Moody's entzieht Euro-Rettungsschirm Spitzenrating

Samstag, 1. Dezember 2012, 15:57 Uhr
 

Brüssel/Berlin (Reuters) - Die Ratingagentur Moody's hat den Euro-Rettungsschirmen ESM und EFSF die Bestnote entzogen.

Die Bonitätswächter stuften sie am späten Freitagabend um eine Note auf Aa1 von Aaa herab. Grund für die Senkung des Ratings sei die jüngste Herabstufung von Frankreich. Der Ausblick blieb negativ, womit eine weitere Herabstufung droht. Der Chef der beiden Rettungsschirme ESM und EFSF, Klaus Regling, nannte die Entscheidung nicht nachvollziehbar. Moody's trage dem außergewöhnlichen festen institutionellen Rahmen, der politischen Rückendeckung sowie der Kapitalstruktur nicht ausreichend Rechnung.

Mit der Herabstufung Frankreichs hatte Moody's Anfang vergangener Woche Sorgen vor einer Ausweitung der Schuldenkrise geschürt. Zwar liegt der Fokus oft auf dem von der Pleite bedrohten Griechenland oder dem seit Monaten auf den Rettungsschirm schielenden Spanien. Doch Frankreich als zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone gilt als heimliches Sorgenkind des Währungsraums. Das Land kämpft gegen eine steigende Arbeitslosigkeit und einen Niedergang des Industriesektors.

Frankreich sei der zweitgrößte Unterstützer beider Instrumente, hieß es in der Begründung der Ratingagentur. Die Kreditwürdigkeit von ESM und EFSF seien stark abhängig von der Kreditwürdigkeit ihrer größten Unterstützer. Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone hat weiter die begehrte Bestnote Aaa, allerdings auch mit einem negativen Ausblick.

Mit einer schlechteren Bonitätsnote sind oft höhere Zinsen für den Schuldner verbunden. Moody's verwies jedoch darauf, dass beide Rettungsfonds noch sehr hoch bewertet seien.

RUF NACH BESCHLEUNIGUNG DER AGENTUR-REGULIERUNG

Scharfe Kritik an der Herabstufung der Rettungsschirme äußerte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß. "Nach der von ökonomischer und politischer Blindheit geprägten Entscheidung von Moody's zur Herabstufung des ESM muss jetzt der europäische Entscheidungsprozess zur Regulierung der Ratingagenturen beschleunigt werden", forderte Poß.

Am Dienstag hatten sich die EU-Länder und das Europäische Parlament auf Regeln für eine strengere Kontrolle der Agenturen geeinigt. Ziel ist es, die Bonitätsprüfer für ihre Notenvergabe stärker zur Verantwortung ziehen zu können. So sollen Klagen leichter gemacht und den Agenturen mehr Transparenz auferlegt werden. Die Vorschriften werden einem EU-Vertreter zufolge frühestens im kommenden Jahr in Kraft treten.

Zentrales Anliegen der neuen Vorgaben sind schärfere Vorgaben für die Notenveröffentlichung. Die Agenturen müssen in einem Kalender festlegen, wann sie Ratings vergeben. Diese sollen außerhalb der Handelszeiten und auf einer europäischen Plattform bekanntgegeben werden. Kritiker verwiesen darauf, dass die Regeln im Zuge der Verhandlungen aufgeweicht wurden. Vom Tisch ist etwa die Forderung, Länder-Bewertungen auszusetzen, solange Rettungsprogramme organisiert werden. Abgeschwächt wurde der Vorschlag, Anleihe-Emittenten eine Rotation der Ratingagenturen vorzuschreiben.

 
A man holding an umbrella in the colours of the European Union enters the chancellery in Berlin before talks between government and opposition leaders about the EU fiscal pact June 21, 2012. Germany's small Left Party said it would lodge a complaint with the constitutional court in an attempt to prevent ratification of the European Union's fiscal pact, which the Berlin government has championed, and the ESM permanent bailout scheme. REUTERS/Thomas Peter (GERMANY - Tags: POLITICS BUSINESS)