2012, 16:31 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Der Handelskonzern Metro verkauft weite Teile des Osteuropa-Geschäfts seiner Supermarktkette Real an den französischen Konkurrenten Auchan.

Metro-Chef Olaf Koch gelingt es damit erstmals seit seinem Amtsantritt vor knapp einem Jahr, einen größeren Unternehmensteil zu veräußern. Er will Metro nun stärker auf das Kerngeschäft mit Großhandelsmärkten und Europas größter Elektrohandelskette Media-Saturn ausrichten: "Die heutige Transaktion macht uns fokussierter."

Der Kaufpreis für Auchan liege bei 1,1 Milliarden Euro, teilten die Düsseldorfer am Freitag mit. Die Geldzuflüsse will Koch vor allem zum Schuldenabbau nutzen. Insgesamt werde Metro im kommenden Jahr durch die Transaktion einen Gewinn von bis zu 50 Millionen Euro erzielen. Der Verkauf von Real Osteuropa an Auchan umfasst laut Metro 91 Real-Warenhäuser in Polen, Russland, Rumänien und der Ukraine sowie Immobilien von 14 Standorten. Real habe in den vier Ländern im Jahr 2011 mehr als 2,6 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet und beschäftige dort rund 20.000 Mitarbeiter. Auchan verfügt in diesen Ländern über 98 Großmärkte. Die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Im kommenden Jahr soll sie endgültig besiegelt werden.

Das Deutschland-Geschäft von Real verbleibt dagegen bei der Metro - ebenso wie das in der Türkei. "Real Deutschland ist fester Bestandteil des Portfolios der Metro", betonte Koch. Das Geschäft solle weiterentwickelt werden. "Wir beschäftigen uns mit keiner anderen Option", betonte er und schloss einen Verkauf erst einmal aus. Umgekehrt wolle Metro auch nicht zukaufen, um das Real-Geschäft in der Türkei zu stärken. Die Transaktion bedeute auch keinen Abschied aus Osteuropa - ganz im Gegenteil: Mit Media Markt und Saturn sowie seinen Großhandelsmärkten wolle Metro dort weiter wachsen, unterstrich Koch. Dies gelte vor allem für Russland.

Metro hatte monatelang mit Auchan über einen Verkauf von Real in Osteuropa verhandelt. Auchan wolle seine Präsenz in der Region ausbauen, betonte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Groupe Auchan, Vianney Mulliez. Die Real-Märkte dort sollten künftig unter der Marke Auchan firmieren.

Der Verkaufspreis von über einer Milliarde Euro ist keine Überraschung: In Finanzkreisen hatte es geheißen, 200 bis 300 Millionen Euro könnten für die Real-Immobilien in Osteuropa veranschlagt werden, 500 bis 600 Millionen Euro für das operative Geschäft.

Auchan ist eine französische Handelsgruppe, bei der die Gründerfamilie Mulliez noch entscheidenden Einfluss ausübt. Aber auch die Beschäftigten sind mit knapp zwölf Prozent an der Gruppe beteiligt. Auchan beschäftigt knapp 270.000 Menschen - und fährt über 56 Milliarden Euro Umsatz ein. Die Kette ist in zwölf Ländern in Europa und Asien vertreten.

DAX-ABSTIEG UND REVIDIERTE PROGNOSE ZEHREN AN METRO

Der Verkauf ist ein Erfolg für den Konzern und seinen Chef Koch - die lange schwächelnden Metro-Aktien legten am Freitag um knapp zwei Prozent auf 21,98 Euro zu. In den vergangenen Monaten hatte der Handelsriese den Abstieg seiner Aktien aus dem Dax verkraften und seine Gewinnerwartungen für 2012 zurücknehmen müssen. Zudem stuften Rating-Agenturen Metro herunter. Metro werde dies nicht dauerhaft hinnehmen und baue die Schulden ab, unterstrich Koch nun. Auch der Streit um Media-Saturn schwelt weiter: Erst am Mittwoch hatte Miteigner Erich Kellerhals erklärt, er werde sich an einer Expansion der Kette in China nicht beteiligen. Koch sagte, Metro habe noch nicht entschieden, ob Media Markt in China neue Filialen eröffnen werden. Der Wettbewerb in China sei aber schärfer geworden, fügte Koch hinzu. Bis Jahresende werde Metro entscheiden.

 
Shopping carts of Germany's biggest retailer Metro AG are lined up at a Metro cash and carry market in the western German city of Sankt Augustin near Bonn May 23, 2012.